10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Clemens Meyer  [ Deutschland ]

Biographie

Clemens Meyer Portrait
© Sascha Kokot / ilb

Gast des ilb 2006.

Bibliographie

Als wir träumten
Fischer
Frankfurt/Main, 2006

Die Nacht, die Lichter
Fischer
Frankfurt/Main, 2008

Clemens Meyer wurde 1977 in Halle an der Saale geboren und wuchs in Leipzig auf. Nach dem Abitur arbeitete er als Bauhelfer, Möbelträger und Wachmann. Von 1998 bis 2003 studierte er am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 2002 erhielt er ein Literatur-Stipendium des Sächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, ein Jahr später wurde er der erste Dorfschreiber des Buchdorfs Mühlbeck-Friedersdorf. Nachdem er 2001 beim MDR-Literaturwettbewerb den ersten Platz belegte, erhielt er zwei Jahre später den zweiten Preis für die Kurzgeschichte »Nachspielzeit«.

Nach Veröffentlichungen in verschiedenen Anthologien legte Meyer 2006 seinen ersten Roman »Als wir träumten« vor. Der Roman kreist um die Erlebnisse und Erinnerungen des Erzählers Daniel Lenz, der in der Wendezeit im Leipziger Osten mit seiner Clique die Freiheit probt. Alkohol, Drogen und andere Delikte unterschiedlichster Art bilden den Stoff, aus dem die Tage und Nächte Daniels und seiner Freunde sind. »Als wir träumten« handelt von einer pubertierenden Jugend, deren Übergang zum Erwachsenenleben scheitert. Für sie gibt es nur eine Gewissheit – dass das Leben Kampf ist. Aber dennoch hängen sie ihren Träumen nach und sind auf der Suche nach Spaß. So ziehen die ehemaligen Jungen Pioniere bald als Crash-Kids durch die nächtlichen Straßen Leipzigs. Die Beziehung zur Gewalt ist dabei von elementarer Bedeutung für das Verständnis der Figuren. Es sind kleinkriminelle Aktivitäten – Autoknacken, Diebstähle, Körperverletzung –, aus dem Affekt heraus begangene Gewalttaten, die das Verhalten der Jugendlichen prägen. Die Kämpfe zwischen »Zecken« und »Glatzen«, also zwischen den Linken und den Rechten, sind dabei nicht politisch motiviert – es sind die Revierkämpfe einer Jugend, die den »rebel chic« pflegt. So z.B. wenn der Protagonist sagt, er fühle sich »besser als James Dean, obwohl es wehtat«. Kontrastiert werden die Gewaltschilderungen durch die sentimentgeladenen Beziehungen zwischen den Protagonisten. Aus den blutsbrüderschaftlichen Indianerspielen ist längst der Ehrenkodex der Knastbrüder geworden, dem schon sein entgegengesetztes Motiv – der Verrat – innewohnt.

Als »hardboiled«-Erzähler tragen Meyers Lehrmeister amerikanische Namen: Hemingway, Chandler, Carver stehen Pate für seinen ökonomischen Erzählstil. Lakonie, Verknappung und Ellipse prägen den dialogreichen Stil des Romans. Die Stoffe und Charaktere der Desillusionierung, der Rand der Stadt und der Rand der Gesellschaft sind der Humus, aus dem das Werk des Autors wächst. Meyer lebt in Leipzig, in der Gegend, in der auch sein Roman spielt. Bisher hat ihm seine unmittelbare Lebensumgebung den Stoff seines Schreibens geliefert: »Emile Zola ist durch abgewrackte Gegenden gewandert, um Stoff zum Schreiben zu finden, ich wohne dort.«

Für seinen Kurzgeschichtenband  »Die Nacht, die Lichter« (2008) wurde Meyer mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet.

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