10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Anita Desai  [ Indien ]

Biographie

Anita Desai Portrait
© Bernd O. Schmidt

Gast des ilb 2003.

Bibliographie

Voices in the City
Owen
London, 1965

Berg im Feuer
List
München, 1986
Übersetzung: Helga Pfetsch

Das Dorf am Meer: Eine Familiengeschichte aus Indien
Dressler
Hamburg, 1987
Übersetzung: Dorothee Asendorf

Baumgartners Bombay
Goldmann
München, 1993
Übersetzung: Peter Torberg

Im hellen Licht des Tages
Lübbe
Bergisch Gladbach, 1996
Übersetzung: Ellen Krahe

Reise ins Licht
Limes
München, 1996
Übersetzung: Regina Schneider

Fasting, Feasting
Vintage
London, 2000

Spiele in der Dämmerung
Edition Kappa
München, 2001
Übersetzung: Helga Pfetsch; Utta Roy-Seifert

The Zigzag Way
Vintage
London, 2005

Übersetzer: Ellen Krahe, Helga Pfetsch, Regina Schneider, Utta Roy-Seifert

Anita Desai wurde 1937 als Tochter einer Deutschen und eines Inders in New Delhi geboren. In ihrer Kindheit wurde zu Hause Deutsch und außerhalb der Familie Hindi gesprochen. Erst in der Grundschule lernte sie Englisch – die Sprache, die sie von klein auf mit der Welt der Bücher verband und in der sie bis heute schreibt. Ihr Traumziel, Schriftstellerin zu werden, fasste Anita Desai früh ins Auge: mit neun Jahren veröffentlichte sie ihre erste Kurzgeschichte. Nach dem Studium der Englischen Literatur an der Universität von New Delhi widmete sie sich als Mutter von vier Kindern dann ganz dem Schreiben.

Anita Desai gehört zu einer jungen Generation innovativer, indischer Autorinnen, die sich von konservativen Schreibtraditionen lösen. Orientierte sich die Autorin anfangs noch an britischen und russischen Klassikern, so prägte zunehmend ihre Liebe zur Lyrik einen durchsichtigen Stil. Sie selber definiert Schreiben als „die bewusste Arbeit, Sprache und Symbol, Wort und Rhythmus in Einklang zu bringen.“ Desai hat Romane, Kurzgeschichten und Kinderbücher veröffentlicht.

Durch flüchtige Momentaufnahmen und nuancenreiche Charakterstudien zeichnet sie die kulturellen und sozialen Veränderungen im heutigen Indien nach. Humorvoll kritisiert sie das Aufweichen von Traditionen der indischen Gesellschaft ebenso wie den stereotypen Orientalismus, der sich oft hinter dem westlichen Blick auf Indien verbirgt. Mit der Perspektive des sozialen Außenseiters und Fremden spielt sie beispielsweise in Baumgartners Bombay, indem sie eine jüdische Vergangenheit in Nazideutschland mit der indischen Gegenwart verbindet. Anita Desais Texte sind subtile sozialpsychologische Studien über bedrückende Kindheiten, über Vereinsamung und über Sehnsucht nach Liebe und Spiritualität. Mit beklemmender Präzision beschreibt sie in Texten wie Berg im Feuer(1978) die Macht familiärer Bindungen. Um die geht es auch in der meditativen Erzählung Clear Light of Day (1980), hier im wesentlichen um die Lebensentwicklung zweier grundverschiedener Schwestern.

Die Autorin wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem „Guardian Prize for Children’s Fiction“ (1982) für das abenteuerliche Märchen The Village by the Sea. Der Hüter der wahren Freundschaft(1984) und Fasting, Feasting(1999) wurden für den Booker Prize nominiert.

Heute lebt Anita Desai in Indien und in den USA. Sie unterrichtet an amerikanischen Universitäten „creative writing“ und ist Mitglied der „American Academy of Arts and Letters“, sowie der „Royal Society of Literature“.

© Rosalind Hammer/internationales literaturfestival berlin