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Rofel G. Brion  [ Philippinen ]

Biographie

Rofel G. Brion Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2005.

Bibliographie

Baka Sakali
Ateneo de Manila University
Manila, 1989

Story
University of the Phillipines Press
Manila, 1997

Mula Dito: Mag Pili at Bagong Tula
Ateneo de Manila University
Manila, 2005

Übersetzer: Christa Rothmeier

Rofel G. Brion wurde 1953 in San Pablo auf den Philippinen geboren. Obwohl seine Muttersprache das indigene Tagalog war, wählte er die Sprache seiner Ausbildung, Englisch, als er mit zwölf Jahren zu schreiben begann. Erst als junger Erwachsener begann er, auch Tagalog als literarische Sprache anzusehen. Aus diesem Grund studierte er – nach dem Abschluss eines Studiums der Wirtschaftswissenschaften – Philippinische Literatur an der Ateneo de Manila University. Seine Promotion am Creative Writing Center der University of the Philippines war wieder auf dem Gebiet der Anglistik angesiedelt.

1982 gewann Brion den Literaturpreis Gawad Galian sa Tula. Der erste Lyrikband, »Baka Sakali« (1990; Ü: Vielleicht zufälligerweise) wurde mit dem National Book Award ausgezeichnet. Sieben Jahre später folgte das zweite Buch »Story«. Dieser Titel kennzeichnet treffend eine charakteristische Eigenschaft von Brions Gedichten: Es sind Erzählungen in Versform, lyrische Schnappschüsse, die besondere Augenblicke einfangen. Dabei liegt die Funktion der Sprache – im Gegensatz zu modernistischen und avantgardistischen Tendenzen – hauptsächlich im Benennen, das jedoch gerade in seiner Einfachheit rituellen Charakter annimmt. »Ich schreibe über mein Leben, meine Familie, meine Freunde, meine Reisen, meine Lieben; Ereignisse, die mich glücklich machen; Ereignisse, die mich traurig machen; Ereignisse, die es vielleicht niemals geben wird. Ich schreibe meist über kleine, gewöhnliche Ereignisse, und dabei fange ich sie ein. Ich halte sie fest und lasse sie niemals wieder los. Und dabei, vermute ich, drücke ich meine Verehrung für sie aus.« Dieses verehrende Benennen entfaltet im zweisprachigen Werk Brions verschiedene Aspekte. In der immer noch weniger geltenden Muttersprache Tagalog bedeutet das schriftliche Nennen von gewöhnlichen Dingen und Ereignissen einen Akt der selbstbewussten Überwindung kolonialer Unterdrückung. Gleichzeitig wird damit ein Bewusstsein von der eigenen Kultur geschaffen. Die in der anderen Amtssprache der Philippinen, Englisch, geschriebenen Gedichte führen einen souveränen Umgang mit der aktuellen, amerikanisch geprägten Wirklichkeit des Landes vor. Mit ihrem oft humorvollen Tonfall geben sie ein versöhnliches und konstruktives Beispiel zur Schaffung einer eigenen nationalen Identität. In dem Sammelband »Returning a Borrowed Tongue« (1995, Ü: Rückgabe einer geliehenen Sprache) sind Brions Gedichte exemplarisch eingeordnet in die reiche Tradition englischsprachiger philippinischer und amerikanisch-philippinischer Dichtung.

Brion wirkte als Herausgeber, Übersetzer und Autor an zahlreichen Publikationen mit. Er erhielt drei Auslandsstipendien des British Council, ein Fulbright-Stipendium und war zweimal Resident Fellow im Hawthornden Castle in Schottland. Er lehrt als außerordentlicher Professor und wissenschaftlicher Beirat am Fachbereich für Interdisziplinäre Studien an der Ateneo de Manila University.

© internationales literaturfestival berlin

Rofel G. Brion
© Ali Ghandtschi

Berlin View

MY WRITING SPACE, OUR SPACE

I come from a country where every event easily turns into a gathering—friends and relatives constantly surround a newborn’s cradle; comrades and enemies come together to mourn the dead.  Solitude, therefore, is a luxury, and my writing begins with a quest for a lonely, quiet space.  This quest almost always ends on a bench beside a tree, and if I am really fortunate, along a river or a lake.  On this bench, as I contemplate a leaf or a bird or a cloud, voices of friends and relatives, and, yes, even strangers, come to me.  They, thank God, invade my writing space, and the words I write become our gathering.

Rofel Brions "Kommabild"