10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Mila Haugová  [ Slowakei ]

Biographie

Mila Haugová Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2003.

Bibliographie

Nostalgia
Slovenský Spisovatel
Bratislava, 1993

Alfa Centauri
Drewo a Srd
Banská Bystrica, 1997

Kahlfrieren
BONsai-typART
Berli, 1998
Übersetzung: Ursula Macht

Das innere Gesicht
Edition Thanhäuser
Ottensheim a. d. Donau, 1999
Übersetzung: Zdenka Becker

Sandatlas
Editon Korrespondenzen
Wien, 2001
Übersetzung: Angela Repka

Orfea alebo zimný priesmyk
Slovenský spisovateľ
Bratislava, 2003

Körperarchive
Edition Erata
Leipzig, 2006
Übersetzung: Slávka Porubská

Übersetzer: Zdenka Becker, Ursula Macht, Angela Repka

Die Lyrikerin und Übersetzerin Mila Haugová wurde 1942 in Budapest, Ungarn, geboren und ist in der Slowakei aufgewachsen. Als Tochter einer Ungarin und eines Slowaken wurde sie zweisprachig erzogen.

Der Vater, ein Diplomlandwirt, wurde als sogenannter „Klassenfeind“ inhaftiert, wodurch der Autorin das angestrebte Studium der slowakischen Sprache und Literatur und der Germanistik verwehrt war. Von 1959 bis 1964 studierte sie Landwirtschaft, danach arbeitete sie als Agronomin, später als Lehrerin. Sie gab den Schuldienst auf und begann 1986 ihre Arbeit in der Redaktion der Literaturzeitschrift „Romboid“, die sie bis 1996 fortsetzte. Anfang der siebziger Jahre begann Haugová eigene Gedichte zu schreiben, die sie 1980 unter dem Pseudonym Mila Srnková erstmals publizierte. Als ihr eigentliches Debüt sieht sie jedoch den Gedichtband „Premenlivý povrch“ (1983, Ü: Veränderliche Oberfläche).

Naturnähe und Intimität, besonders in der Beziehung der Geschlechter, prägten die Themen ihrer Lyrik von Anbeginn, wobei die zunehmende Radikalität ihrer poetischen Sprache bei der linientreuen Literaturkritik aneckte. Seit Anfang der achtziger Jahre kam eine neue Facette der literarischen Arbeit hinzu; so hat sich die Autorin als Übersetzerin zahlreicher Dichter, etwa von Ingeborg Bachmann, Sylvia Plath, Sarah Kirsch, Friederike Mayröcker, Else Lasker-Schüler, Paul Celan und Georg Trakl einen Namen gemacht. Der Durchbruch gelang Haugová mit dem Gedichtband „Èisté dni“ (1990, Ü: Reine Tage), in dem sich ein weibliches lyrisches Ich mit einer in der Slowakei bis dahin nicht gekannten Kompromisslosigkeit artikuliert. Neben Beiträgen für internationale Lyrikzeitschriften und Anthologien hat Haugová mher als zehn Gedichtbände publiziert, die ins Englische, Französische, Polnische, Russische und Deutsche übertragen wurden. In deutscher Sprache sind bisher drei Gedichtbände von ihr erschienen, zuletzt der zweisprachige Band „Atlas piesku/Sandatlas“ (2001). Jaroslav Šrank preist die „kathartische Offenheit“ Haugovás Lyrik, die „im Kartografieren von geheimnisvollen Gärten und Wüsten die prinzipiellsten und intimsten Fragen unserer Existenz“ auslotet. Die Sprache ist hier aus ihren syntagmatischen Zusammenhängen gelöst und durch intertextuelle Bezüge zur klassischen modernen Lyrik polyvalenten Sinnebenen geöffnet.

Mila Haugová lebt heute, gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, dem österreichischen Künstler BHX LOHMER, als freie Autorin in Bratislava und Zajacia Dolina Levice in der Slowakei.

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