10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Friederike Mayröcker  [ Österreich ]

Biographie

Friederike Mayröcker Portrait
© Doris Poklekowski, www.foto-poklekowski.de

Gast des ilb 2005.

Bibliographie

Larifari
Bergland
Wien, 1956
 
Metaphorisch
E. Walther
Stuttgart, 1965
 
Minimonsters Traumlexikon
Rowohlt
Reinbek, 1968
 
Fantom Fan
Rowohlt
Reinbek, 1971
 
Tod durch Musen
Luchterhand
Darmstadt, Neuwied, 1973
 
Sägespäne für mein Herzbluten. Und andere Gedichte
Rainer-Verlag
Berlin, 1973
 
Schriftungen oder Gerüchte aus dem Jenseits
Pfaffenweiler Presse
Pfaffenweiler, 1975
 
Das Licht in der Landschaft
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1975
 
Fast ein Frühling des Markus M.
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1976
 
Heisze Hunde
Pfaffenweiler Presse
Pfaffenweiler, 1977
Ill: Ernst Jandl
 
Rot ist unten
Jugend und Volk
München, 1977
 
Heiligenanstalt
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1978
 
Schwarmgesang: Szenen für die poetische Bühne
Rainer-Verlag
Berlin, 1978
 
Ein Lesebuch
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1979
 
Die Abschiede
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1980
 
Fünf Mann Menschen
[mit Ernst Jandl]
Klett
Stuttgart, 1984
 
Reise durch die Nacht
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1984
 
Blauer Streusand
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1987
 
Mein Herz, mein Zimmer, mein Name
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1988
 
Das Herzzerreißende der Dinge
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1990
 
Stilleben
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1991
 
Veritas: Lyrik und Prosa. 1950-1992
Reclam
Leipzig, 1993
 
Lection
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1994
 
Den Fliegenschrank aufgebrochen
Kleinheinrich
Münster, 1995
 
Notizen auf einem Kamel: Gedichte 1991–1996
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1996
 
Das zu Sehende, das zu Hörende
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1997
 
Brütt oder Die seufzenden Gärten
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1998
 
Benachbarte Metalle
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1998
 
Requiem für Ernst Jandl
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2001
 
Mein Arbeitstirol: Gedichte 1996-2001
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2003
 
Die kommunizierenden Gefäße
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2003
 
Gesammelte Gedichte. 1939-2003
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2003
 
Und ich schüttelte einen Liebling
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2005

Friederike Mayröcker wurde 1924 in Wien geboren. Im Zweiten Weltkrieg als Luftwaffenhelferin eingezogen, absolvierte sie erst 1950 die »Externistenmatura«, arbeitete aber schon seit 1946 als Englischlehrerin an Wiener Hauptschulen. Ihre ersten Gedichte erschienen in der Wiener Avantgarde-Zeitschrift »Plan«. 1956 wurde ihr Debüt »Larifari. Ein konfuses Buch« veröffentlicht.

Mayröcker stand in loser Verbindung zur »Wiener Gruppe«, setzte sich aber von Anfang an von deren »Konkreter Poesie« ab. Statt den materiellen Charakter der Sprache auszustellen, arbeitet sie vor allem mit ihrem imaginativen Aspekt. Ihr erster Lyrikband »metaphorisch« (1965) enthält acht lange Gedichte. Ein Jahr später erschien »Tod durch Musen« (1966), eine Sammlung, die Gedichte ganz unterschiedlicher Bauformen vereint. Mayröckers vielschichtige Textkonstruktionen stehen in der Tradition von Surrealismus und Dadaismus und zeigen mannigfaltige Einflüsse, darunter die Werke von Beckett, Hölderlin, Freud und Barthes. Zitat und Montage sind zwei zentrale Kompositionstechniken der Dichterin, die sie besonders in ihrem Prosawerk immer wieder darstellt und reflektiert. Dem Zustand unablässiger Aufmerksamkeit und dem Sammeln von sprachlichen Versatzstücken – nicht nur aus der Literatur, sondern aus dem alltäglichen Leben, beispielsweise aus privater Korrespondenz oder Zeitungsartikeln – folgt ein Prozess synthetisierender Überarbeitung, aus dem neuartige und dichte, oft als »magisch« charakterisierte Textgebilde entstehen.

Seit sich Mayröcker 1969 von ihrer Lehrtätigkeit beurlauben ließ, ist der Hauptteil ihres Werkes erschienen, das mittlerweile über achtzig Titel umfasst: neben Gedichtbänden auch Erzählungen, Bühnentexte, Kinderbücher und Hörspiele. Für »Fünf Mann Menschen« (1969), das sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Ernst Jandl verfasste, erhielten beide den Hörspielpreis der Kriegsblinden. Bis heute wurde Mayröcker mit zahlreichen weiteren Preisen ausgezeichnet, darunter mit dem Großen Österreichischen Staatspreis, dem Friedrich-Hölderlin-Preis, dem Georg-Büchner-Preis und dem Premio Internazionale. Wie in einigen Titeln ihrer Hörspiele anklingt – »Die Umarmung nach Picasso« (1986), »Repetitionen, nach Max Ernst« (1989) oder »Schubertnotizen oder Das unbestechliche Muster der Ekstase« (1987) – nährt sich ihr Werk auch aus dem Dialog mit der Musik und der bildenden Kunst. Mayröcker integriert mitunter eigene Zeichnungen in ihre Texte und ist damit auch in Ausstellungen hervorgetreten.

Die anfangs deutlich experimentelle Schreibweise näherte sich in Mayröckers späteren Werken formal immer mehr einem nahtlos verschliffenen Erzählstrom. Schon »brütt oder Die seufzenden Gärten« (1998) überraschte mit seiner Romanform. Seit dem Tod Ernst Jandls im Jahr 2000 schrieb Mayröcker mehrere Prosastücke über ihn und ihr gemeinsames Leben, darunter »Requiem für Ernst Jandl« (2001) und zuletzt »Und ich schüttelte einen Liebling« (2005). Bezugspunkt und bleibender Gesprächspartner ist Jandl auch in vielen ihrer neueren Gedichte, die u.a. in »Gesammelte Gedichte. 1939-2003« (2003) aufgenommen sind. Mayröcker gilt als eine der bedeutendsten Stimmen zeitgenössischer deutschsprachiger Lyrik. Sie lebt in Wien.

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