10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Göran Sonnevi  [ Schweden ]

Biographie

Gast des ilb 2009.

Bibliographie

Trädet
Albert Bonniers förlag
Stockholm, 1991

Mozarts tredje hjärna
Albert Bonniers förlag
Stockholm, 1996

Klangernas bok
Albert Bonniers förlag
Stockholm, 1998

Oceanen
Albert Bonniers förlag
Stockholm, 2005

Das brennende Haus
Hanser Verlag
München, 2009
[Ü: Klaus-Jürgen Liedtke]

Göran Sonnevi wurde 1939 im schwedischen Lund geboren und wuchs in Halmstad auf. Die Beschäftigung mit Literatur löste frühe Interessen für Chemie, Mathematik und Musik ab. Während seines Studiums der Literaturgeschichte, Philosophie, Kunst- und Religionsgeschichte an der Universität von Lund war er Mitglied einer Literaturgruppe, veröffentlichte in deren Publikation »Vox« eigene Verse und wurde beim Lyrikwettbewerb des Literaturmagazins »Bonnier« mit dem zweiten Preis ausgezeichnet. Im Alter von 20 Jahren begann er mit der Übersetzung von Lyrik, u.~a. den »Cantos« von Ezra Pound sowie Werken von Celan, Mandelstam und Enzensberger. Nach einer weiteren Ausbildung zum Bibliothekar erhielt Sonnevi ein Stipendium der schwedischen Schriftstellervereinigung und begann als freier Autor zu arbeiten. Bekanntheit erlangte er 1965 mit seinem dritten Gedichtband »ingrepp-modeller« (Ü: einspruch-modelle), insbesondere mit dem darin enthaltenen Gedicht »Om kriget i Vietnam« (Ü: Über den Krieg in Vietnam), das ihn als »Lyriker der neuen Linken« etablierte. Politik ist bis heute eine Konstante im themenreichen Werk von Sonnevi, das auch die Natur, persönliche Erfahrungen, Reflexionen über metaphysische Fragen und Sprache sowie Naturwissenschaften und Mathematik behandelt. Mit seinen rund 20 Werken, die in 20 Sprachen übersetzt wurden, gehört Sonnevi zu den wichtigsten skandinavischen Lyrikern.
Der zuletzt auf Deutsch erschienene Auswahlband »Das brennende Haus« (2009) versammelt Gedichte aus den Bänden »Trädet« (1991; Ü: Der Baum), »Mozarts tredje hjärna« (1996; Ü: Mozarts drittes Gehirn), »Klangernas bok« (1998; Ü: Das Buch der Klänge) und »Oceanen« (2005; Ü: Der Ozean). Im liedhaften Sprachfluss, der auf gewohnte Metren verzichtet und stattdessen mit Zäsuren sowie mit stockenden und flüssigen Silben und Phrasen arbeitet, entstehen zeitgenössische Variationen über den Zustand der Welt und die Stellung des Individuums dazu. Nie nehmen die Worte das Format eines Panoramas an: Die Unzulänglichkeit der Sprache und die Unübersichtlichkeit aller Zusammenhänge ist selbst ein häufig wiederkehrendes Motiv; dieser Ausweglosigkeit wird immer wieder die Hoffnung auf Liebe entgegengestellt – wie im Motto von »Der Ozean»: »Jedes Wort / existiert nur / in Liebe. «
Zu den zahlreichen Auszeichnungen des Dichters gehören der Carl-Emil-Englund-Preis, ein Gustaf-Fröding-Stipendium, ein lebenslanges Stipendium der schwedischen Regierung, der Literaturpreis des Schwedischen »Dagbladet«, der Gerard-Bonnier-Preis, der Nordische Preis der Schwedischen Akademie und der Literaturpreis des Nordischen Rates. Dessen Jury begründete die Verleihung mit den Worten: »Sonnevi verfasst Lyrik mit einer intensiven Notwendigkeit, in ständigem Dialog mit sozialen und politischen Ereignissen und der Beschäftigung mit persönlichen Fragen von Schuld und Verantwortung. « Der Autor lebt in Järfella bei Stockholm.

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