10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Patrick Chamoiseau  [ Martinique ]

Biographie

Patrick Chamoiseau Portrait
© J. Sassier Gallimard

Gast des ilb 2006, 2011.

Bibliographie

Chronique des sept misères
Gallimard
Paris, 1986

Texaco
Piper
München, 1995
[Ü: Giò Waeckerlin Induni]

Kindertage auf Martinique
Zebu
Frankfurt/Main, 2007
[Ü: Klaus Laabs]

Un dimanche au cachot
Gallimard
Paris, 2007

Les neuf consciences du Malfini
Gallimard
Paris, 2009

Patrick Chamoiseau wurde 1953 in Fort-de-France auf der Antilleninsel Martinique geboren. Nach einem Jurastudium in Paris und dem Magisterabschluss in Sozialökonomie arbeitete er als Erzieher in Resozialisierungsprojekten für inhaftierte Kinder zunächst in Frankreich, später auf Martinique. Angeregt davon und von der Lektüre kreolischer Literatur, befasste sich Chamoiseau nach seiner Rückkehr zunehmend mit ethnologischen, historischen und sprachlichen Phänomenen der Karibik, die er seither literarisch verarbeitet.
So ist das Leitbild des Schriftstellers in seinem vielgestaltigen Werk die kreolische Identität. In Abgrenzung zu dem Konzept einer »schwarzen Identität« der von Aimé Césaire etablierten Négritude-Bewegung formulierte Chamoiseau mit Raphaël Confiant und Jean Bernabé 1989 ein theoretisches Fundament der »Kreolität« in dem Manifest »Eloge de la créolité« (1989; Ü: Lobrede auf die »Kreolität«). Seine literarische Laufbahn selbst begann der Autor in den siebziger Jahren mit einem Comic. 1982 folgte das Theaterstück »Manman Dlo contre la fée Carabosse« (Ü: Mama Dlo gegen die böse Fee), das karibische Märchen denjenigen Charles Perraults gegenüberstellt und zeitgenössische kulturelle Konflikte auf den Antillen thematisiert. Bereits in seinem Debütroman »Chronique des sept misères« (1986; Ü: Chronik der sieben Übel) setzte der Autor einen neuartigen Stil ein, der kreolische Umgangssprache und Erzähltraditionen mit dem Französischen verbindet, so dass die Texte frankophonen Lesern verständlich bleiben. Mit dem sehr erfolgreichen dritten Roman »Texaco« (1992; dt. »Texaco«, 1995) wurde Chamoiseau internationale Anerkennung zuteil. Das Werk schildert eine fiktive Familiengeschichte über drei Generationen vor dem Hintergrund der realen Historie der Antillen von der Sklaverei bis zum Ende der französischen Kolonialzeit. In der autobiografischen Trilogie »Antan d’enfance« (1990; dt. »Kindertage auf Martinique«, 2007), »Chemin d’école« (1994; Ü: Schulweg) und »A bout d’enfance« (2005; Ü: Am Ende der Kindheit) rekonstruiert Chamoiseau seine Kindheit als »petit négrillon«, häufig durchmischt mit Reflexionen und Wertungen aus Sicht des Schreibenden. Sein zuletzt erschienenes Prosawerk »Les neuf consciences du Malfini« (2009; Ü: Die neun Bewusstseinsformen des Malfini) ist eine Tierfabel, die unterhaltsam-philosophisch davon berichtet, wie ein Raubvogel über die Konfrontation mit der Existenz von Kolibris mehr über sich selbst und die Schönheit der Welt lernt. In seiner lyrischen Sprache gemahnt der Text an die gemeinsam mit Edouard Glissant von dem Autor formulierte Warnung: »Das Fehlen der Schönheit ist ein Zeichen für die Bedrohung des Lebens selbst, ein Ruf nach Widerstand«.
Chamoiseau erhielt zahlreiche Literaturpreise, darunter den Prix Kléber Haedens, den Prix Goncourt, den Prix Carbet de la Caraïbe sowie den Spezialpreis der Jury RFO. Der Autor lebt in Fort-de-France.

© internationales literaturfestival berlin

Berlin View

"Mon writing space est mon bureau, bourré des livres que j'aime, des auteurs qui m'accompagnent et des objets récupérés un peu partout et qui sont mes amis. Je n'en sors que pour écrire sur ma terrasse, auprès d'un vol de colibris."

Voici ma muse :
Inconnue jamais vue, jamais rencontrée,

et qui aiguise mon rêve
sur la pierre aveugle de ses lucidités.

Der Ort meines Schreibens ist mein Büro, vollgestopft mit Büchern, die ich liebe, mit Autoren, die mich begleiten, und mit Dingen, die ich ein bisschen von überall her habe und die meine Freunde sind. Ich verlasse es nur, um auf meiner Terrasse zu schreiben, neben einem Kolibrischwarm.

Und hier meine Muse:
Unbekannt, nie gesehen, nie getroffen,
und die meinen Traum anregt
über dem blinden Stein ihrer Klarheiten.

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