10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2005 / Michael Palmer

Michael Palmer  [ USA ]

Biographie

Michael Palmer Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2005, 2001.

Bibliographie

Plan of the City of O
Barn Dream Press
Boston, 1971

Blake`s Newton
Black Sparrow Press
Los Angeles, 1972

Sun
North Point Press
San Francisco, 1988

At Passages
New Directions
New York, 1995

The Lion Bridge
New Directions
New York, 1998

The Danish Notebook
Avec Books
Penngrove, 1999

The Promises of Glass
New Directions
New York, 2001

Codes Appearing
New Directions
New York, 2001

Company of Moths
New Directions
New York, 2005

The Last Surgeon
St. Martin’s Press
New York, 2010

A Heartbeat Away
St. Martin’s Press
New York, 2011

[selektive Bibliographie]

Übersetzer: Rainer G. Schmidt, Christine Strüh

Michael Palmer wurde 1943 in New York City geboren. Er studierte Komparatistik an der Universität Harvard und ließ sich 1969 in San Francisco nieder. Zusammen mit Clark Coolidge gab er während seines Studiums die Zeitschrift "Joglars" heraus. Sein erster Lyrikband erschien 1971 unter dem Titel "Plan of the City of O" (Ü: Plan der Stadt O). Palmer erhielt u.a. Stipendien des Literature Program of the National Endowment for the Arts und von der Guggenheim Foundation und wurde für "At Passages" (1995; Ü: In Passagen) mit dem America Award for Poetry ausgezeichnet. Im Jahr 2006 erhielt er den Wallace Stevens Award der Academy of American Poets. Auch als Herausgeber und Übersetzer von brasilianischer, französischer und russischer Lyrik machte sich Michael Palmer einen Namen. Seine eigenen Werke wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Häufig arbeitete der Dichter mit Musikern und Performern zusammen. Allein mit Margaret Jenkins führte er seit 1974 über zwölf Tanztheaterprojekte durch. Außerdem verfasste er Hörspiele sowie Essays und legte 1998 einen Prosaband, "The Danish Notebook" (Ü: Das dänische Notizbuch), vor. Nach den Lyrikbänden "The Promises of Glass" (2000, Ü: Die Versprechen des Glases) und "Codes Appearing" (2001, Ü: Erscheinende Codes) erschien zuletzt die Gedichtsammlung "Company of Moths" (2005; Ü: Gesellschaft der Motten). Palmer ist Mitherausgeber der Zeitschrift "Sulfur" und tritt an vielen Colleges und Universitäten in Amerika und Europa als Dozent und als Redner auf.

Die Lyrik Michael Palmers wirkt auf den ersten Blick verstörend. Die Syntax ist brüchig, Referentialität wird verweigert, die Worte verbinden sich zu immer neuen, unerwarteten, scheinbar unsinnigen Bedeutungseinheiten. Konjunktionen führen den Leser in die Irre und die Suche nach Bedeutung geht ins Leere. Dem Literaturwissenschaftler George Hartley zufolge erkundet Palmer in seinen Gedichten "die syntaktischen und logischen Konventionen, die in unsere Sprache eingebaut sind und die dazu dienen, einen spezifischen Themenkontext zu definieren. Diese Konventionen – wie Parenthese, Apposition und Konjunktion – werden einer verwirrenden 'Entfremdung' unterzogen, [...] der Kontext wird immer wieder bestätigt und unterlaufen."

Was durch die Negierung der Gesetze narrativer Logik zunächst abweisend und hermetisch wirkt, vermittelt, so das Konzept des Dichters, in einer direkteren Weise zwischen den Erfahrungs- und Empfindungsrealitäten von Autor und Leser. Ausgehend von der Beobachtung, dass beispielsweise Erinnerung nicht linear verläuft, vertraut Palmer darauf, dass die poetische Sprache in ihrer Komplexität, in ihren Brechungen, Auslassungen und Umwegen unmittelbarer wirkt als eine auf Eindeutigkeit zielende Äußerung: "Was als Zeichen für Offenheit angesehen wird – die konventionelle narrative Ordnung –, kann für Geheimhaltung stehen, während das, was allgemein als Zeichen für Verweigerung oder Ausflucht gilt – Auslassung, Umschreibung etc. –, von einem anderen Standpunkt aus betrachtet wie eine Enthüllung erscheinen kann."

© internationales literaturfestival berlin

Berlin View

For many American writers, I think the question of the space of writing has undergone a fundamental metamorphosis during the years of the Bush regime. We are enduring a loathsome historical moment, a moment in which we witness daily the betrayal of the founding values of our democratic republic. As we have experienced the lies and violent perfidy of the current administration, many of us have also felt the fracturing of that space-of-making fashioned with great difficulty within the fabric of a materialist culture. As Germans know all too well – as they have learned at such staggering cost – when delusional ideologues control governments and manipulate public discourse, they systematically infect and betray the language itself, that language which is the writer’s dwelling place. What was once an abode for the imagination becomes a corrupted and claustral space, until a cure be found.

August 2005