10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2004 / Melvin Burgess

Melvin Burgess  [ Großbritannien ]

Biographie

Portrait Melvin Burgess
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2004, 2003.

Bibliographie

Die letzten Wölfe
Rowohlt
Reibeck, 1993
[Ü: Stefan Schreiber]

Feuertraum
Dressler
Hamburg, 1997
[Ü: Ulli und Herbert Günther]

Tiger Tiger
Loewe
Bindlach, 1998
[Ü: Günter Panske]

Junk
Fischer
Frankfurt/Main, 1999
[Ü: Heike Brandt]

Schlachten
Carlsen
Hamburg , 2000
[Ü: Heike Brandt]

Billy Elliot
Ravensburger
Ravensburg, 2001
[Ü: Heike Brandt]

Das Geheimnis der Stadt
Carlsen
Hamburg, 2003
[Ü: Heike Brandt]

Hundsfrau
Carlsen
Hamburg, 2003
[Ü: Heike Brandt]

Doing it
Carlsen
Hamburg, 2004
[Ü: Andreas Steinhöfel]

Bloodsong
Andersen
London, 2005

Sarahs Gesicht
Carlsen
Hamburg, 2008
[Ü: Heike Brandt]

Übersetzer: Heike Brandt, Stefan Schreiber, Andreas Steinhöfel

Melvin Burgess wurde 1954 in London, Großbritannien, geboren und ist einer der profiliertesten und meistdiskutierten britischen Jugendbuchautoren. Aufgewachsen in Sussex und Surrey, zog er nach seinem Schulabschluss nach Bristol, später nach London, und widmete sich fünfzehn Jahre lang auf experimentelle Weise dem Schreiben. Er absolvierte eine Journalistenausbildung und nahm Gelegenheitsjobs an, bevor 1990 mit »The Cry of the Wolf« (dt. »Die letzten Wölfe«, 1993) sein erstes Jugendbuch publiziert und sogleich für die Carnegie Medal (1991) nominiert wurde.

Melvin Burgess schreibt herausfordernde Romane für junge Menschen. Ehrlich, schonungslos und humorvoll greift er heikle Themen auf. Seine Literatur bietet keine einfachen Antworten und lässt seine Leser aufgewühlt zurück. In seinem Erzählstil bleibt Burgess den Heranwachsenden nahe, über die und für die er schreibt. Seine fesselnden und temporeichen Romane sind Unterhaltung und Warnung zugleich, so auch sein »sozialrealistischer« Jugendroman »Junk« (1996), mit dem Burgess 1999 als Brit-Pop-Autor in Deutschland bekannt wurde. Bereits 1997 wurde die bemerkenswerte Geschichte um drogenabhängige und heimatlose Jugendliche in Bristol mit dem Guardian Children’s Fiction Award und der Carnegie Medal ausgezeichnet. Offen und sensibel fängt Burgess das Lebensgefühl von Gemma und Tar ein, die von Zuhause abhauen, zu Junkies werden und die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren drohen.

Vielfach ausgezeichnet und von seinen jugendlichen Lesern begeistert gelesen, begegnen Kritik und erwachsene Leser Burgess’ Offenheit nicht selten skeptisch. Er selbst weist darauf hin, dass es nicht genügend Literatur für ältere Jugendliche gebe, in der ihre Fragen aufgegriffen werden – Fragen, die für sie wichtig und aufregend sind. In seinem 2001 erschienenen Jugendroman »Lady. My Life as a Bitch« (dt. »Hundsfrau«, 2003) erzählt er von der phantastischen Doppelidentität einer Siebzehnjährigen, die in einen Hund verwandelt wird und ihre neu gewonnene Freiheit auszuleben beginnt, aber auch ihre Lebenssituation als Mensch selbstkritisch reflektiert. Die offensive Darstellung von Sexualität hat für Diskussionen gesorgt. Burgess sieht seinen Roman als »ein humorvolles Gleichnis über die Sexualität und das Leben – und all die wichtigen und schwierigen Aspekte des Lebens, über die sich viele Erwachsene mit ihren heranwachsenden Kindern nicht austauschen wollen«.

Zuletzt erschien Burgess’ Jugendroman »Doing it« (2003; dt. »Doing it«, 2004) erzählt die ganz unromantische Sturm- und Drangphase dreier Jugendlicher und ihrer Freundinnen. über sechs Jugendliche und ihre sehr unterschiedlichen sexuellen Erfahrungen. Für Dino, Jonathan und Ben ist Sex das einzige Thema in ihrem Leben. In den anstößigen Gesprächen, die Burgess in provozierender Direktheit wiedergibt, gewinnt der Leser intimste Einblicke in die von ihren Ängsten geplagten und von ihren Gefühlen überwältigten Jugendlichen, die im weiteren Verlauf dieser Erzählung erwachsener geworden sind. Auch dieser Roman regt an, das Genre »Jugendbuch« neu zu denken. Mit »Bloodsong« (2005; Ü: Blut-Song) liegt der Fortsetzungsroman des Jugendbuches »Bloodtide« (1999; dt. »Schlachten«, 2000) vor. Der erste Band schildert den erbitterten Kampf der verfeindeten Clans, der Volons und der Conors, um die Herrschaft in einem postapokalyptischen London. Im Mittelpunkt stehen Sigurd und Signy, die auf tragische Weise in diese Rivalitäten verwickelt sind. Um den Frieden wiederherzustellen, wird Signy Volon an Conor verheiratet. Als dieser ihre gesamte Familie bis auf ihren Bruder Sigurd, der heimlich überleben kann, auslöscht, sinnt sie auf Rache. Im Folgeband erfährt der Leser vom weiteren Schicksal Sigurds. Handlungsschauplatz ist eine futuristische Mondlandschaft. Als Sigurd nach dem erbitterten Kampf gegen einen Drachen in die Unterwelt hinabsteigen muss, findet er dort seine Liebe. Doch ihre Rettung soll Kummer über alle bringen. In seinem aktuellsten Roman »Sara’s Face« (2006; dt: »Sarhas Gesicht«, 2008) wendet sich Burgess dem umstrittenen Thema der Schönheitschirurgie zu. Die 17-jährige Sara wünscht sich nichts sehnlichster, als berühmt zu werden. Als der skrupellose Popstar Jonathan Heat ihr in eigennütziger Absicht anbietet, eine Gesichtsoperation zu bezahlen, will sie diese scheinbare Chance trotz aller Vorbehalte ergreifen.

Mit »The Ghost behind the Wall« (2000; dt. »Das Geheimnis im Schacht«, 2003) und »Billy Elliot« (2001; dt. »Billy Elliot. I will dance«, 2001) legte Melvin Burgess zudem Bücher für jüngere Leser vor – ebenso warmherzig und plastisch erzählt wie seine Romane für junge Erwachsene. Der Autor lebt in Manchester.

© internationales literaturfestival berlin

[http://web.onetel.net.uk/%7Emelvinburgess/]