10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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William Gass  [ USA ]

Biographie

William Gass Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2005.

Bibliographie

Im Herzen des Herzens des Landes
Residenz-Verlag
Salzburg, Wien, 1991
Übersetzung: Jürg Laederach
 
On Being Blue
Godine
Boston, 1991
 
Pedersens Kind
Residenz-Verlag
Salzburg, Wien, 1992
Übersetzung: Jürg Laederach
 
Orden der Insekten
Residenz-Verlag
Salzburg, Wien, 1994
Übersetzung: Jürg Laederach
 
Wie man aus Wörtern eine Welt macht
Residenz-Verlag
Salzburg, Wien, 1995
Übersetzung: Silvia Morawetz
 
Über Robert Walser
[mit Jürg Laederach]
Residenz-Verlag
Salzburg, Wien, 1997
 
Omensetter´s Luck
Penguin
New York, 1997
 
Cartesian Sonata
Alfred A. Knopf
New York, 1998
 
Willie Masters´ Lonesome Wife
Dalkey Archive Press
Normal, 1998
 
The Tunnel
Dalkey Archive Press
Normal, 1999
 
Reading Rilke
Alfred A. Knopf
New York, 2000
 
Tests of Time
Alfred A. Knopf
New York, 2002

A Temple of Texts
Alfred A. Knopf
New York, 2006

Übersetzer: Jürg Laederach, Rainer G. Schmidt

William Gass wurde 1924 in Fargo, Norddakota, geboren. Er wuchs in Ohio auf und diente im Zweiten Weltkrieg bei der Marine. Sein Studium der Philosophie am Kenyon College und an der Cornell University schloss er 1954 mit einer Dissertation über die Metapher ab. Seitdem stehen Sprache, Stil und die Schnittstelle zwischen Literatur und Philosophie im Zentrum seines akademischen und literarischen Werkes. Nach einer fünfzigjährigen Tätigkeit als Dozent und Professor für Philosophie an verschiedenen amerikanischen Hochschulen emeritierte er 1999 von der Washington University in St. Louis.

Gass' experimentelle Texte stehen ebenso in der Tradition Rilkes, Gertrude Steins und Joyce’, wie sie zugleich von Wittgenstein und Plato inspiriert sind. Er gehört zu den Autoren, die das Genre der Metafiction in die amerikanische Literatur einführten und wird zu den führenden Vertretern der Postmoderne gezählt. Gleichwohl hielt er sich mit seinen dichten, hermetischen und virtuosen Werken abseits des literarischen Mainstreams. Er debütierte 1966 mit »Omensetter’s Luck«, einem von der Kritik begeistert aufgenommenen Roman, der aus verschiedenen Perspektiven geschrieben ist, ohne sie jedoch deutlich voneinander abzuheben. 1968 folgte der Kurzgeschichtenband »In the Heart of the Heart of the Country« (dt. »Im Herzen des Herzens des Landes«, 1991). Der Kurzroman »Willie Masters’ Lonesome Wife« (1968; Ü: Willie Masters einsame Frau) gilt als Meisterstück experimentellen Erzählens. Das komplexe Bewusstseinsprotokoll einer vernachlässigten Frau ist ein selbstreferenzielles Spiel mit Gattungsgrenzen und Lesegewohnheiten, das selbst verschiedenfarbiges und -artiges Papier, unterschiedliche Schrifttypen und variierende Typografien einsetzt. Mit dieser »Essay-Novelle« begann Gass sein opus magnum »The Tunnel«, das er 1995, dreißig Jahre später, vollendete. Erzählt wird von einem unsympathischen Geschichtsprofessor, der eine Studie über »Schuld und Unschuld in Hitlers Deutschland« abschließen will, aber stattdessen seine eigene Lebensgeschichte aufschreibt und in seinem Keller einen Tunnel anlegt.

Parallel zu seinen literarischen Werken veröffentlichte Gass philosophische und literaturkritische Studien. »On Being Blue« (1976; Ü: Über Melancholie) ist eine staunenswerte Reise in die Geschichte der Worte, des Bewusstseins und der Literatur, die von dem Begriff »Blau« ausgeht. »Reading Rilke« (1999; Ü: Rilke lesen) verbindet brillante Stilanalyse, biografische Darstellung und das Problem der Übersetzbarkeit. Zudem schrieb Gass kontinuierlich für Zeitungen wie »Harper's«, »The New York Review of Books« und »The New York Times Book Review«. Seine Essays erschienen in Sammlungen wie »The World Within the Word« (1978; dt. »Wie man aus Wörtern eine Welt macht«, 1995) und »A Temple of Texts« (2006; Ü: Ein Tempel der Texte).

Gass wurden fünf Ehrendoktorwürden verliehen. Er war von 1990 bis 2000 Direktor des International Writers Center der Washington University in St. Louis. Für sein Werk erhielt er Preise wie den First PEN/Nabokov Award, drei National Book Critics Circle Awards, den Lannan Foundation Lifetime Achievement Award, die Medal of Merit for Fiction, den Award for Fiction der Academy and Institute of Arts and Letters sowie Stipendien der Rockefeller und Guggenheim Foundation. Gass lebt mit seiner Frau in St. Louis.

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