10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2005 / Norman Manea

Norman Manea  [ Rumänien, USA ]

Biographie

Norman Manea
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2005, 2015.

Bibliographie

Roboterbiographie und andere Erzählungen
Steidl                             
Göttingen, 1987
Übersetzung: Dieter Schlesak, Paul Schuster, Ernest Wichner
 
Fenster zur Arbeiterklasse
Steidl
Göttingen, 1989
Übersetzung: Paul Schuster
 
Der Trenchcoat
Steidl
Göttingen, 1990
Übersetzung: Ernest Wichner
 
Training fürs Paradies
Steidl
Göttingen, 1989
Übersetzung: Ernest Wichner
 
Trennwand
Steidl
Göttingen, 1992
Übersetzung: Gerhardt Csejka
 
Der schwarze Briefumschlag
Hanser
München, Wien, 1995
Übersetzung: Paul Schuster
 
Über Clowns
Hanser
München, Wien, 1998
Übersetzung: Paul Schuster
 
Die Rückkehr des Hooligan
Hanser
München, Wien, 2004
Übersetzung: Georg Aescht

Übersetzer: Georg Aescht, Gerhardt Csejka, Roland Erb, Veronika Riedel, Dieter Schlesak, Paul Schuster, Ernest Wichner

Norman Manea wurde 1936 im rumänischen Suceava in der Bukowina geboren. Als Kind wurde er in ein Konzentrationslager im ukrainischen Transnistrien deportiert und kehrte 1945 mit überlebenden Familienmitgliedern nach Rumänien zurück. Manea studierte in Bukarest und arbeitete als Wasserbauingenieur. Sein erstes literarisches Werk erschien 1966 im avantgardistischen und später verbotenen Literaturmagazin »Povestea vorbii« (Ü: Die Geschichte des Wortes). Ab 1974 arbeitete er als freier Schriftsteller und veröffentlichte in schneller Folge sozialkritische Romane, Erzählungen und Essays, darunter »Anii de ucenicie a lui August Prostul« (1979; Ü: Die Lehrjahre des dummen August), »Octombrie, ora opt« (1981; Ü: Oktober, acht Uhr) und »Plicul Negru« (1986; dt. »Der schwarze Briefumschlag«, 1996). Im Jahr 2005 war Manea Holtzbrinck Fellow an der American
Academy in Berlin. Seit 2006 ist der Mitglied der Berliner Akademie der Künste.

Aufgrund seiner komplexen narrativen Strategien wurde der Autor von der Kritik mit Kafka, Joyce und Musil verglichen. 1979 erhielt Manea den Literaturpreis der Bukarester Schriftstellervereinigung. Zwei Jahre später plädierte er in einem Interview mit dem Literaturmagazin »Familia« für eine demokratische Öffnung des Landes sowie für größere Integrität der einheimischen Schriftsteller und löste damit eine feindselige Kampagne der offiziellen Presse mit antisemitischen Untertönen aus. 1984 wurde ihm der Literaturpreis der rumänischen Schriftstellervereinigung verliehen und auf Druck der staatlichen Kulturorgane wieder aberkannt. »Plicul negru«, sein letztes in Rumänien erschienenes Werk – bevor er den Entschluss fasste, das Land zu verlassen –, bewirkte eine scharfe und lang anhaltende Auseinandersetzung mit den staatlichen Zensoren. Sie ist in dem Essay »Das Gutachten des Zensors« beschrieben – aus dem Band »Despre clovni: dictatorul si artistul« (1997; »Über Clowns. Der Diktator und der Künstler«, 1998), der zuerst 1992 in englischer Übersetzung veröffentlicht wurde.

Noch bevor eines seiner Bücher im Ausland erschienen war, hatte Heinrich Böll 1983 die Notwendigkeit angemahnt, Maneas Werke im Westen zugänglich zu machen. Die erste Veröffentlichung in Deutschland erfolgte 1987 mit »Roboterbiographie und andere Erzählungen«, als Manea Gast des DAAD in Westberlin war. Anschließend ging er mit einem Fulbright-Stipendium in die USA, wo er seither lebt. Obwohl er als der bekannteste und erfolgreichste lebende rumänische Schriftsteller gilt, wird er in seinem Heimatland kontrovers diskutiert, nachdem 1991 der Wiederabdruck seines Essays über Mircea Eliade und dessen Verstrickung mit dem Faschismus in der postkommunistischen rumänischen Presse eine lange und heftige Debatte ausgelöst hatte.

Über den Besuch seiner Heimat in den späten neunziger Jahren und über seine Erfahrungen im Exil und das Leben in den totalitären Systemen des Faschismus und Kommunismus berichtete Manea in seinem Selbstporträt »Întoarcerea huliganului« (2003; dt. »Die Rückkehr des Hooligan«, 2004), für das er mit dem französischen Prix Medicis für ausländische Literatur 2006 ausgezeichnet wurde. Er erhielt zahlreiche Ehrungen, darunter den MacArthur Fellows Award, ein Guggenheim-Stipendium, die Literary Lion Medal der New Yorker Nationalbibliothek, den National Jewish Book Award und den International Nonino Prize for Literature. Sein Werk wurde in fünfzehn Sprachen übersetzt. Manea ist Mitglied des American PEN Center. Er unterrichtet Europäische Kulturstudien und ist Writer in Residence am Bard College nördlich von New York. Der Autor lebt mit seiner Frau in Manhattan.

© internationales literaturfestival berlin

Berlin View

Norman Manea
(Romanian writer living in New York)

I couldn't avoid, in the end, becoming an extraterritorial, expatriate, exile. Yet, I have brought the language with me, to new shores, to foreign territory, so drastically different from what I had known. I take refuge today in its sinuous shell, like a snail.

abgelegt unter: