10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Javier Cercas  [ Spanien ]

Biographie

Javier Cercas Portrait
© Carlos Iglesias

Gast des ilb 2004, 2011.

Bibliographie

El vientre de la ballena
Tusquets
Barcelona, 1997

Soldaten von Salamis
Berlin-Verlag
Berlin, 2002
[Ü: Willi Zurbrüggen]

Der Mieter
Wagenbach
Berlin, 2003
[Ü: Willi Zurbrüggen]

La velocidad de la luz
Tusquets
Barcelona, 2005

Anatomie eines Augenblicks
S. Fischer
Frankfurt/Main, 2011
[Ü: Peter Kultzen]

Javier Cercas wurde 1962 in Ibahernando/Cáceres, Spanien, geboren. In den achtziger Jahren war er zwei Jahre Dozent an der Universität Illinois, USA. Seit 1989 ist er Professor für Spanische Literatur an der Universität Gerona. Er veröffentlichte literaturwissenschaftliche Arbeiten, Übersetzungen und Essays und schreibt regelmäßig eine Kolumne für „El País”. 1987 kam sein erster Erzählungband „El móvil” (Ü: Der Grund) heraus, zwei Jahre später folgte der erste Roman „El Inquilino” (1989; „Der Mieter”, 2003), in dessen Mittelpunkt ein Literaturprofessor steht, der „ein schwieriges Verhältnis zur Wirklichkeit” hat. Mario Rota sieht sich – ausgelöst durch eine kleine Verletzung – im eitlen, von Konkurrenz geprägten Mikrokosmos einer amerikanischen Universität mit seinen Ängsten konfrontiert. Denn plötzlich taucht Mr. Berkowickz auf, der zunächst in die Nachbarwohnung einzieht, dann Rotas Vorlesungen übernimmt und ihm schließlich die Freundin ausspannt. Javier Cercas variiert auf ironische Art das klassische Doppelgängermotiv und spielt mit der Idee einer zweiten Realität. Ironie, das Paradoxon der ‚wirklichen Erzählung’ sowie selbstreferentielle Verweise auf das Schreiben und die Literatur an sich bestimmen auch seine weiteren Werke. Er veröffentlichte einen zweiten Roman, „El vientre de la ballena” (1998; Ü: Der Bauch des Wals), und den Erzählband „Relatos reales” (2000; Ü: Wirkliche Erzählungen), bevor 2001 sein Roman „Soldados de Salamina” (dt. „Soldaten von Salamis”, 2002) zu einem großen Erfolg wurde. Die selbstreflexive Geschichte über die Recherche einer historischen Begebenheit, die sich im Spanischen Bürgerkrieg zugetragen hat, erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Premio Salambó 2002. Ausgangspunkt ist eine Anekdote, laut welcher Rafael Sánchez Mazas, Mitbegründer und Chefideologe der faschistischen Falange, die Flucht vor einem regierungstreuen Erschießungskommando nur überlebte, weil ihn sein Verfolger laufen ließ. Der Erzähler, ein Journalist und erfolgloser Schriftsteller, begibt sich auf die Suche nach diesem unbekannten Soldaten. Er recherchiert, sichtet Dokumente, spricht mit Zeitzeugen, stösst auf Hindernisse und überraschende Erfolge – und ist darauf fixiert, über all das eine „Erzählung nach der Wirklichkeit” zu schreiben. Vermittels der narrativen Strategie, den Leser quasi an der Entstehung des Romans teilhaben zu lassen, reflektiert Cercas die Frage nach Wahrheit und Fälschung, Dokumentation und Fiktion. Er kommt zu dem Schluss: „Die literarische Wahrheit ist nicht die historische, auch nicht die journalistische Wahrheit: sie ist eine andere Art Wahrheit, universeller und wertvoller; sie ist eine moralische, poetische Wahrheit.” 2003 wurde der Roman von David Trueba verfilmt. Javier Cercas lebt in Gerona.

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