10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2004 / Rafael Chirbes

Rafael Chirbes  [ Spanien ]

Biographie

Rafael Chirbes Portrait
©Schröder

Gast des ilb 2004.

Bibliographie

Der Schuss des Jägers
Kunstmann
München, 1996
Übersetzung: Elke Wehr

Der lange Marsch
Kunstmann
München, 1998
Übersetzung: Dagmar Ploetz

Mimoun
Wagenbach
Berlin, 1998
Übersetzung: Elke Wehr

Die schöne Schrift
Kunstmann
München, 1999
Übersetzung: Dagmar Ploetz

Der Fall von Madrid
Kunstmann
München, 2000
Übersetzung: Dagmar Ploetz

Am Mittelmeer
Kunstmann
München 2001
Übersetzung: Thomas Brovot, Stefanie Gerhold, Christian Hansen, Dagmar Ploetz

Alte Freunde
Kunstmann
München, 2004
Übersetzung: Dagmar Ploetz

Übersetzer: Thomas Brovot, Stefanie Gerhold, Christian Hansen, Dagmar Ploetz, Elke Wehr

Rafael Chirbes wurde 1949 in Tabernes de Valldigna nahe Valencia, Spanien, geboren. Früh zog es ihn von dort in größere Städte, darunter Salamanca, Madrid und Barcelona. Nach dem Studium der Neueren Geschichte in Madrid schrieb er für diverse Magazine Literatur- und Filmkritiken sowie Reportagen. Er lebte in Paris und mehrere Jahre in Marokko, wo er Spanisch unterrichtete. Nach seiner Rückkehr entstand 1988 „Mimoun”, die eindringliche Charakterstudie eines Schriftstellers, der sich in ein marokkanisches Dorf zurückzieht, um dort einen Roman zu vollenden. Er scheitert – an der fremden Kultur, vor allem aber an den Untiefen der eigenen Persönlichkeit. Die prägnante Schilderung der Abwärtsspirale, deren Sog der Protagonist zu erliegen droht, findet ihre Entsprechung in Naturbeschreibungen, die in einer überaus klaren, bildhaften Sprache gehalten sind. Die treffende Schärfe der Beobachtung ist ebenso charakteristisch für Chirbes wie sein Einfühlungsvermögen in zahlreiche Charaktere unterschiedlichster sozialer und regionaler Herkunft. Mit den darauf folgenden Romanen, die sich intensiv mit der Zeit während des Franco-Regimes und deren Nachwirkungen auseinandersetzen, erwarb Chirbes – zu dessen Vorbildern Max Aub und Juan Marsé zählen – den Ruf eines herausragenden literarischen Chronisten Spaniens.

In „Los disparos del cazador” (1994; dt. „Der Schuss des Jägers”, 1996) lässt Chirbes einen alten Mann, der während der Diktatur Karriere machte zurückblicken, und in „La buena letra” (1992; dt. „Die schöne Schrift”, 1999) ist es eine Frau, deren Schicksal durch den Opportunismus einiger Familienmitglieder geprägt wurde. Die inneren Monologe der Figuren thematisieren nicht nur ihre persönlichen Hoffnungen und Enttäuschungen, sondern spiegeln den Verlauf der Geschichte Spaniens. Die Handlung entfaltet sich ausschließlich anhand dieser gebrochenen Erinnerungen. Auch „La larga marcha” (1996; dt. „Der lange Marsch”, 1998) und „La caída de Madrid” (2000; dt. „Der Fall von Madrid”, 2000) folgen diesem narrativen Prinzip. Sie sind jedoch komplexer angelegt. Hier setzen sich die unterschiedlichen Blickwinkel vieler einzelner Porträts zu einem großen Bild zusammen. „Was ich heute über die Franco-Zeit schreibe, steht natürlich in einer zeitlichen Distanz zu dem Beschriebenen. Die Perspektive ist anders. Es geht auch nicht um Geschichtsschreibung, sondern um Erinnerungen, die eigene Erinnerung beim Schreiben.” Sein jüngstes Werk, „Los viejos amigos” (2003; dt. „Alte Freunde“, 2004), reflektiert das Ende der Bürgerkriegsgeneration und ihrer Ideale. Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller schreibt Rafael Chirbes Reisereportagen für ein Gourmetmagazin. Er lebt in einem Dorf zwischen Valencia und Alicante.

© internationales literaturfestival berlin