10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Russell Banks  [ USA ]

Biographie

Russell Banks Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2005.

Bibliographie

The Relation of my Imprisonment
HarperCollins
New York, 1996

Das süße Jenseits
Goldmann
München, 1998
Übersetzung: Kerstin Gleba

Cloudsplitter
Secker & Warburg
London, 1998

Gegenströmung
Goldmann
München, 2000
Übersetzung: Günther Ohnemus

Gangsta Bone
Goldmann
München, 2000
Übersetzung: Hans M. Herzog

John Brown, mein Vater
Luchterhand
München, 2000
Übersetzung: Inge Leipold

The Angel on the Roof
Secker & Warburg
London, 2000

Der Gejagte
Goldmann
München, 2001
Übersetzung: Karin Tschumper, Brigitta Neumeister

The Darling
HarperCollins
New York, 2004

Übersetzer: Kerstin Gleba, Hans M. Herzog, Inge Leipold, Matthias Müller, Brigitta Neumeister, Günter Ohnemus, Benjamin Schwarz, Karin Tschumper

Russell Banks wurde 1940 in Newton, Massachusetts, geboren und wuchs in New Hampshire auf. Er entstammt der Arbeiterklasse und besuchte als erster aus seiner Familie die Universität. Neben seinem Studium malte er und arbeitete als Schuhverkäufer und Klempner. Im Alter von 35 Jahren veröffentlichte er sein erstes Buch. Daneben erschienen seine Kurzgeschichten und Essays in Zeitschriften wie »Vanity Fair«, »The New York Times Book Review«, »Esquire« und »Harper’s«. Er unterrichtete an verschiedenen Universitäten, zuletzt in Princeton.

Banks’ Geschichten sind häufig in dem Milieu angesiedelt, aus dem er stammt. Im Mittelpunkt stehen starke Persönlichkeiten, deren Idealismus sie oftmals zu extremen Handlungen verleitet. Zartgefühl und Grausamkeit liegen hier eng beieinander, was Banks in bester amerikanischer Erzähltradition realistisch, authentisch und spannend darstellt. Dabei geben die Geschichten mit Mitgefühl und Humor dem beschränkten Ausdrucksvermögen der Protagonisten eine differenzierte Stimme und entfalten ihre unaufdringlich moralische Wirkung. 1995 erschien »Rule of the Bone« (dt. »Gangsta Bone«, 1996), eine Art Entwicklungsroman in der Tradition von Twains »Huckleberry Finn« und Salingers »Catcher in the Rye«. Die jugendliche Hauptfigur ist ein drogensüchtiger Kleinkrimineller, der sich sehnsüchtig nach besseren Verhältnissen gegen die Verkommenheit auflehnt, die ihn umgibt und ihm keine Chance zu geben scheint. In epischem Monolog und stilsicher eingesetztem Jugendslang wird berichtet, wie er Posen ausprobiert, Phasen durchläuft und prägende Bekanntschaften macht, bis seine Getriebenheit von erwachsener Selbstbestimmung abgelöst wird. Weniger optimistisch endet der Roman »Cloudsplitter« (1998; dt. »John Brown, mein Vater«, 2000), der einen amerikanischen Mythos bearbeitet. John Brown – Michael Kohlhaas ähnlich und wie dieser eine historische Figur – war ein religiös motivierter Gegner der Sklaverei, der vom Aktivisten zum militanten Fanatiker wurde. Nach einem selbstmörderischen Überfall auf ein Munitionsdepot in den Südstaaten, der einen Sklavenaufstand auslösen sollte, wurde er hingerichtet. Erzählt wird aus der Perspektive des zweiflerischen Sohnes, der ein ambivalentes Verhältnis zu seinem tyrannischen Vater hat.

Zwei von Banks’ Romanen, »The Sweet Hereafter« (1991; dt. »Das süße Jenseits«, 1998) und »Affliction« (1989; dt. »Der Gejagte«, 1990), wurden bereits erfolgreich verfilmt. Die Filmversionen von »Continental Drift« (1985; dt. »Gegenströmung«, 1987) und »Rule of the Bone« sind in Vorbereitung. Banks, dessen Werke in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt wurden, erhielt zahlreiche Preise, darunter den John Dos Passos Award und den Literaturpreis der American Academy of Arts and Letters. Er war vier Jahre lang Präsident des International Parliament of Writers, das sich besonders für verfolgte Schriftsteller einsetzte, und ist seit 2004 New York State Author. Sein bislang letzter Roman, »The Darling«, erschien 2004. Er lebt in Keene, New York, und Saratoga Springs.

© internationales literaturfestival berlin

Berlin View

There is a physical writing space -- in my case a renovated, century-old sugar-shack used originally for boiling down the sap of maple trees into maple syrup -- and a mental writing space, which for me is shaped by the books, music, and works of art that are enclosed by that sugar-shack. The building itself is not large, approximately twenty-feet by twenty-feet, located in the forest about 500 yards from my home in the Adirondack Mountains of northern New York State. The physical building is incidental, merely something I inherited when I purchased the property in 1987. The mental writing space is what’s essential, and I’ve been creating it since I first began writing in the early 1960s. It’s extensions and dimensions, its vast, celestial architecture, are determined by the thirty volumes of the Complete Mark Twain stored there, by the nineteen volumes of The Oxford English Dictionary, by the forty volumes of The Yale Shakespeare, and by the hundreds of other reference books, biographies, histories, and works of literature that line the walls of the old wood-frame building.The tapes and CDs I store there and play constantly when I’m working extend the physical limits and time-frame of my writing space as much as the books do. The music takes me to Africa, the Caribbean, 17th century Germany, early 20th century New Orleans, New York City in the 1940s, Seattle in the 1990s, and on to the entire planet and all of recorded time. And the pictures on the walls and shelves and other artifacts – a portrait of John Brown, a Dan mask from Liberia, a rug from Gaza, a blanket from Ecuador -- these, too, create my writing space.

It is a space that surrounds me and has moved with me for over forty years, from room to room, city to city, country to country, constantly shifting shape, expanding and contracting, a fluid, living thing that is both an expression of my writing life and its protector.

Russell Banks, Keene, NY

5/11/05