10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Deborah Eisenberg  [ USA ]

Biographie

Deborah Eisenberg Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2006.

Bibliographie

Pastorale
Samuel French
New York, 1982

Eine lehrreiche Geschichte
Rowohlt
Reinbek, 1991
[Ü: Nikolaus Hanse, Sabine Hübner]
Reisen mit leichtem Gepäck

Rowohlt
Reinbek, 1991
[Ü: Nikolaus Hansen]

Im Paradies des Regengottes
Rowohlt
Reinbek, 1995
[Ü: Nikolaus Hansen, Sabine Hübner]

The Stories (so far) of Deborah Eisenberg
Farrar, Straus and Giroux
New York, 1997

Rosie besorgt sich eine Seele
Rowohlt
Reinbek, 2000
[Ü: Sabine Hedinger, Antje Landshoff, Nikolaus Hansen]

Twilight of the Superheroes
Farrar, Straus and Giroux
New York, 2006

Deborah Eisenberg wurde 1945 in Chicago geboren und wuchs in dessen Vorort Winnetka auf. 1966 zog sie nach New York und studierte Sozialwissenschaften an der New School for Social Research. Anschließend arbeitete sie in verschiedenen Jobs, darunter als Kellnerin und Sekretärin. Nachdem sie ihren Lebenspartner, den Dramatiker und Schauspieler Wallace Shawn, kennengelernt hatte, begann sie zu schreiben. Sie debütierte mit dem Bühnenstück »Pastorale« (1982), das von der Theatergruppe Second Stage aufgeführt wurde. Mitte der achtziger Jahre veröffentlichte sie im »New Yorker« ihre erste Kurzgeschichte »Flotsam«, die ihren Band »Transactions in a Foreign Currency« (1986; dt. »Reisen mit leichtem Gepäck«, 1989) eröffnete.

Bis heute veröffentlichte Eisenberg vier Bände mit Kurzgeschichten, die sie in den Rang einer Meisterin ihres Fachs und einer bedeutenden Chronistin modernen amerikanischen Großstadtlebens erhoben. Größtenteils durch Dialoge und präzise, pointierte Schilderungen evoziert sie Innenansichten amerikanischer Charaktere, die sich durch übergroße Erwartungen selbst lähmen. Mit feinem Gespür für Phrasen, Klischees und falsche Selbstbilder zeigt sie dabei Mechanismen der Selbsttäuschung und Realitätsflucht, aber auch den mühsamen Widerstand dagegen. Jede umfassende Erkenntnis oder entscheidende Einsicht bleibt den Charakteren allerdings verwehrt. Die Titelgeschichte ihres Bandes »Under the 82nd Airborne« (1992; dt. »Eine lehrreiche Geschichte«, 1991) erzählt beispielsweise von einer Frau, deren Traum von einer Karriere als Schauspielerin immer unrealistischer wird. Nachdem sie sich siebzehn Jahre lang nicht um ihre Tochter, die inzwischen in Honduras lebt, gekümmert hat, arrangiert sie ein Treffen mit ihr. Eine echte Annäherung der beiden bleibt jedoch aus.

Zurzeit wird die deutsche Übersetzung von Eisenbergs neuester Geschichtensammlung »Twilight of the Superheroes« (2006; Ü: Superhelden-Dämmerung) vorbereitet. Das Werk zieht seine Spannung aus den unterschiedlichen Einstellungen der Lebensalter: Zynismus und Hoffnung, Abgeklärtheit und Naivität. »Ich glaube, es gibt viele moralische Argumente für Geschichten«, resümiert Eisenberg den Anspruch ihrer eigenen Werke. »Sie treffen sich darin, dass Geschichtenerzählen eine der effektivsten Methoden ist, schwer zu fassende Geisteszustände und menschliche Erfahrungen darzustellen.«

Eisenbergs Kurzgeschichten erschienen in Publikationen wie »The New Yorker«, »Bomb«, »The Yale Review« und »Kursbuch« (2006). Sie erhielt mehrere Stipendien, darunter die Lannan Foundation Fellowship, und wurde mit Preisen wie dem Whiting Writers' Award, dem Award for Literature der American Academy of Arts and Letters, fünf O. Henry Awards und dem Rea Award for the Short Story ausgezeichnet. Eisenberg arbeitet als Professorin für Kreatives Schreiben an der University of Virginia und lebt in New York.

© internationales literaturfestival berlin

Berlin View

Der Raum meines Schreibens ist genau wie derjenige der meisten Schriftsteller: rechteckig. Mein Lieblingsrechteck ist ein Spiralhefter, den ich zum Beispiel einem Computerbildschirm oder einer Steintafel vorziehe. Es ist ein gänzlich tragbarer Raum, der bequem in jedem anderen, größeren Raum untergebracht werden kann. In diesen Raum hinein bringe ich mein Gehirn. Ab und an finde ich eine interessante kleine Statue in meinem Gehirn, die gefällig auf den Linien des Hefters platziert werden kann, aber manchmal erweist sich mein Gehirn als völlig leer. Manchmal sind nur ölige Lumpen darin, und manchmal finde ich nur etwas altes, getrocknetes Obst, das laut darin herumrollt. Aber ich habe festgestellt, dass diese Dinge – wenn ich sie in Tea oder, manchmal, in Alkohol tunke – wieder brauchbar werden.