10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Gcina Mhlophe  [ Südafrika ]

Biographie

Gcina Mhlophe Portrait
© University of Kwa Zulu, Natal Press; Paul Weinberg

Gast des ilb 2005.

Bibliographie

The Snake with Seven Heads
Skotaville
Braamfontein, 1989
Ill: Hargreaves Ntukwana

Have You Seen Zandile?
Heinemann
Portsmouth, 1990

Queen of the Tortoises
Skotaville
Johannesburg, 1990

The Singing Dog
Skotaville
Johannesburg, 1992

Hi, Zoleka!
Songololo Books
Cape Town, 1994

Love Child: Die Geschichtenerzählerin aus Südafrika
Peter Hammer
Wuppertal, 1996
Übersetzung: Susanne Koehler, Uta Goridis

Wie die Geschichten auf die Welt kamen
Peter Hammer
Wuppertal, 1998
Übersetzung: Susanne Koehler, Uta Goridis

Stories of Africa
Univ. of Natal Press
Pietermaritzburg, 2003

An African Mother Christmas
Maskew Miller Longman
Cape Town, 2004

Our Story Magic
Univ. of Natal Press
Pietermaritzburg, 2006

Übersetzer: Uta Goridis, Susanne Koehler

Die südafrikanische Erzählerin Gcina Mhlophe wurde 1958 in Natal bei Durban geboren. Mit 21 Jahren zog sie nach Johannesburg, wo sie als Hausmädchen, Journalistin und Schauspielerin arbeitete. In verschiedenen Theaterrollen tourte sie durch Europa und Nordamerika, bevor sie 1986 ein eigenes Stück verfasste. »Have You Seen Zandile?« (Ü: Hast du Zandile gesehen?), an dem sie als Hauptdarstellerin und Regisseurin mitwirkte, gewann zahlreiche Preise auf internationalen Festivals. Kurze Zeit später gründete sie die Gruppe »Zanendaba Storytellers«, die jährlich ein Erzählerfestival veranstaltet.

Mhlophe zählt zu den bekanntesten südafrikanischen Künstlerpersönlichkeiten, ihre Arbeit gilt als entscheidender Beitrag zur Wiederbelebung der afrikanischen Erzähltradition. Auf Deutsch liegen derzeit zwei Bücher von ihr vor. »Love Child« (1996) ist eine Auswahl von Geschichten und Gedichten, die in der Tradition der südafrikanischen »imbongis« stehen. Wie diese traditionellen Geschichtenerzähler bietet Mhlophe mit ihrer Kunst sowohl Unterhaltung als auch die Möglichkeit zur Identifikation und schafft dabei kulturelle Identität. Die in dem Band versammelten Texte erzählen von einer Zwangsheirat (»Nokulungas Hochzeit«), mahnen die politisch Verantwortlichen (»Großer Mann, vergiss nicht …«), erinnern immer wieder an die Unterdrückung des Apartheid-Regimes (»Meine liebe Madam«) oder beschreiben das Triumphgefühl nach dessen Niedergang (»Das Krokodil«). Die Titelgeschichte thematisiert die heterogene Gesellschaft Südafrikas mit den vielen verschiedenen Sprachen und oft verfeindeten Völkergruppen. »Love Child« ist aber auch die autobiografische Geschichte der Autorin, die Tochter eines Zulu und einer Xhosa ist. Damit steht sie selbst für die Überwindung von Konflikten, wofür sie sich auch einsetzt. »Ich schreibe Gedichte und singe meine Lieder, um Menschen zueinander zu bringen, sie zu lehren, nach dem Rhythmus der Trommel zu tanzen – nach einem neuen Rhythmus, der sie nicht zum Krieg anstachelt, sondern in ihnen den Wunsch weckt, ihr eigenes Leben neu zu gestalten und sich gegenseitig kennenzulernen, damit sie zusammen leben können.«

Die eminent politische Bedeutung des volkstümlichen Geschichtenerzählens geht ganz natürlich mit dessen pädagogischer Dimension einher. In Mhlophes Repertoire finden sich also auch viele Erzählungen für Kinder. Als Buch erschienen ist u.a. »A Mother’s Search for Stories« (1995; dt. »Wie die Geschichten auf die Welt kamen«, 1998). Für »Molo Zoleka« (1994; Ü: Hallo Zoleka) erhielt Mhlophe den Book Chat Award. Nach „Stories of Africa“ (2003; Ü: Geschichten aus Afrika) ist im letzten Jahr ein weiterer illustrierter Märchenband mit dem Namen „Our Story Magic“ (2006; Ü: Unsere magische Geschichte) erschienen.

Nach wie vor ist die Autorin zuallererst als Performerin tätig. Sie erzählt, tanzt und spielt in zahlreichen Musikprogrammen, mit denen sie international auftritt. Auch in Filmen, Fernsehsendungen und Hörfunkprogrammen ist sie häufig präsent. Zu ihren musikalischen Partnern gehören Francis und Patric Bebey und Sam Shabalala; sie arbeitete ebenfalls mit dem Chor »Ladysmith Black Mambazo« und dem London Philharmonic Orchestra. Für ihre Arbeit erhielt Mhlophe die Ehrendoktorwürden der Universitäten von London und Natal. Die Künstlerin lebt mit ihrem deutschen Ehemann und Tochter Khwezi Heike in Durban.

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