10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Zheng Chouyu  [ Taiwan, USA ]

Biographie

Zheng Chouyu Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2005.

Bibliographie

Yan ren xing
Hongfan Shudian
Taipeh, 1980

Shi hua cha na
San lian chu dian Xianggang fen dian
Xianggang, 1985

Ci xiu di ge yao
Lian he wen Xue za zhi she
Taipeh, 1987

Ji mo de ren zuo zhe kan hua
Hongfan Shudian
Taipeh, 1993

Shiji I
Hongfan Shudian
Taipeh, 2003

Shiji II
Hongfan Shudian
Taipeh, 2004

Übersetzer: Wolfgang Kubin

Zheng Chouyu wurde 1933 in Jinan, Provinz Shandong, geboren und wuchs in Peking auf. Er ist der Sohn eines hohen Militärbeamten. Dies prägt sein Werk, das nur auf den ersten Blick rein lyrischer Natur ist. Auch die politische Einstellung wird in seinen Gedichten nicht unmittelbar deutlich. Obwohl ein Linker, entschied sich Zheng doch zur Flucht nach Taiwan, wo er sich dann gezwungen sah, seinen ersten Gedichtband zu verbrennen, um sich nicht in Gefahr zu bringen. Aber auch seine frühe, scheinbar apolitische Lyrik ließ ihn in Schwierigkeiten geraten. Immer wieder musste er für die Publikation einzelne Worte verändern – und doch machten ihn vor allem seine frühen Gedichte aus den fünfziger Jahren als Literaten berühmt.

Nachdem ihm aus politischen Gründen jahrelang die Ausreise zu einem Studienaufenthalt in den USA verweigert worden war, und er später nicht mehr nach Taiwan zurückkehren durfte, ließ sich Zheng schließlich in den Vereinigten Staaten nieder, wo er seit den siebziger Jahren bis 2004 an der Yale University in New Haven Chinesisch unterrichtete. Seine Gedichte wurden vielfach übersetzt und gehören zur Schulbuchlektüre von Taiwan und Hongkong, obwohl er auf Taiwan nur kurz gelebt hatte. Inzwischen lässt sich eine solche Vereinnahmung aber auch durch die Tatsache rechtfertigen, dass der Dichter nun auf Quemoy einen Wohnsitz begründet hat – einer Insel unter taiwanesischer Verwaltung, die zwischen dem Festland und Taiwan liegt. Sie war vielfach vom Festland bombardiert worden und galt bis in die neunziger Jahre hinein als Kriegsgebiet. In den letzten Jahren wurde sie zum bevorzugten Sujet vom Schreiben und Nachdenken Zhengs.

Zheng gilt als der »chinesischste« aller modernen Dichter. Er versteht es meisterhaft, die klassische chinesische Bilderwelt und den europäischen Modernismus miteinander zu kombinieren. Dadurch entsteht der Eindruck einer vermeintlich verständlichen Lyrik, die aus diesem Grund auch gern von Künstlern in andere Medien übertragen wird – in Lieder, Gemälde, Sinfonien oder opernähnliche Stücke. In dem einen oder anderen Fall konnten die Gedichte trotz aller Subtilität schon fast den Charakter eines Gassenhauers annehmen. Das hatte zur Folge, dass der Dichter zum Medienstar avancierte und heute auf den Straßen Taipehs bisweilen von seinen Fans begleitet wird. Zhengs umfangreiches Werk wird gegenwärtig in einer Gesamtausgabe verlegt, von der auf Taiwan bislang zwei Bände erschienen sind: »Zheng Chouyu shiji« (2003, 2004; Ü: Gesammelte Gedichte von Zheng Chouyu), wovon der erste Band den Zeitraum von 1955 bis 1968 umfasst und der zweite Band die Jahre 1969 bis 1986.

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