10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Norman M. Klein  [ USA ]

Biographie

Norman M. Klein Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2005.

Bibliographie

Seven Minutes
Verso
London, 1993

The History of Forgetting
Verso
London, 1997

Bleeding Through
Hatje Cantz
Ostfildern, 2003

The Vatican to Vegas
New Press
New York, 2004

Freud in Coney Island and Other Tales
Seismicity Editions
Los Angeles, 2006

Norman M. Klein wurde 1945 im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren. Der Architektur-, Medien- und Kulturhistoriker begann seine akademische Laufbahn mit Stationen an der University of California in Los Angeles, dem Otis College, dem Southern California Institute of Architecture und der University of Southern California. Seit über dreißig Jahren unterrichtet er als Professor für Critical Studies am California Institute of the Arts. Im Zentrum von Kleins Interesse steht das Gedächtnis mit seinen gesellschaftlich relevanten Funktionen. Anhand einer Vielzahl von Themen und Motiven geht Klein den Spuren der Vergangenheit nach und erforscht kritisch, wie selektiv die Erinnerung vorgeht und wie Fakten zu Geschichten und zu Historie zusammengesetzt werden. Dabei bewegt sich Klein zwischen verschiedenen Genres und Methoden. »The History of Forgetting: Los Angeles and the Erasure of Memory« (1997; Ü: Die Geschichte des Vergessens. Los Angeles und die Auslöschung der Erinnerung) ist eine »Verschmelzung von Archivrecherche und kritischer Theorie«, wie der Medienforscher Peter Lunenfeld bemerkt. »Klein kann nicht anders, als Grenzen zu überschreiten. Er bewegt sich von persönlichen Erinnerungen zu theoretischen Ausführungen, kombiniert zwischen zwei Buchdeckeln Essays, eine Erzählung und etwas, das er ›Dokufabeln‹ nennt. Er verweigert sich jeglicher Etikettierung – sei es als Historiker, Kritiker, Theoretiker, Erzähler.« Kleins Ausstellung »Scripted Spaces: The Chase and the Labyrinth« wurde im Rotterdamer Zentrum für moderne Kunst Witte de With und im Künstlerhaus Stuttgart gezeigt. Neben Kleins Theorien über »geschriebene Räume« basiert sie auf seinem Buch über »kontrollierte Anarchie« in Zeichentrickfilmen, Medien und Architektur: »Seven Minutes: The Life and Death of the American Animated Cartoon« (1993; Ü: Sieben Minuten. Das Leben und der Tod des amerikanischen Zeichentrickfilms). Im Mittelpunkt seines nächsten Werks stand wiederum die kalifornische Metropole. »Bleeding Through: Layers of Los Angeles, 1920-86« (2003; Ü: Durchsickern: Schichten von Los Angeles, 1920-86) ist eine interaktive CD mit Begleitbuch, die in Zusammenarbeit mit dem Karlsruher Zentrum für Kunst und Medien entwickelt wurde. Das Werk enthält historische und theoretische Texte, Fotos, Karten, Filmausschnitte, Interviews sowie die Rahmenhandlung eines Mordfalls, dessen Geschichte der Leser als Akteur selber erstellen muss – doch gibt es nicht eine einzige richtige Ordnung der Dokumente, die herauszufinden wäre, sondern lediglich verschiedene Möglichkeiten, Fakten und Erinnerungsbruchstücke zu kombinieren. Alte und neue Fotografien derselben Stadtansichten, die ineinander geblendet wurden – im Titel anklingende, sogenannte »bleed throughs« – versinnbildlichen Kleins Geschichtsverständnis. »The Vatican to Vegas: The History of Special Effects« (2003; Ü: Der Vatikan bis Vegas. Die Geschichte der Spezialeffekte) ist eine Darstellung der kulturellen Täuschungsmanöver, mit denen tatsächliche Machtverhältnisse verdeckt wurden. Verblüffende Beispiele hierfür dokumentiert das Buch in reicher Fülle von der Renaissance bis hin zu den amerikanischen Präsidentschaftswahlen im Jahr 2000 und den politischen Reaktionen auf die Ereignisse vom 11. September. Klein veröffentlichte zuletzt ein literarisiertes Erinnerungsbuch über Amerikas Vergessen und die Aushöhlung seiner Ideale mit dem Titel »Freud in Coney Island and Other Tales« (2006; Ü: Freud auf Coney Island und andere Geschichten). Er arbeitet derzeit an dem Projekt einer Datenbank auf DVD mit begleitender Rahmenhandlung, die 2007 erscheinen wird und den Leser auf eine Reise nimmt, die ihn durch ein 20. Jahrhundert führt, wie es vor seinem tatsächlichen Ablauf imaginiert wurde: »The Imaginary Twentieth Century« (Ü: Das imaginäre 20. Jahrhundert). Norman Klein lebt in Los Angeles.

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