10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2005 / Hans Magnus Enzensberger

Hans Magnus Enzensberger  [ Deutschland ]

Biographie

Hans Magnus Enzensberger Portrait
© Doris Poklekowski, www.foto-poklekowski.de

Gast des ilb 2005.

Bibliographie

Blindenschrift
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1964

Das Verhör von Habana
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1970

Der kurze Sommer der Anarchie. Buenaventura Durrutis Leben und Tod
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1972

Der Untergang der Titanic
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1978

Der Menschenfreund
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1984

Ach Europa! Wahrnehmungen aus sieben Ländern mit einem Epilog aus dem Jahre 2006
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1987

Esterhazy: Eine Hasengeschichte
[mit Irene Dische]
Sauerländer
Aarau, 1994

Ill: Michael Sowa
Aussichten auf den Bürgerkrieg
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1994

Diderots Schatten
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1994

Voltaires Neffe: Eine Fälschung in Diderots Manier
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1996

Der Zahlenteufel
Hanser
München, 1997

Ill: Rotraut Susanne Berner
Blindenschrift
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1999

Verteidigung der Wölfe
Faber & Faber
Leipzig, 2000

Landessprache
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2000

Wo warst Du, Robert?
dtv
München, 2000

Die Elixiere der Wissenschaft: Seitenblicke in Poesie und Prosa
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2002

Die Geschichte der Wolken
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2003

Nomaden im Regal
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2003

Dialoge zwischen Unsterblichen, Lebendigen und Toten
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2004

Natürliche Gedichte
Insel
Frankfurt/Main, 2004

Leichter als Luft: Moralische Gedichte
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2005

Schreckens Männer
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2006

Josefine und ich
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2006

Hans Magnus Enzensberger wurde 1929 in Kaufbeuren geboren. Er wuchs in Nürnberg auf, wo er zum Ende des Krieges noch zum »Volkssturm« eingezogen wurde. Sein Studium der Literaturwissenschaft, Philosophie und der Sprachen in Erlangen, Freiburg im Breisgau, Hamburg und Paris schloss er 1955 mit einer Promotion über Clemens v. Brentanos Poetik ab. Er arbeitete zunächst als Rundfunkredakteur in Stuttgart und als Gastdozent an der Hochschule für Gestaltung in Ulm. Enzensberger war Mitglied der Gruppe 47; 1957 veröffentlichte er sein Lyrikdebüt »verteidigung der wölfe«, in dem er mit klarer Sprache und in herausforderndem Ton seine kritische Beobachtung des bundesrepublikanischen Deutschland aufnimmt. Während der nachfolgende Gedichtband »landessprache« (1960) verstärkten Protest artikuliert, beinhaltet »blindenschrift« (1964) elegischere Ding-Gedichte.

Der Lyriker und in vielen Genres und Medien innovativ wirkende Autor ist auch als unangepasster und einflussreicher Herausgeber und Essayist tätig. 1960 gab er die inzwischen weit verbreitete Lyrikanthologie »Museum der modernen Poesie« heraus. Darin wurden deutschen Lesern bislang wenig bekannte Autoren wie William Carlos Williams, Fernando Pessoa oder Lars Gustafsson vorgestellt. In dieser Zeit begann Enzensberger auch seine kongeniale Übersetzertätigkeit. 1965 gründete er die Zeitschrift »Kursbuch«, in der medien- und sprachkritische Texte veröffentlicht wurden. Sie war ein legendäres Forum der Studentenbewegung. Mitte der siebziger Jahre wandte sich Enzensberger nach mehreren Essaybänden und aus dokumentarischen Materialien collagierten Texten verstärkt der Bühne und dem Versepos zu und schrieb mehrere fortschrittskritische Stücke, darunter den Klassiker der deutschen Nachkriegsliteratur »Der Untergang der Titanic« (1978). 1980 gründete er die Zeitschrift »TransAtlantic«. Fünf Jahre später begann er mit der Herausgabe der »Anderen Bibliothek«. Unter dem Pseudonym Andreas Thalmayr erschien als deren neunter Band »Das Wasserzeichen der Poesie oder Die Kunst und das Vergnügen, Gedichte zu lesen« (1985). Unter dem gleichen Autorennamen wurde zuletzt das Jugendsachbuch »Lyrik nervt! Erste Hilfe für gestresste Leser« (2004) veröffentlicht – eine provokante und dabei ironische Kulturinitiative, wie auch der von Enzensberger im Jahr 2000 installierte »Lyrikautomat«, der kombinatorisch Gedichte generiert. Der aufklärerische Impetus des Autors zeigte sich immer wieder auf ungewöhnlichen Gebieten, zum Beispiel mit »Der Zahlenteufel. Ein Kopfkissenbuch für alle, die Angst vor der Mathematik haben« (1997). Enzensberger gab 2004 drei der wichtigsten Werke Alexander von Humboldts heraus. Im selben Jahr erschienen die »Dialoge zwischen Unsterblichen, Lebendigen und Toten« (2004), Prosastücke, die im Rekurs auf historische Persönlichkeiten den heutigen Zeitgeist erhellen. Nach zwei Gedichtbänden im Jahr 2005, veröffentlichte Enzensberger 2006 erneut zwei Bücher: "Schreckens Männer", ein "Versuch über den radikalen Verlierer", widmet sich dem aktuellen, radikalen Islamismus und dem Phänomen des Selbstmordattentats. "Josefine und Ich" ist eine tragikomische Prosaerzählung zwischen Kunst und Politik.

Schon 1963 wurde Enzensberger der Georg-Büchner-Preis verliehen. Neben einer Vielzahl weiterer deutscher Literaturpreise erhielt der Autor den italienischen Premio Bollati und den spanischen Premio Príncipe de Asturias. Außerdem ist er Mitglied des Ordens »Pour le mérite«. Der weitgereiste Schriftsteller, der Mexiko, Kuba, Süd- und Nordamerika ebenso kennenlernte wie die Sowjetunion und den Nahen Osten, lebte schon in Norwegen, Italien, den USA und West-Berlin. Seit 1979 hat er seinen Wohnsitz in München.

© internationales literaturfestival berlin