10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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E.R. Frank  [ USA ]

Biographie

E.R. Frank Portrait
© Jessica Williams

Gast des ilb 2006.

Bibliographie

Das Leben ist komisch
Beltz & Gelberg
Weinheim, Basel, 2004
[Ü: Heike Brandt]

Friction
Simon & Schuster
New York, 2004

Ich bin Amerika
Beltz & Gelberg
Weinheim, Basel, 2005
[Ü: Heike Brandt]

Wrecked
Simon & Schuster
New York, 2005

E.R. Frank wurde 1968 geboren und verbrachte viele Jahre als therapeutische Sozialarbeiterin in New York. Heute lebt sie als Schriftstellerin und Psychotherapeutin in New Jersey. In ihrer Praxis arbeitet sie mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen und hat sich auf traumatische Erkrankungen spezialisiert. »Life is Funny« (2000, dt. »Das Leben ist komisch«, 2002) war ihr erster Roman, der gleich ein fulminanter Erfolg wurde. Elf Jugendliche erzählen darin über einen Zeitraum von sieben Jahren hinweg von ihrer Kindheit in Brooklyn. Die Autorin schildert die Schicksale gefährdeter Jugendlicher, manchmal s pr öde und schonungslos, aber nie ohne Liebe und Zuversicht. Wie in Robert Altmans Episodenfilm »Short Cuts« kunstvoll miteinander verwoben, findet Frank für jeden Einzelnen eine unverwechselbare Stimme und lässt spannende Portraits entstehen – von Keisha, die als Zwölfjährige von ihrem Bruder sexuell belästigt wird, aber vier Jahre später von einer intakten Beziehung zu einem Gleichaltrigen erzählen kann, oder von dem schwarzen Jungen Eric, der seinem kleinen Bruder den Vater ersetzen muss und dies auf seine raue Art liebevoll tut. »Ein außerordentlich beeindruckendes Buch über die Fähigkeit von Jugendlichen, sich in der Welt zu behaupten«, schrieb »Publishers Weekly«.
Auch die folgenden Romane der Autorin erzählen von den Zumutungen der Welt, vom Lebensgefühl alleingelassener Jugendlicher, von Alkohol und Missbrauch, von Gewalt und Diskriminierung ebenso wie von Freiheit, Verwundbarkeit, von Größe und dem Gefühl des »Gerettetwerdens«. E.R. Franks Ton ist klar, ungebrochen und lyrisch. Sie ist eine Autorin mit »Bodenhaftung«, die die Themen, Schauplätze und die S pr ache ihrer Romane an ihren jungen Lesern ausrichtet. Über ihr Talent, »Stimmen« einzufangen, sagt sie: »Wenn ich mit Menschen zusammen bin, die eine unverwechselbare Eigenart haben zu s pr echen, nehme ich das sofort wahr, bin gefangen genommen und finde mich selbst wieder, wie ich ihre S pr ache benutze und in ihr schreibe.«
Als einen »der besten Adoleszenzromane der letzten Jahre« feierte die »Süddeutsche Zeitung« E.R. Franks 2005 in deutscher Übersetzung erschienenen Jugendroman »Ich bin Amerika« (engl. »America«, 2002). Seinen Vater kennt der fünfzehnjährige Protagonist »Amerika« nicht, die Mutter ist cracksüchtig, und so wächst er bei der herzensguten Mrs. Harper auf. Nur ein Wochenende soll er bei seiner Mutter in New York verbringen, doch die verschwindet spurlos. Durch Pannen der Behörden rutscht Amerika durch alle Raster, schlägt sich alleine durch und erleidet dabei schwere Schäden. Auf dem Weg in ein neues Leben erzählt Amerika seinem Therapeuten von den brutalen Brüdern, von Browning, der Amerika sexuell quält, aber auch von seinen Freunden. In zähen Therapiesitzungen kehren Bruchstücke des Verdrängten zurück. Über ihre Protagonisten sagt E.R. Frank: »Diese Figuren sind das Ergebnis meiner gesammelten Erfahrung und meiner Einbildungskraft zugleich. Sie hätten ganz einfach in mein Büro spazieren können, haben sich jedoch in meinem Herzen eingefunden.« Der Roman ist für den Deutschen Jugendliteratur pr eis 2006 nominiert.
Nach »Friction« (2003; Ü: Reibung) legte E.R. Frank 2005 mit »Wrecked« (Ü: Abgefuckt) ihren vierten Roman für Teenager vor, der ebenfalls enthusiastische Kritiken erhielt.

© internationales literaturfestival berlin

E.R. Frank
© Ali Ghandtschi

Berlin View

E. R. Franks "Kommabild"