10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Peter Cole  [ USA, Israel ]

Biographie

Peter Cole Portrait
© Adina Hohhman

Gast des ilb 2004.

Bibliographie

Rift
Station Hill
New York, 1989

Hymns and Qualms
Sheep Meadow
New York, 1998

What is doubled
Shearsman Books
Exeter, 2005

Übersetzer: Rainer G. Schmidt

Peter Cole wurde 1957 in Paterson/New Jersey, USA, geboren. 1981 ging er nach Jerusalem, wo er ein Hebräisch-Studium aufnahm. Seitdem pendelt er zwischen Israel und den USA und setzt sich intensiv mit der hebräischen Literatur auseinander. Ein besonderes Interesse entwickelte er für die hebräische Dichtung des Mittelalters. 1988 begann er mit der Arbeit an einem ambitionierten Projekt: Er wagte sich an die Übersetzung der bis dahin als ‘unübersetzbar’ geltenden Lyrik von Shmuel HaNagid, der im Spanien des 11. Jahrhunderts jüdischer Premierminister des muslimischen Regimes von Granada und ein bedeutender Dichter war. „Selected Poems of Shmuel HaNagid” (1996) erhielt den Scaglione Prize for Translation der Modern Language Association. Für „Selected Poems of Solomon Ibn Gabirol” (2001), einer ebenso anspruchsvollen Übersetzung der Gedichte des Philosophen, Poeten und Mystikers Solomon Ibn Gabirol, eines jüngeren Zeitgenossen HaNagids, der in seiner Dichtung arabische Form und Ästhetik mit hebräischer Weltanschauung verband, erhielt er den TLS Übersetzerpreis. Cole ergänzte die Ausgabe mit einer ausführlichen Einleitung in Gabirols Werk und Anmerkungen zum Text. Cole arbeitet derzeit an einer umfassenden Anthologie hebräischer Poesie des Mittelalters mit dem Titel „“The Dream of the Poem: Hebrew Poetry from Muslim and Christian Spain, 950-1492”. Zu den Autoren, die er aus dem modernen Hebräisch und Arabisch ins Englische übersetzt hat, zählen Avraham Ben Yitzhak, Harold Schimmel und Yoel Hoffmann sowie die Lyriker Aharon Shabtai und Taha Muhammad Ali.

In seinem ersten eigenen Gedichtband „Rift” (1986, Ü: Riss), für dessen Titelgedicht er mit dem General Electric Foundation Award for Younger Poets ausgezeichnet wurde, ist Coles Faszination für lyrische Strukturen und Techniken des Mittelalters bereits spürbar. Von der Kritik gelobt wurde vor allem die Art, wie er lyrische Elemente mit umgangssprachlichen Realismen verbindet, wie das Visionäre auf die direkte, unmittelbare Wahrnehmung trifft und dadurch den langen Versen eine besondere sinnliche Kraft verleiht. Rund zehn Jahre später zeigt sich Coles Poesie fest verankert in mittelalterlichen hebräischen und arabischen Traditionen – ohne dass er dabei die Gegenwart aus den Augen verlieren würde. In „Hymns & Qualms” (1998, Ü: Hymnen & Zweifel) verwebt er Zitate solcher disparaten Quellen wie den Verlautbarungen von Pentagonsprechern, Theodor W. Adorno, den Zeugenberichten des Massakers von 1994 in Hebron, einem höfischen Poeten des 9. Jahrhunderts aus Baghdad zu äußerst musikalisch anmutenden Anrufungen und markanten Kontrapunkten.
Gleichzeitig aber offenbart sich hier eine entschlossene politische, den Fanatismus ablehnende Haltung. Peter Cole lebt in Jerusalem, wo er zusammen mit seiner Frau den Verlag Ibis Editions leitet, der die Literatur des Levant publiziert.

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