10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Witi Ihimaera  [ Neuseeland ]

Biographie

Witi Ihimaera Portrait
© Penguin-Books

Gast des ilb 2003, 2012.

Bibliographie

Introducing Witi Ihimaera
[Von Richard Corballis]
Longman Paul
Auckland, 1984

Witi Ihimaera: A Changing Vision
[Von Umelo Ojinmah]
University of Otago Press
Dunedin, 1986

Whalerider
Die magische Geschichte vom Mädchen, das den Wal ritt
Rowohlt
Reinbek, 2003
[Ü: Sabine Schulte]

The Ship of Dreams
Masculinity in Contemporary New Zealand Fiction
University of Otago Press
Dunedin, 2008

From Silence to Voice
The Rise of Maori Literature
[Von Paola Della Valle]
Oratia Media
Auckland, 2010

Witi Ihimaera wurde 1944 in Gisborne, Neuseeland, geboren und wuchs auf in Poverty Bay. Er studierte Englisch an den Universitäten von Auckland und Wellington und war der erste Maori, der als Romancier auf den Plan trat.

Sein erstes Buch »Tangi« erschien 1973. Ihimaeras Werke werden für ihre lyrische Darstellung tribaler und ländlicher Erfahrungen der Maori in Neuseeland gelobt. In ihnen bettet er Leben, Sprache, Tradition und Mythen der Maori in überwiegend von Pakeha (den Siedlern) geprägte narrative Strukturen ein. Dies zeigt sich besonders in »The Matriarch« (1986) und »The Whale Rider« (1987; dt. »Whalerider. Die magische Geschichte vom Mädchen, das den Wal ritt«, 2003), das 2007 verfilmt wurde. Ab 1990 erweiterte Ihimaera seine Arbeiten um eine stärker nationale und internationale Dimension. Seine Texte waren fortan weniger poetisch, dafür polemischer. Er wurde zu einem hoch angesehenen Vertreter der indigenen Erzählweise, sein Werk gilt als Ausdruck indigener Fragen und Aspekte auf globaler Ebene. Zu seinem heutigen Themenspektrum zählen Identitäts- und Genderpolitik wie beispielsweise in seinem Roman »Nights in the Gardens of Spain« (1995; Ü: Nächte in spanischen Gärten), der 2011 unter dem Titel »Kawa« verfilmt wurde. Sein Roman »The Dream Swimmer« (1997; Ü: Der Traumschwimmer) behandelt die Folgen kultureller und wirtschaftlicher Armut. Rassismus ist sein Thema im 2000 entstandenen Theaterstück »Woman Far Walking« (Ü: Frau läuft weit). Viel beachtet wurde seine spezifische Auseinandersetzung mit Eurozentrismus und der westeuropäischen Erzähltradition, zuletzt in seinen epischen Romanen »The Trowenna Sea« (2009; Ü: Der Trowenna-See) und »The Parihaka Woman« (2011; Ü: Die Parihaka-Frau), die sich wiederum um das Verhältnis zwischen Maori und Kolonialisten drehen. Ein dritter Spielfilm basiert auf seiner Novelle »Medicine Woman« (2007; Ü: Medizinfrau). Er kommt 2013 in die Kinos. Ihimaera hat sich auch in die öffentliche Debatte über Maori und bikulturelle Entwicklungen eingemischt. Er war einer der ersten Maori-Diplomaten, die in den neuseeländischen Diplomatischen Dienst eintraten, und eine Zeit lang der einzige Maori-Professor für Englisch in Neuseeland. 1976 gründete er den Maori Arts Council und vertrat seitdem immer wieder die Interessen der Maori bei der Regierung und anderen für Bildung, Kultur, Kunst und Film zuständigen Stellen.

2009 erhielt Ihimaera den Star of Oceania Award der University of Hawaii und den Preis der New Zealand Arts Foundation, 2010 folgten die höchste Auszeichnung für einen Maori-Künstler, der Toi Maori Maui Tiketike Award, sowie der italienische Premio Ostana International für die Förderung indigener Literaturen. Witi Ihimaera lebt in Auckland, Neuseeland.

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