10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2006 / † Frank McCourt

† Frank McCourt  [ USA, Irland ]

Biographie

Frank McCourt Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2006.

Bibliographie

Ein rundherum tolles Land
Luchterhand
München, 2000
[U: Rudolf Hermstein]

Die Asche meiner Mutter
Ueberreuter
München, 2006
[U: Harry Rowohlt]

Tag und Nacht und auch im Sommer
Luchterhand
München, 2006
[Ü: Rudolf Hermstein]

Frank McCourt wurde 1930 als Sohn irischer Einwanderer in New York geboren. Seine Kindheit und Jugend, für deren literarische Bearbeitung er bekannt werden sollte, verbrachte er jedoch im irischen Limerick. Dorthin war seine Familie nach einigen Jahren, die nicht den erhofften Wohlstand gebracht hatten, völlig mittellos zurückgekehrt. Sein Vater fand jedoch weiterhin nur selten Arbeit und vertrank häufig die Armenunterstützung im Pub, während seine Mutter einen verzweifelten Kampf um das Überleben ihrer sechs Kinder führte. Im Alter von 19 Jahren zog es McCourt erneut in die USA. Später studierte er an der New York University Englische Literaturwissenschaft und lehrte 27 Jahre lang Englisch und Kreatives Schreiben an verschiedenen Schulen und Colleges, unter anderem an der Stuyvesant High School in New York City. Erst nach seiner Emeritierung erfüllte er sich einen lang gehegten Wunsch und schrieb das autobiografische Werk »Angela's Ashes« (1996; dt: »Die Asche meiner Mutter«, 1996), das ein internationaler Bestseller wurde und einen Boom literarischer Kindheitserinnerungen auslöste.

McCourt schildert seine Jugend in den Elendsvierteln von Limerick aus der Perspektive des Heranwachsenden und bedient sich dabei einer regional gefärbten Umgangssprache und einer unprätentiösen Erzählweise. »Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, dann frage ich mich, wie ich überhaupt überlebt habe. Natürlich hatte ich eine unglückliche Kindheit; eine glückliche Kindheit lohnt sich ja kaum. Schlimmer als die normale unglückliche Kindheit ist die unglückliche irische Kindheit, und noch schlimmer ist die irische katholische Kindheit«, beginnt der Autor seine Erinnerungen. In oft humorvollen, ironischen Anekdoten erzählt McCourt ohne Bitterkeit von Armut, Entbehrung und Familienkonflikten, von Doppelmoral und absurden Erlebnissen mit staatlichen und kirchlichen Einrichtungen. Wo »Angela's Ashes« endet, setzt »'Tis« (1999, dt. »Ein rundherum tolles Land«, 1999) ein: Mit 19 Jahren hat Frank endlich genug Geld gespart, um in die USA zurückzukehren. Dort angekommen, schlägt er sich zunächst mit Gelegenheitsjobs durch, immer im Kampf um soziale Anerkennung und Integration. Als amerikanischer Soldat ist er einige Jahre in Deutschland stationiert und kann nach seiner Rückkehr die Aufnahmestelle der New York University überreden, ihn ohne qualifizierenden Abschluss zum Studium zuzulassen. In lockerer chronologischer Abfolge rekapituliert der Autor in »'Tis« seinen Werdegang als Lehrer und die weitere Entwicklung seiner Familie. 2005 veröffentlichte er mit »Teacher Man« (dt. »Tag und Nacht und auch im Sommer«, 2006) den dritten Teil seiner Autobiografie, in dem er seine langjährige Lehrtätigkeit beschreibt und reflektiert.

McCourt erhielt den Pulitzer Preis für Biografie und wurde u.a. mit dem National Book Critics Award, dem Los Angeles Times Book Award und dem American Booksellers Book of the Year Award ausgezeichnet. 1999 wurde »Angela's Ashes« unter der Regie von Alan Parker verfilmt. Frank McCourt starb am 19. Juli 2009 in New York.

© internationales literaturfestival berlin

abgelegt unter: