10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2004 / † Lars Gustafsson

† Lars Gustafsson  [ Schweden ]

Biographie

Portrait Lars Gustafsson
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2001, 2002, 2003, 2004, 2013.

Bibliographie

Vägvila. Ett mysteriespel på prosa

Siesta

Uppsala, 1957

Risse in der Mauer

Fünf Romane

Hanser

München, 2006

[Ü: Verena Reichel]

Die Sonntage des amerikanischen Mädchens

Hanser

München, 2008

[Ü: Verena Reichel]

Gegen Null

Eine mathematische Phantasie

Secession

Zürich, 2011

[Ü: Barbara M. Karlson]

Das Lächeln der Mittsommernacht

Bilder aus Schweden

Hanser

München, 2013

[Ü: Verena Reichel]

Lars Gustafsson wurde 1936 in Västerås, Mittelschweden, geboren. Sein Studium der Philosophie an der Universität Uppsala und dem Magdalen College in Oxford schloss er 1978 mit einer Dissertation über drei »sprachphilosophische Extremisten« (darunter Friedrich Nietzsche) ab. Ab 1960 war er Redakteur, von 1965 bis 1972 Chefredakteur der schwedischen Literaturzeitschrift »Bonniers Litterära Magasin«. Danach unternahm er ausgiebige Reisen. Er war Gastforscher am Wissenschaftskolleg in Berlin sowie am Zentrum für interdisziplinäre Forschung Bielefeld. 1972/73 führte ihn ein Stipendium des DAAD nach Berlin. Gustafsson hatte sich bereits international als Schriftsteller und Wissenschaftler einen Namen gemacht, als er 1982 beschloss, in die USA überzusiedeln. Er konvertierte zum Judentum und unterrichtete in Austin, Texas, als Professor für Kreatives Schreiben und Philosophie. 2006 kehrte er nach Schweden zurück.

Bereits mit 21 Jahren veröffentlichte Gustafsson mit »Vägvila. Ett mysteriespel på prosa« (1957; Ü: Wegesrast. Ein Mysterienspiel in Prosa) seinen ersten Roman. In Deutschland wurde er mit dem Gedichtband »Die Maschinen« (1967) bekannt. Sein Werk ist geprägt von der starken Wechselbeziehung zwischen den Themen, die den Philosophen und Literaturwissenschaftler Gustafsson interessieren, und denen des Geschichtenerzählers bzw. Poeten. Die Suche nach Identität, das moralische Bewusstsein, persönliche Erfahrung und Selbstreflexion sowie eine philosophisch untermauerte Sprachskepsis sind die Ausgangspunkte der Fragestellungen, die Gustafsson in seine Romane, Gedichte und Essays einbettet. Seit den Romanen, die später die Reihe »Die Risse in der Mauer« (2006) bildeten, zählt Gustafsson international zu den bekanntesten Schriftstellern Skandinaviens. Der Autor benutzt hier Motive aus Kriminalromanen, um die Zerbrechlichkeit einer Weltanschauung darzustellen, die auf Kategorien wie »Gut«, »Böse« oder der Vorstellung von persönlicher Integrität basiert. Lars Gustafsson ist ein Meister der verschiedensten literarischen Genres: 2006 erschien die Verserzählung »Den amerikanska flickans söndagar« (dt. »Die Sonntage des amerikanischen Mädchens«, 2008), 2011 der Essay »Mot noll. Matematiska fantasier« (dt. »Gegen Null: Eine mathematische Phantasie«, 2011) über das komplexe Verhältnis von menschlicher Existenz und Logik. Gemeinsam mit seiner Frau Agneta Blomqvist verfasste er »Das Lächeln der Mittsommernacht« (2013), ein Reisebuch über Schweden und zugleich eine Liebeserklärung an ihre Heimat.

Für sein umfangreiches Werk erhielt Lars Gustafsson u.~a. den europäischen Essay-Preis Charles Veillon (1983), den Bellman-Preis der Schwedischen Akademie (1990), den schwedischen Pilot-Preis (1996) sowie die Goethe-Medaille (2009). Seit 2000 ist er Mitglied der Akademie der Schönen Künste in München. Er lebt heute in der Nähe von Stockholm.

[http://larsgustafssonblog.blogspot.de]

abgelegt unter: