10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2005 / Edward Hirsch

Edward Hirsch  [ USA ]

Biographie

Edward Hirsch Portrait
© Evin Thayer

Gast des ilb 2005.

Bibliographie

Earthly Measures
Alfred A. Knopf
New York, 1994

On Love
Alfred A. Knopf
New York, 1998

For the Sleepwalkers
Carnegie Mellon University Press
Pittsburgh, 1998

How to Read a Poem and Fall in Love with Poetry
Harvest Books
Fort Washington, 2000

Wild Gratitude
Alfred A. Knopf
New York, 2003

The Demon and the Angel
Harvest Books
Fort Washington, 2003

The Night Parade
Alfred A. Knopf
New York, 2003

Lay Back the Darkness
Alfred A. Knopf
New York, 2004

Poet’s Choice
Harcourt
Orlando, 2006

Übersetzer: Rainer G. Schmidt

Edward Hirsch wurde 1950 in Chicago geboren. Im Alter von acht Jahren entdeckte er in der Familienbibliothek Gedichte wie »Spellbound« von Emily Brontë oder »The Lost Son« von Theodore Roethke – eine literarische Initiation, die zur lebenslangen begeisterten Auseinandersetzung mit der Dichtkunst führte. Hirsch studierte an der University of Pennsylvania, wo er über Folklore promovierte. Für seinen ersten Gedichtband »For the Sleepwalkers« (1981; Ü: Für die Schlafwandler) erhielt er den Lavan Younger Poets Award und den Delmore Schwartz Memorial Award. Das folgende Werk »Wild Gratitude« (1986; Ü: Wilde Dankbarkeit) wurde mit dem National Book Critics Circle Award ausgezeichnet. Hirschs Gedichte, die zwischen persönlicher Erfahrungswelt und Metaphysik einen Bogen schlagen, sind vom Dialog mit der klassischen und der zeitgenössischen internationalen Dichtkunst inspiriert. Sie versuchen, diesen Dialog weiterzuführen: »Ich sehe Kunst gerne als Verbindung zwischen zwei Menschen, die sich nicht kennen, die nicht beide körperlich anwesend sind und die dennoch eine Verbindung herstellen können und das Bindeglied in einem Gedicht finden.« Die souveräne Handhabung unterschiedlicher lyrischer Formen kennzeichnet Hirschs sorgfältig komponierte Gedichtbände ebenso wie ein Duktus unprätentiöser Eleganz. »Earthly Measures« (1994; Ü: Irdische Maßnahmen), lyrische Meditationen über das Göttliche im Alltagsleben, wurde von Harold Bloom in seinen bekannten »Western Canon« aufgenommen. »On Love« (1998; Ü: Über die Liebe) mündet in eine Sequenz von Gedichten, die mit den Stimmen von Schriftstellern wie Diderot, Heine, Baudelaire, Emerson, Gertrude Stein, García Lorca, Brecht oder Colette sprechen und verschiedene Facetten der Liebe darstellen. Der bislang letzte Gedichtband »Lay Back the Darkness« (2003; Ü: Lass die Dunkelheit hinter dir) thematisiert das Sterben und die Unterwelt – vor dem Hintergrund von Dantes »Inferno«, der »Odyssee«, dem Mythos von Orpheus, den Geschehnissen im Konzentrationslager Terezin und autobiografischen Erlebnissen.

Hirsch verfasste auch theoretische – gleichwohl unakademisch und emotional gehaltene – Bücher, darunter »How to Read a Poem and Fall in Love with Poetry« (1999; Ü: Wie man ein Gedicht liest und sich in die Lyrik verliebt), das in den USA ein Bestseller war. Als eifriger Botschafter der Dichtkunst wirkte er auch mit seiner wöchentlichen Poesiekolumne »Poet's Choice« in der »Washington Post Book World«. Er veröffentlichte Essays in Publikationen wie »The New Yorker«, »The New York Times Book Review«, »American Poetry Review« und »DoubleTake«, für deren Gedichtredaktion er beratend tätig war. Der mit zahlreichen renommierten Preisen, Stipendien und akademischen Ehrenwürden ausgezeichnete Lyriker unterrichtete an der Wayne State University und war 18 Jahre lang Professor für Englisch und Kreatives Schreiben an der University of Houston. Zudem gehörte er zum Auswahlkomitee der John Simon Guggenheim Foundation. Seit 2003 ist er deren vierter Präsident.

© internationales literaturfestival berlin

Berlin View

Writing Space

I am perched on the second floor of a small branch library in a suburb of Chicago.  I feel like a bird flying between the wobbly stacks and the flimsy wooden tables, scratching notes under my own corner patch of sky.  I am 15-years-old.

I am sitting in the back of a tiny coffee shop in west Philadelphia.  I feel like I have been walking through Paris with Vallejo, walking through Manhattan with Lorca.  I write down what they might have said to me.  My deepest desire is to join the world of poets, who mean everything to me.  I am 25-years-old.

I am sitting in a fast-food joint on Nine Mile Road in Detroit.  I have been following a bag lady through the streets of the city and thinking about John Clare’s long walk home from a mental hospital.  I feel as if I have been lost in the heart of the country.  I am 35-years old.

I am sitting at a heavy wooden desk in my second-floor study in our house in Houston.  It’s the middle of the night.  How many years, how many decades have I passed at this desk, brooding about poetry?  The books surround me.  I am 45-years-old.

I am sitting in a corner of the town square and letting the ancient city move through me.  I sip a cup of coffee, write a little, and watch an old woman sweeping the stairs.  I am sentenced to a lifetime of making lines and sentences.  This is my doom and my joy.  I am 55-years-old.

Edward Hirsch