10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Dimosthenis Kourtovik  [ Griechenland ]

Biographie

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© Vibeke Espholm

Gast des ilb 2003, 2012.

Bibliographie

Tris chiliades chiliometra
Kalvos
Athen 1980

Der griechische Herbst der Eva-Anita Bengtson
Diogenes
Wannweil, 1989
[Ü: Gaby Wurster]

Griechische Schriftsteller der Gegenwart
Romiosini
Köln, 2000
[Ü: Doris Wille]

Die Mumie des Ibykus
Reclam
Leipzig, 2002
[Ü: Gaby Wurster]

Lachanoryzo tou Stavrou
Hestia
Athen, 2012

Dimosthenis Kourtovik wurde 1948 in Athen geboren. Er studierte Biologie in seiner Heimatstadt und in Deutschland, wo er auch als Regisseur, Stückeschreiber und Schauspieler an der Griechischen Theaterbühne Stuttgart tätig war. 1986 promovierte er an der Universität Wrocław, Polen, mit einer Dissertation über die Entstehung der menschlichen Sexualität. In den neunziger Jahren unterrichtete er an der Universität Kreta Sexualkunde und Verhaltenslehre.

Kourtovik hat sich als Feuilletonist, insbesondere als Literaturkritiker, einen Namen gemacht. Er schreibt für die wichtigsten Zeitungen seines Landes, u. a. für die Athener Zeitung »Ta Nea« sowie für einige Zeitungen im Ausland. Überdies hat er über sechzig Romane und Essays zu Philosophie, Geschichte, Ästhetik aus acht Sprachen ins Griechische übertragen. Mit seiner Übersetzung von Peter Høegs Bestseller »Fräulein Smillas Gespür für Schnee« trug er zur Anerkennung des Krimi-Genres in Griechenland bei. Seit 1979 hat er Erzählungen, Romane, Essays, Aphorismen sowie das Lexikon »Hellēnes metapolemikoi syngrapheis« (1995; dt. »Griechische Schriftsteller der Gegenwart«, 2000) veröffentlicht. Es ist das erste in deutscher Sprache vorliegende Handbuch der modernen griechischen Literatur ab 1945, das ausführlich auf Leben und Werk griechischer Autoren eingeht. Kourtoviks Werk ist geprägt von einer Entmythisierung der kulturellen Tradition und der heutigen Wirklichkeit Griechenlands. Sein Debüt »Tris chiliades chiliometra« (1980; Ü: Dreitausend Kilometer), ein Band, dessen Erzählungen von den griechischen Auswanderern in Deutschland fernab aller Klischees des Gastarbeiters berichtet, und auch die folgenden Romane »O teleutaios seismos« (1985; Ü: Das letzte Erdbeben) sowie »To elliniko fthinoporo tis Eva-Anita Bengston« (1987; dt. »Der griechische Herbst der Eva-Anita Bengston«, 1989), eine Krimiparodie, zeugen davon. Kourtoviks Roman »I nostalgia ton drakon« (2000; dt. »Die Nostalgie der Drachen«, 2001/»Die Mumie des Ibykus«, 2002) erzählt von Professor Drakas, Leiter des Athener Museums für Frühgeschichte, der aufgrund seiner Nähe zu den Kommunisten von der griechischen Junta gefoltert wurde. Nun muss er mit der Tochter seines einstigen Folterers durch Europa reisen, um eine Mumie wiederzufinden, die aus seinem Museum gestohlen wurde. Die Suche nach der Mumie »Ibykus« wird zu einer Odyssee durch die europäische Geschichte, aber auch zu einem Streifzug durch literarische Genres, vom Briefroman über die Gothic Novel bis hin zum Thriller. In seinem jüngsten Roman »Ti Zitoun oi Barbaroi« (Ü: Wonach die Barbaren suchen) bietet sich bei einer literarischen Wettbewerb die Chance für den Griechen Chryssikos Argyris, den Serben Zlatan Zouric, the Bulgaren Cyrill Stoyanov und andere literarische Repräsentanten der Balkanstaaten, sich in der (fiktiven) Stadt Tyrimmeia in der griechischen Provinz Makedonien zu treffen. Die drei besten Texte, der griechische, der bulgarische und der serbische, widmen sich demselben Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln: dem blutigen Angriff auf ein Dorf an der Grenze dieser drei Staaten 1913 während einer Hochzeit in der Zeit des zweiten Balkankriegs. Und es wird deutlich, wie dünn das Eis der internationalen Beziehungen und wie tief verwurzelt noch immer althergebrachte Feindbilder sind.

Heute lebt Dimosthenis Kourtovik in Athen.

© internationales literaturfestival berlin