10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Mia Couto  [ Mosambik ]

Biographie

Mia Couto Portrait
© Jose Frade

Gast des ilb 2005.

Bibliographie

Das schlafwandelnde Land
DIPA
Frankfurt/Main, 1994
Übersetzung: Karin von Schweder-Schreiner

Raiz de Orvalho
Caminho
Lissabon, 1999

Estórias Abensonhadas
Caminho
Lissabon, 2000

Unter dem Frangipanibaum
Alexander Fest
Berlin, 2000
Übersetzung: Karin von Schweder-Schreiner

O Último Voo do Flamingo
Caminho
Lissabon, 2002

Um Rio Chamado Tempo, Uma Casa Chamada Terra
Caminho
Lissabon, 2002

Vozes Anoitecidas
Caminho
Lissabon, 2002

Contos do Nascer da Terra
Caminho
Lissabon, 2002

Chronique des jours de cendre
Albin Michel
Paris, 2003

O fio das missangas
Caminho
Lissabon, 2004

A chuva pasmada
Caminho
Lissabon, 2004

Pensatempos
Caminho
Lissabon, 2005

O outro pé da Sereia
Caminho
Lissabon, 2006

Übersetzer: Karin von Schweder-Schreiner

Mia (António Emílio Leite) Couto wurde 1955 im mosambikanischen Beira als Sohn portugiesischer Einwanderer geboren. Im Alter von vierzehn Jahren veröffentlichte er erste Gedichte in der Zeitung »Notícias da Beira«. Drei Jahre später begann er ein Medizinstudium, später arbeitete er als Journalist. Nachdem Mosambik die Unabhängigkeit von Portugal erstritten hatte, wurde Couto Direktor der Nachrichtenagentur AIM und arbeitete als Chefredakteur der Zeitungen »Tiempo« und »Notícias de Maputo«. 1985 gab er seine Posten auf, um Biologie zu studieren. Heute arbeitet er als Umweltbiologe im Limpopo Transfrontier Park.

Nach dem Gedichtband »Raiz de Orvalho« (1983; Ü: Wurzel des Taus) und der Kurzgeschichtensammlung »Vozes Anoitecidas« (1986; Ü: Nacht gemachte Stimmen) wurde Couto international mit seinem Roman »O Último Voo do Flamingo« (2000; Ü: Der letzte Flug des Flamingos) bekannt. In poetischer und innovativer Weise verschmelzen darin mündliche Erzähltraditionen mit modernen literarischen Formen und Motive des Volksglaubens mit aktuellen politischen Ereignissen. Im bürgerkriegsgeplagten Mosambik, das nach seiner Unabhängigkeit von einer kommunistischen Einheitspartei geführt wurde, verschwinden Blauhelmsoldaten auf mysteriöse Weise. Die Erforschung der Hintergründe wird zur Reise durch das kulturelle Erbe dieses zerrissenen Landes, bei der die Grenzen von Traum und Wirklichkeit, Vergangenheit und Zukunft verschwimmen. Bei der Verleihung des Prémio Mário António gab Couto ein deutliches Bekenntnis zur moralischen Verantwortung des Schriftstellers ab: »Der letzte Flug des Flamingos« spricht von einem extremen Diebstahl der Hoffnung, begangen von der Rücksichtslosigkeit der Mächtigen. Der Vormarsch dieser Vernichter von Nationen zwingt uns, uns Schriftsteller, zu einer wachsenden moralischen Verpflichtung. Gegen die Unanständigkeit jener, die sich auf Kosten von allem und jedem bereichern, gegen jene, von deren Händen Blut tropft, gegen die Lügen und das Verbrechen und die Angst, gegen all das sollten die Worte der Schriftsteller gerichtet werden. Diese Pflicht für mein Land und meine Zeit hat mein Buch wie alle meine vorherigen Romane geleitet.« Dieser Verpflichtung ging Couto auch in zahlreichen Kolumnen nach, von denen 1991 eine Auswahl unter dem Titel »Cronicando« erschien. Während des Irak-Kriegs prangerte Couto in einem offenen Brief an US-Präsident Bush mit scharfen Worten die Arroganz der Supermacht an.

Der 1996 erschienene Roman »A Varanda do Frangipani« (dt. »Unter dem Frangipanibaum«, 2000) gilt als Coutos bedeutendstes Werk. Ein Polizeinspektor untersucht den Mord an einem tyrannischen Heimdirektor in einer ehemaligen portugiesischen Festung, die als Aufbewahrungsort für Elfenbein und Sklaven diente - und alle Verdächtigen nehmen bereitwillig die Verantwortung für die Tat auf sich. Wiederum parabelhaft und mit Rekursen auf Landeskultur und -geschichte reflektiert der Roman das Ende des Bürgerkriegs und die Demokratisierung Mosambiks. Das Buch wurde ebenso ins Deutsche übersetzt wie »Terra Sonâmbula« (1992; dt. »Das schlafwandelnde Land«, 1994), das von der Jury des internationalen Buchfestivals in Simbabwe zu einem der zwölf besten afrikanischen Bücher des 20. Jahrhunderts gewählt wurde. Daneben erhielt Couto zahlreiche Preise wie den Prémio Vergílio Ferreira. Der Autor lebt in Mosambiks Hauptstadt Maputo.

© internationales literaturfestival berlin

Berlin View

Der Ort, an dem man schreibt, ist derjenige,
der die Kindheit wiederherstellen kann, die
totale Zeit, die Abwesenheit von Grenzen zwischen
Gegenwart und Zukunft, zwischen Innenraum und Außen-
welt. Der wirkliche Ort der Fiktion ist derjenige,
an dem nichts wirklich ist, alles sich in etwas
Ausgedachtes verwandelt.