10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2003 / Jorgi Jatromanolakis

Jorgi Jatromanolakis  [ Griechenland ]

Biographie

Jorgi Jatromanolakis Portrait
© S.B. Skopelitis

Gast des ilb 2003.

Bibliographie

Limonario
Kalvos
Athen, 1974

I arravoniastikia
Kedros
Athen, 1979

O sacherenios erastis
Stigmi
Athen, 1979

Der Schlaf der Rinder
Bruckner & Thunker
Köln, 1996
Übersetzung: Norbert Hauser

Bericht von einem vorbestimmten Mord
DuMont
Köln, 1998
Übersetzung: Norbert Hauser

Erotikon
DuMont
Köln, 2001
Übersetzung: Norbert Hauser

Elinas kleos
Agra
Athen, 2002

Übersetzer: Norbert Hauser

Jorgi Jatromanolakis wurde 1940 in Saros auf Kreta geboren. Er studierte Klassische Philologie in Athen, anschließend begann er ein Postgraduiertenstudium am King’s College in London, das er mit dem Doktortitel abschloss. Er arbeitete als Gymnasiallehrer. Seit 1975 unterrichtet er an der Universität Athen, wo er, nach einer Gastprofessur an der Harvard University 1979 bis 1980, heute als Professor für Klassische Philologie tätig ist.

Bereits in den siebziger Jahren erschienen von ihm zwei Prosatexte. 1982 wurde sein Roman „Istoría“ (dt. „Der Schlaf der Rinder“, 1996) veröffentlicht, für den der Autor den Griechischen Staatspreis und den Nikos-Kasantzakis-Preis erhielt. Seither erschienen die Romane „Anofelés diíjima“ (1993; dt. „Bericht von einem vorbestimmten Mord“, 1998) und „Erotikón“ (1995; dt. „Erotikon“, 2001). Seine Romane „Stin kiláda ton Athinón“ (2000; Ü: Im Tal von Athen) und „Elinas kleos“ (2002) wurden noch nicht ins Deutsche übersetzt. Daneben schreibt Jatromanolakis Gedichte sowie wissenschaftliche Texte zur Klassischen Philologie und zur neugriechischen Literatur.

Im „Bericht von einem vorbestimmten Mord“ werden während eines Seminars auf Kreta zwei Physiker von einem Doktoranden niedergeschossen, der daraufhin in die Berge flieht und Selbstmord begeht. Erst Monate später wird die Leiche von einem Hirten entdeckt. Formal ist der Text als wissenschaftlicher Bericht eines anonym bleibenden Erzählers gestaltet, der anhand von Zeitungen, Obduktionsberichten, Fotos und Ortsbegehungen die Morde zu rekonstruieren versucht. Im Geheimnisvollen und Unerklärlichen der Taten tritt jedoch immer wieder die mythische Kraft antiker Sagen hervor, die in den heiligen Bergen Kretas noch gegenwärtig zu sein scheinen.

Jatromanolakis Bücher verbindet ein großes Formbewusstsein, Vielschichtigkeit und eine moderne, gelegentlich schwer zugängliche Sprache, die aus der Beimischung von Stilelementen aus den Traditionen der griechischen Literatur Leben gewinnt. „Wenn schon der erste Satz eines Krimis die Identität des Täters preisgibt, muss der Autor anderes im Sinn haben als spannende Unterhaltung“, schrieb Ulrich M. Schmid. Statt des Handlungsablaufs bilden vielmehr der Blickwinkel des Erzählers und die Suche nach moralischen Kategorien der Bewertung den eigentlichen Kern. Dass viele von Jatromanolakis‘ Texten in Griechenland spielen, dient mehr als nur dem Kolorit. Die Figuren, die der Autor entwirft, sind untrennbar mit dem Ort verbunden, an dem sie leben; dessen Geschichte, Tradition und Mythen sind Teil ihrer Persönlichkeit geworden.

© internationales literaturfestival berlin