10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Aritha van Herk  [ Kanada ]

Biographie

Aritha van Herk Portrait
© privat

Gast des ilb 2004.

Bibliographie

Alle meine Schweine
Zsolnay
Wien, 1979

Mackenzies Koch
Zsolnay
Wien, 1983

Unter Männern
Rowohlt
Reinbek, 1987

Adresse unbekannt
Rowohlt
Reinbek, 1989

In Visible Ink
NeWest
Edmonton, 1991

A Frozen Tongue
Dangaroo
Sydney, 1992

Restlessness
Red Deer College Press
Red Deer, 1998

Mavericks – An Incorrigible History of Alberta
Penguin
Toronto, London, 2001
 
 
Übersetzer: Eva Grün, Stefanie Kovacic, Werner Richter, Alexander Schmitz

Aritha van Herk wurde 1954 in Wetaskiwin/Alberta, Kanada, geboren. Die Tochter niederländischer Immigranten wuchs auf einer Farm auf. Sie studierte Kanadische Literatur und Kreatives Schreiben in Edmonton. Ihr Debütroman „Judith“ (dt. „Alle meine Schweine“, 1979), erschien 1978 und wurde mit dem Seal First Novel Award ausgezeichnet. Judith ist eine junge Frau, die ihr Leben als Sekretärin und ihre ambivalente Beziehung zu einem älteren Mann in der Stadt hinter sich lässt, um allein auf einer abgelegenen Farm Schweine zu züchten. Aritha van Herk erzählt vom Streben nach Unabhängigkeit und der Suche nach einer komplexen weiblichen Identität, indem sie starke Frauenfiguren aus Mythen sowie aus der Bibel adaptiert: in diesem Fall sind es die alttestamentarische Judith, die den Kriegsherrn Holofernes enthauptete, und die griechische Zauberin Circe, die die Männer des Odysseus in Schweine verwandelte. Die feministische Erzählperspektive interessierte und provozierte die Literaturkritik gleichermaßen. Auch in ihren weiteren Romanen fordert Aritha van Herk Geschlechterstereotype heraus. J. L., die Protagonistin ihres zweiten Romans „The Tent Peg“ (1981; dt. „Mackenzies Koch“, 1983), muss sich als Köchin bei den Männern eines Geologenteams, das im Norden Kanadas ein Forschungsprojekt durchführt, ihren Respekt erkämpfen. Die Erzählung beginnt realistisch, verlagert sich im Verlauf jedoch mehr und mehr ins Mythisch-Phantastische, untermalt von der Landschaft und wechselnden Erzählperspektiven. Parallel dazu lösen sich in der ursprünglichen Natur Kanadas die gesellschaftlich festgelegten Rollenklischees des Männlichen und des Weiblichen metaphorisch auf. Die Autorin lässt aber auch weibliche Rollenbilder in ihrer Ambivalenz aufeinandertreffen: J. L. erfüllt als Köchin die mütterlich-versorgende Rolle, aber ihr Name sowie der Originaltitel des Buches verweisen auf die biblische Heldin Jael, die ihren Widersacher tötete, indem sie ihm einen Pflock in die Schläfe schlug. Ihr dritter Roman, „No Fixed Address“ (1986; dt. “Adresse unbekannt”, 1989), folgt einem weiblichen Schelm auf einsamen Wegen durch die Prärie, in der sie Ärger und Abenteuer sucht. Seit 1983 unterrichtet Aritha van Herk Kreatives Schreiben und Literaturwissenschaft an der Universität Calgary. Sie publizierte eine Reihe von Literaturkritiken sowie literaturwissenschaftliche Aufsätze und Bücher, darunter „Places Far from Ellesmere“ (1990), „In Visible Ink. Crypto-frictions“ (1991) und „A Frozen Tongue“ (1992) und „Mavericks: An Incorrigible History of Alberta“ (2001). In diesen experimentellen und subversiven Essays verbindet sie die Geschichte Kanadas mit fiktiven, biographischen und literaturtheoretischen Elementen. „Restlessness“ (1998), ihr bisher letzter Roman, erforscht die Melancholie des Reisens und die Versuchungen des Heimwehs. Aritha van Herk lebt in Calgary.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.arithavanherk.de]