10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Jonathan Safran Foer  [ USA ]

Biographie

Jonathan Safran Foer Portrait
©Grant Delin

Gast des ilb 2005.

Bibliographie

Alles ist erleuchtet
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2003
Übersetzung: Dirk van Gunsteren

Extrem laut und unglaublich nah
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2005
Übersetzung: Henning Ahrens

Joe
[mit Hiroshi Sugimoto]
Prestel
Saint Louis, 2006

Übersetzer: Henning Ahrens, Rainer G. Schmidt, Dirk van Gunsteren

Jonathan Safran Foer wurde 1977 in Washington D.C. geboren. Er studierte an der Princeton University, wo er von Joyce Carol Oates zum Schreiben ermutigt wurde. Nach seinem Abschluss im Fach Philosophie arbeitete er unter anderem als Rezeptionist, Assistent in einer Leichenhalle, Mathematiktutor, Ghostwriter, Archivar und Schmuckverkäufer. Seine erste Buchveröffentlichung war die erfolgreiche Anthologie »Convergence of Birds« (2001; Ü: Konvergenz der Vögel), die Gedichte und Prosastücke zum Werk des Malers Joseph Cornell vereint. Seine frühen Kurzgeschichten wurden in »The Paris Review« und »Conjunctions« veröffentlicht.

1999 unternahm Foer eine Reise zum Herkunftsort seiner Großeltern, dem jüdischen Dorf Trachimbrod in der Ukraine, das bei einem Massaker deutscher Einheiten im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört wurde. Auch wenn seine Nachforschungen nach dem Verbleib der Frau, die seinen Großvater damals gerettet hatte, vergeblich blieben, inspirierte der Aufenthalt Foer doch zu seinem ersten Roman. »Everything Is Illuminated« (2002; dt. »Alles ist erleuchtet«, 2003) verbindet auf sehr spezielle Weise die Geschichte dieser Reise mit einer imaginären Chronik des Stetls: Der »realistische« und der »folkloristische« Teil werden chronologisch gegenläufig erzählt und gehen schließlich ineinander über, wobei sich Fiktion und Wirklichkeit ununterscheidbar vermischen. In einer komplexen, überbordenden Erzählweise – »magischer Realismus und jiddischer Barock«, wie die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« urteilte – wird die Handlung mit innovativem, souveränem Sprachduktus entwickelt. Foers unterhaltsame und dabei ernsthafte Thematisierung des Holocaust aus der Perspektive eines jüdischen Überlebenden der dritten Generation wurde von der Kritik überschwänglich aufgenommen. Der Roman, der von Liev Schreiber mit Elijah Wood verfilmt wurde, war ein internationaler Bestseller und wurde in 26 Sprachen übersetzt.

2005 erschien Foers zweiter Roman, der sich des amerikanischen Traumas vom 11. September mit der charakteristischen waghalsigen Energie des Autors annimmt. Der Protagonist von »Extremely Loud and Incredibly Close« (dt. »Extrem laut und unglaublich nah«) ist ein Junge, der bei den New Yorker Anschlägen seinen Vater verloren hat. Die Verarbeitung dieses Verlustes wird im altklugen Vokabular des Neunjährigen geschildert und mit dem Schicksal seiner Großeltern verknüpft, die den Bombenangriff auf Dresden überlebten. Noch stärker als in seinem ersten Roman sind in dem Buch grafische Elemente integriert, darunter eigenwillige und zum Teil bewusst unleserlich gedruckte Schriftarten und Fotografien. Die Verbindung zur bildenden Kunst suchte Foer auch in seinem Gemeinschaftswerk mit dem Bildhauer Richard Serra und dem Fotografen Hiroshi Sugimoto »Joe« (2006).

Foer ist Mitherausgeber von »The Future Dictionary of America« (2004; Ü: Das zukünftige Wörterbuch Amerikas), einer Kompilation von spöttisch gemeintem Vokabular der Zukunft mit Beiträgen von Autoren wie Stephen King, Paul Auster, Jonathan Franzen, Edward Hirsch, C.K. Williams, Joyce Carol Oates oder Art Spiegelman. Für seine Werke wurde Foer mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet, darunter der Zoetrope: All Story Fiction Prize, der National Jewish Book Award, der Guardian First Book Prize und der New York Public Library Young Lions Prize. Zuletzt schloss Foer das Libretto »Seven Attempted Escapes from Silence« (2005; Ü: Sieben Versuche, aus der Stille auszubrechen) ab, das von der Deutschen Staatsoper Berlin in Auftrag gegeben worden war. Die Uraufführung war am 14. September 2005. Foer lebt mit seiner Frau, der Schriftstellerin Nicole Krauss, in Brooklyn und ist derzeit Stipendiat der Berliner American Academy.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.jonathansafranfoer.com/]