10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Gila Lustiger  [ Deutschland ]

Biographie

Gila Lustiger Portrait
©Lilian Birnbaum

Gast des ilb 2005.

Bibliographie

An den Granatapfel. Gedichte von T. Carmi
Hanser
München, 1991
 
Die Bestandsaufnahme
Aufbau-Verlag
Berlin, 1996
 
Aus einer schönen Welt
Aufbau-Verlag
Berlin, 1997
 
So sind wir
Berlin-Verlag
Berlin, 2005

Gila Lustiger , Tochter des Historikers Arno Lustiger, wurde 1963 in Frankfurt am Main geboren, wo sie ihre Jugend und Schulzeit verbrachte. Mit 18 Jahren zog sie nach Tel Aviv, ein Jahr später nach Jerusalem. Gila Lustiger studierte Kunstgeschichte und Komparatistik, dann – mit den letzten deutschen Exilanten – Germanistik an der Hebräischen Universität. Seit 1987 lebt sie mit ihren zwei Kindern in ihrer Wahlheimat Frankreich, wo sie als Verlagslektorin und freie Autorin arbeitet.

Lustiger trat als Übersetzerin der isralischen Dichter Asher Reich und T. Carmi sowie des französischen Schriftstellers Jules Supervielle in Erscheinung. 1995 veröffentlichte sie ihr erstes Werk, »Die Bestandsaufnahme«. In lakonischem Ton und mit einem Blick für das unerhebliche Kleine schildert Lustiger – mosaikartig zusammengesetzt – Episoden aus dem Alltag des Nationalsozialismus. Dabei geht es ihr nicht um eine Opfer-Täter-Polarisierung, sondern um die Schilderung dessen, wie Menschen fast unmerklich in die Vernichtungsmaschinerie gerieten. In »Aus einer schönen Welt« (1997), einem Anti-Bildungsroman, beschreibt Lustiger die Spannungen in einer Kleinfamilie und zeichnet ein ebenso einfühlsames wie ironisches Porträt einer wohlsituierten Frau auf ihrer Suche nach Selbstverwirklichung. Lustigers »französischstes Buch« beschrieb »Le Figaro« als »eine moderne ›Madame Bovary‹, die sich in Georges Perecs ›Die Dinge‹ verirrt hat.«

Zuletzt veröffentlichte Lustiger die mit großem Zuspruch aufgenommene Chronik ihrer eigenen Familie. Von persönlichen Gegenständen wie einem Briefbeschwerer, Zeitungen oder einer Puppe inspiriert, folgt »So sind wir« (2005) Erinnerungsspuren und verbindet sie mit fiktiven Passagen. Dieser Mikrokosmos gibt einen unverkennbar ironischen Blick auf die europäische Geschichte frei, die nicht zuletzt auch eine Geschichte der Juden ist. Mit einer Fülle von tragisch-komischen Episoden und bisweilen melancholischen Untertönen bringt Lustiger einen faszinierenden Erzählstrom in Fluss. »Ein fein ausbalanciertes Buch zwischen Leichtigkeit und Affekt, zwischen hoher Kunstfertigkeit in der Konstruktion und einem beiläufigen, fast schnorrigen Erzählton«, urteilte die »Süddeutsche Zeitung«.

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