10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Huzir Sulaiman  [ Singapur, Malaysia ]

Biographie

Huzir Sulaiman Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2005.

Bibliographie

Eight Plays
Silverfishbooks
Kuala Lumpur, 2002

Übersetzer: Rainer G. Schmidt

Huzir Sulaiman wurde 1973 in Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias, geboren. Er stammt aus dem indischen Bevölkerungsteil des Vielvölkerstaates und studierte an der Princeton University. 1996 gründete er in Kuala Lumpur die inzwischen fest etablierte Straits Theatre Company. Sie feierte mit Sulaimans erstem Bühnenstück, der One-man Show »Lazy Hazy Crazy« (1997; Ü: Faul Trüb Verrückt) frühe Erfolge. Mit seinem zweiten Stück »Atomic Jaya« (1998; Ü: Atomarer Großerfolg) festigte Sulaiman seinen Ruf als einer der führenden und interessantesten Dramatiker Malaysias und Singapurs. Die tempo- und pointenreiche Satire auf politisches Großmachtstreben und nuklearen Rüstungswahn wurde mit Kubricks »Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben« verglichen. Einige der 14 Rollen des Stücks – darunter befinden sich ein größenwahnsinniger Politiker, ein skrupelloser Militär, ein skrupulöser Wissenschaftler und ein verbrecherischer Waffenhändler – wurden in der dritten Inszenierung vom Autor selbst übernommen.
»The Smell of Language« (1998) – Sulaimans drittes Stück – ist ein postmodernes Spiel mit der Rolle des Autors und thematisiert die skandalösen Ereignisse in der malaysischen Region Malacca, als 1995 deren führender Politiker beschuldigt wurde, eine Vierzehnjährige vergewaltigt zu haben, woraufhin sie in polizeilichen Gewahrsam genommen wurde. Die Groteske des Machtmissbrauchs gipfelte darin, dass die Wortwahl eines oppositionellen Politikers, der die Maßnahme der Polizei als »Inhaftierung« bezeichnet hatte, ihm selbst eine Gefängnisstrafe einbrachte. Sulaiman schrieb in rascher Folge sechs weitere Stücke. Die letzten erschienen 2002 in dem Sammelband »Eight Plays« (2002). Im selben Jahr wurde Sulaiman vom Singapore Arts Festival mit einem dramatischen Werk über die japanische Besatzung des Landes im Zweiten Weltkrieg beauftragt. »Occupation« (2002) schildert diese Zeit am Beispiel der Großeltern des Autors – und verbindet das nationale Trauma der Besatzung mit einer Episode, in der die Großmutter sich in ihren zukünftigen Mann verliebt und von dieser Liebe »besetzt« wird.
Sulaiman, der auch als Autor für Film und Fernsehen hervortrat, zog 2003 nach Singapur. Er arbeitete als Schauspieler und Regisseur und war einer der Mitbegründer des dortigen Checkpoint Theatre, dessen künstlerischer Leiter er heute ist. Nach der Fertigstellung eines epischen historischen Bühnenstücks über den 1956 fehlgeschlagenen Versuch Singapurs, die Unabhängigkeit von Großbritannien zu erlangen, arbeitet Sulaiman nun an einem Roman über die künstlerische Gegenkultur in Malaysia und Singapur zur Jahrtausendwende. Der Autor ist derzeit Stipendiat der National University of Singapore und des Arts House. Er lebt in Singapur.

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