10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Rolf Hochhuth  [ Deutschland ]

Biographie

Portrait Hochhuth
© Ursula Euler

Gast des ilb 2004, 2016.

Bibliographie

Der Stellvertreter

[Theaterstück]

Rowohlt

Reinbek bei Hamburg, 1963

Panik im Mai

Sämtliche Gedichte und Erzählungen

Rowohlt

Reinbek bei Hamburg, 1991

McKinsey kommt/Molières Tartuffe

Zwei Theaterstücke

Dtv

München, 2003

Was vorhaben muß man

Aphorismen

Rowohlt

Reinbek bei Hamburg, 2012

Das Grundbuch

365 Sieben- bis Zwölfzeiler

Rowohlt

Reinbek bei Hamburg, 2016

Rolf Hochhuth wurde 1931 im hessischen Eschwege geboren. Neben einer Lehre und Arbeit in Buchhandlungen besuchte er als Gasthörer Vorlesungen in Geschichte, Philosophie und Literatur an den Universitäten Heidelberg und München. Ab 1955 ergab sich für Hochhuth die Gelegenheit, nachmittags als Lektor für den Bertelsmann-Lesering zu arbeiten und sich vormittags dem eigenen Schreiben zu widmen, meist von Erzählungen, die allerdings ungedruckt blieben. Einen Sonderurlaub, der als Gratifikation für den Verkaufserfolg einer von ihm editierten Wilhelm-Busch-Ausgabe gewährt wurde, nutzte Hochhuth, um in Rom für sein erstes Drama »Der Stellvertreter« zu recherchieren, das 1963 uraufgeführt und publiziert wurde.

Die Verbindung von dokumentarischem Material sowie historischen Personen mit fiktionalen Figuren und Ereignissen wurde in der Folge charakteristisch für sein Werk und beeinflusste maßgeblich die Bewegung des Dokumentartheaters der sechziger Jahre. Der Frage nachgehend, inwieweit Papst Pius~XII. Mitschuld am Holocaust trug, da er die Deportation der Juden in die Vernichtungslager nicht öffentlich angeprangert hatte, sorgte der Bühnentext »Der Stellvertreter« sowohl in Deutschland als auch international für Aufsehen und Proteste, brachte dem Autor 1963 aber auch den Berliner Literaturpreis der jungen Generation ein. Als freier Schriftsteller setzt sich Hochhuth seither mit jeweils aktuellen politischen und sozialen Fragen auseinander, hält moralisch-mahnend aber auch die deutsche Vergangenheit literarisch in Erinnerung, wie etwa 1979 in dem Drama »Juristen« über die Rolle ehemaliger NS-Richter in der Bundesrepublik. Ein aktuelleres Beispiel dafür, wie er Zeitgeschichte in seinen Dramen mit einem sicheren Gespür für brisante Stoffe, die heftige Debatten auslösen, thematisiert, ist das Schauspiel »McKinsey kommt« (2003), das von Massenentlassungen nur zum Zweck der Gewinnsteigerung handelt. Zum einhundertjährigen Gedenken wurde 2014 sein im Jahr 1990 im Burgtheater Wien uraufgeführtes Drama über den Ersten Weltkrieg, »Sommer 14~– Ein Totentanz«, im Berliner Ensemble erneut inszeniert. Nachdem Hochhuth 1991 mit »Panik im Mai« bereits eine erste Sammlung von Gedichten und Erzählungen vorgelegt hatte, präsentiert »Das Grundbuch« (2016) als jüngste Veröffentlichung »365 Sieben- bis Zwölfzeiler«, die der Schriftsteller selbst eher als »auf den Punkt gebrachte Lebenserkenntnisse denn als Gedichte« bezeichnet, wenn er beispielsweise »Du sollst nicht schweigen!« als elftes Gebot anführt.

Für sein literarisches Schaffen wurde Hochhuth mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter der Lessing-Preis der Stadt Hamburg (1980), der Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis (1991), der Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache (2001) sowie der Cicero-Rednerpreis (2002). Der Autor, der von 1963 bis 2007 in oder nahe der Stadt Basel in der Schweiz wohnte, lebt heute in Berlin.

[http://www.rolf-hochhuth.de/]

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