10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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† Inger Christensen  [ Dänemark ]

Biographie

† Inger Christensen Portrait
© privat

Gast des ilb 2005, 2001.

Bibliographie

Lys og Græs
Gyldendal
Kopenhagen, 1989

Alfabet
Kleinheinrich
Münster, 1990
Übersetzung: Hans Grössel

Brief im April
Kleinheinrich
Münster, 1990
Übersetzung: Hans Grössel

Das gemalte Zimmer
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1996
Übersetzung: Hans Grössel

Ein chemisches Gedicht zur Ehren der Erde
Residenz-Verlag
Salzburg, Wien, 1997
Übersetzung: Hans Grössel

Das Schmetterlingstal
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1998
Übersetzung: Hans Grössel

Der Geheimniszustand und das »Gedicht vom Tod«
Hanser
München, Wien, 1999
Übersetzung: Hans Grössel

Massenhaft Schnee für die darbenden Schafe
Edition Korrespondenzen
Wien, 2002
Übersetzung: Hans Grössel

Det / Das
Kleinheinrich
Münster, 2002
Übersetzung: Hans Grössel

Graes / Gras. Vierzehn frühe Gedichte
Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe
Detmold, 2005
Übersetzung: Hans Grössel

Übersetzer: Hanns Grössel

Inger Christensen wurde 1935 im dänischen Vejle geboren. Sie studierte zunächst Medizin, ließ sich dann zur Lehrerin ausbilden und war 1963-64 an der Kunsthochschule in Holbæck tätig. Danach entschied sie sich für die freiberufliche Schriftstellerexistenz. Obgleich sie auch einen Roman, Erzählungen, Essays, Hörspiele, ein Drama und ein Opernlibretto verfasste, wurde Christensen vor allem mit ihrer sprachgewaltigen Lyrik bekannt. Sie machte sich außerdem um die Übertragung deutschsprachiger Autoren wie Paul Celan und Max Frisch ins Dänische verdient.

Christensen gehörte zu den bedeutendsten europäischen Dichtern im 20. Jahrhundert. Ihr schriftstellerisches Debüt gab sie 1962 mit dem Gedichtband »Lys« (Ü: Licht), dem ein Jahr später »Græs« (Ü: Gras) folgte. Die ebene, gleichförmige Landschaft ihrer Heimat, deren Pflanzen und Tiere, der Strand, das Meer, die schneereichen Winter bestimmten die Topographie vieler ihrer Gedichte. Die Thesen über die angeborene Sprachfähigkeit des Menschen, mit welchen der amerikanische Sprachwissenschaftler Noam Chomsky in den sechziger Jahren an die Öffentlichkeit trat, gaben Christensen einen weiteren entscheidenden Impuls für ihre poetische Arbeit. Internationale Aufmerksamkeit erfuhr sie mit den beiden Großgedichten »Det« (zweisprachige dt. Ausgabe: »Det / Das«, 2002) von 1969 und »Alfabet« (zweisprachige dt. Ausgabe: »Alfabet / Alphabet«, 1988) von 1981, denen sie mathematische Ordnungsmodelle zugrundelegte. In den Bereich dieser sogenannten Systemdichtung fällt auch ihr Lyrikband »Brev i april« (1990; dt. »Brief im April«, 1990).

In ihren Gedichten wie auch in ihren Essays zur Poetik befragte Christensen das Verhältnis von Ich und Welt. Sie begriff ihre Gedichte als Lektüren des Universums, sprachliche Annäherungen an eine ideale Harmonie von Ich, Sprache und Kosmos. Beeinflusst war sie dabei auch von der romantischen Vorstellung einer Verschmelzung von Wort und Phänomen. Das dialektische Verhältnis von Unlesbarkeit und Lesbarkeit, Ich und Welt, Sprache und Individuum wird in ihrem Werk nicht aufgelöst zugunsten einer positiven Festschreibung, eines Sich-außerhalb-der-Welt-Stellens, sondern aufrechterhalten als produktiver »Fieberzustand« eines »Eingeborenen, der seine Welt nie von außen sehen kann«: »Und mein Gedicht wird dasselbe Verhältnis zum Weltall haben wie das Auge, das seine eigene Netzhaut nicht sehen kann.« Dabei sind die Übergänge zwischen der Dichterin und der Essayistin Christensen fließend: So wie lyrische Figuren und Motive ihren Essays eine eigene Dichte geben, kehren Gedankenfiguren und Ideenkonfigurationen in den Gedichten wieder, nicht als Fremdkörper, sondern als organischer Bestandteil.

Nach dem Essayband »Hemmelighedstilstanden« (2000; dt. in der Ausgabe »Der Geheimniszustand und das ›Gedicht vom Tod‹«, 1999) wurde zuletzt Christensens Hörspiel »Masser af sne til de traengende får« (1971; dt. »Massenhaft Schnee für die darbenden Schafe«, 2002) ins Deutsche übersetzt. Für ihr Werk wurde sie unter anderem mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur und mit dem Nordischen Preis der Schwedischen Akademie ausgezeichnet. Sie starb am 2. Januar 2009 in Kopenhagen.

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