10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Etgar Keret  [ Israel ]

Biographie

Portrait Keret
© Ali Ghandtschi ilb 2012

Gast des ilb 2003, 2012, 2016.

Bibliographie

Pizzeria Kamikaze
Luchterhand
München, 2000
[Ü: Barbara Linner]

Der Busfahrer der Gott sein wollte
Luchterhand
München, 2001
[Ü: Barbara Linner]

Alles Gaza
Luchterhand
München, 2006
[Ü: Barbara Linner, Verena Kilchling]

Plötzlich klopft es an der Tür
S. Fischer
Frankfurt a. M., 2012
[Ü: Barbara Linner]

Eine mondlose Nacht

Fischer KJB

Frankfurt a. M., 2014

[Ü: Barbara Linner]

Die sieben guten Jahre: Mein Leben als Vater und Sohn

S. Fischer

Frankfurt a. M., 2016

[Ü: Daniel Kehlmann]

Etgar Keret wurde 1967 in Tel Aviv geboren und gehört heute zu den bekanntesten israelischen Schriftstellern und Drehbuchautoren seiner Generation. Er veröffentlichte mehrere Kurzgeschichtensammlungen sowie Kinderbücher und Graphic Novels und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Mit seinen Erzählungen zeigt Keret die verschiedensten Seiten der modernen israelischen Gesellschaft auf und die Themen, die das Land bewegen. Rassismus, Liebe, Militär, Sehnsüchte und Ängste – seine Sujets sind vielfältig. Obwohl die dargestellte Realität oft bedrohlich ist, erscheinen die Geschichten betont lässig und zeugen von einem trockenen und skurrilen Humor. In ihnen verbindet der Autor das Alltägliche mit Surrealem, Fantastisches und Absurdes ist oft Teil der Erzählungen. So verwandelt sich in »Mond im Sonderangebot« auch schon einmal die Freundin nachts in einen hässlichen Zwerg oder der Mond kann für nur zehn Dollar erworben werden. Den Problemen in seiner Heimat begegnet Keret mit schonungsloser Direktheit, Ironie und zugleich Optimismus. Humor sei ein »wunderbares Mittel, um Kritik zu üben«, erklärt der Autor selbst in einem Interview. »Ich möchte den Leuten mit meinen Geschichten eine Ohrfeige verpassen, damit sie aufwachen und ins Grübeln kommen. Ich will meinen Lesern keine Antworten geben; alles, was ich will, ist, dass sie anfangen, Fragen zu stellen.« Im Sommer 2012 erscheint auf Deutsch Kerets neuestes Werk »Plötzlich klopft es an der Tür«, in dem seine Figuren zwar älter geworden sind, sich aber nach wie vor den kleinen Tücken des Lebens stellen müssen. Gemeinsam mit dem Palästinenser Samir El-Youssef verfasste Keret »Alles Gaza« (2006), in dem beide Autoren die Politisierung ihrer Gesellschaften und die »Tyrannei der öffentlichen Meinung und der Politik« beklagen. Im Mittelpunkt der Geschichten stehen stets Antihelden, die so gar nicht der kollektiven Identität Israels oder Palästinas entsprechen. »Alles Gaza« ist als indirektes Statement zum Krieg zwischen ihren beiden Ländern zu verstehen, als Antrieb für diejenigen, die nach wie vor an eine Versöhnung glauben. Mit ihren mal lustigen und fantasievollen, mal traurigen und verzweifelten Erzählungen über das ganz normale Leben der jüngeren Generation wollten Keret und El-Youssef ein Zeichen für den Frieden setzen.

Als letztes erschien von Keret der Roman »The seven good years« (2016, dt. Die sieben guten Jahre: Mein Leben als Vater und Sohn), sein bisher persönlichstes Buch, in dem er über seine Rolle als Vater und als Sohn vor dem Hintergrund des manchmal absurd erscheinenden Alltags in Israel berichtet.

Zahlreiche Geschichten Etgar Kerets wurden bereits verfilmt. Er schreibt auch selbst Drehbücher für Kurzfilme sowie für das israelische Fernsehen und führte Regie gemeinsam mit seiner Frau, der Lyrikerin und Kinderbuchautorin Shira Geffen. Ihr Film »Jellyfish« gewann 2007 auf dem Filmfestival in Cannes die Camera d’Or als bestes Debüt. Zu Kerets Werken zählen außerdem politische Satiren, in denen er u.~a. die heutigen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel thematisiert, wobei er die israelische Position durchaus kritisch betrachtet. Der Autor lebt in Tel Aviv, wo er an der Universität unterrichtet.

[http://www.etgarkeret.com]

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