10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Vyvyane Loh  [ Singapur, Malaysia, USA ]

Biographie

Vyvyane Loh Portrait
© Nobuko Shiga, Photonica

Gast des ilb 2005.

Bibliographie

Breaking the Tongue
W. W. Norton & Company
New York, 2004
 
 
Übersetzer: Christiane Wagler

Vyvyane Loh wurde im malaysischen Ipoh geboren. Sie wuchs in Singapur auf und studierte in den USA Biologie und Sprachen der Antike an der Boston University. Anschließend nahm sie ein Medizinstudium an der Boston Medical School auf und arbeitete als Internistin. Nach einer kurzen Tätigkeit in einer Privatpraxis gab sie ihre hauptberufliche medizinische Tätigkeit auf, nachdem sie ein Vollzeitstipendium am renommierten Warren Wilson College im Fach Kreatives Schreiben erhalten hatte. Während dieses Studiums, das sie im Jahr 2001 abschloss, arbeitete sie nebenberuflich als Ärztin, Aerobic- und Tanzlehrerin und Personal Trainer, um sich zu finanzieren. Der in dieser Zeit verfasste Roman »Breaking the Tongue« (Ü: Die Zunge brechen) erschien 2004. Loh erzählt darin von einer chinesischstämmigen, malaysischen Familie, die im Glauben an die Überlegenheit der britischen Kultur den Lebensstil der Kolonialherren übernommen hat. Voller Verachtung gegenüber ihren asiatischen Landsleuten und dennoch von den Europäern nicht gleichwertig behandelt, gerät ihr Weltbild vollends ins Wanken, als 1941 japanische Truppen Singapur erobern. Der Roman verbindet Bezüge zu Joseph Conrad, George Orwell und E.M. Forster mit autobiografisch inspirierten Erlebnissen in einer komplexen Erzählstruktur, die eine Vielzahl von verschiedenen Perspektiven, Traumsequenzen, Vor- und Rückblenden vereint. So entsteht nicht nur ein umfassendes geschichtliches Panorama, eine spannende Abenteuergeschichte und ein subtiler Entwicklungsroman; Loh thematisiert auch die komplexe Beziehung zwischen Kultur und Sprache, die realen Gefahren kultureller Entwurzelung und die existentielle Bedeutung kultureller Identität. »Ich schrieb ›Breaking the Tongue‹, weil ich nach Jahren im Ausland über ›zu Hause‹ schreiben wollte; ich wollte über ein Land schreiben [Singapur], das sich bewusst daran gemacht hatte, sich aus den eigenen Ruinen eine nationale Identität zu errichten.« Dennoch übersteigt der Roman die postkoloniale Problematik und wird zur Parabel über multikulturelles Zusammenleben und den Zusammenhalt zwischen verschiedenen Ethnien und Religionen in einer globalisierten Welt. Seit Erscheinen ihres Buches absolvierte Loh zahlreiche Lesungen und Auftritte in Fernseh- und Hörfunksendungen. Die Autorin arbeitet weiterhin nebenberuflich als Ärztin und Choreografin; zudem engagiert sie sich für die Tierschutzorganisation »House Rabbit Network«. Sie lebt mit ihren neun Kaninchen und ihrem Ehemann in Watertown bei Boston und arbeitet an ihrem zweiten Roman.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.vyvyaneloh.com]