10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Achmat Dangor  [ Südafrika, USA ]

Biographie

Achmat Dangor Portrait
© privat

Gast des ilb 2003.

Bibliographie

Waiting for Leila
Ravan Press
Johannesburg, 1981

Bulldozer
Ravan Press
Johannesburg, 1983

Z Town Trilogy
Ravan Press
Johannesburg, 1989

Private Voices
COSAW Publishing
Johannesburg, 1992

Kafkas Fluch
Knaus
München, 2001
Übersetzung: Gerhard Beckmann

Bitter Fruit
Kwela Press
Kapstadt, 2001

Übersetzer: Gerhard Beckmann, Peter Torberg

„Ich habe asiatisches und holländisches Blut in mir, ich weiß nicht, wer ich bin“ – mit dieser Selbstcharakterisierung umreißt Achmat Dangor zugleich die zentralen Themen seines literarischen Schaffens: Herkunft und Zugehörigkeit. 1948 kam er in Johannesburg in einer muslimisch und indisch geprägten Umgebung zur Welt. Sein Geburtsjahr markiert den Beginn der Apartheid in Südafrika, der rassistischen Klassifizierung zufolge galt er als „Farbiger“. Bis zu seiner Einschulung sprach er Afrikaans und Sotho, heute ist die Sprache seiner Literatur das Englische.
Dangors Leben steht unter dem Zeichen der Politik. Schon während seines Studiums war er Mitbegründer der Gruppe „Black Thoughts“, die bestrebt war, über Literatur, Theater und Musik die Bewegung der Schwarzen zu stärken. Für dieses Engagement wurde er von 1973 bis 1979 des Landes verwiesen; eine Zeit, die er rückblickend als ungeheuer produktiv empfindet, da sie ihm Gelegenheit zum Schreiben gegeben hat.
In den 80er Jahren begann Dangor, einer der Mitbegründer der südafrikanischen Schriftstellerkongresses, in Südafrika Bücher zu veröffentlichen: Kurzgeschichten, Gedichtbände (auch als Herausgeber) und schließlich Romane, von denen „Kafka’s Curse“ auch unter dem Titel „Kafkas Fluch“ (2001) auf Deutsch erschienen ist. Die zentrale Figur ist der gebürtige Muslime Omar Khan, der als vorgeblicher Jude Oscar Kahn nicht nur eine Karriere als Architekt macht, sondern auch mit einer weißen Frau verheiratet ist. Dangor erzählt mehrstimmig von den psychologischen Konsequenzen, die das Aufdecken dieser Lebenslüge bei den Mitgliedern der betroffenen Familien zeitigt und offenbart dabei die Probleme, mit denen die vielfältigen ethnischen und religiösen Gruppen im Miteinander der südafrikanischen Gesellschaft bis heute zu kämpfen haben.
Dangors literarische Interessen finden ein Echo in seinen gesellschaftspolitischen und beruflichen Aktivitäten, bis 2001 war er Direktor von Nelson Mandela’s Children’s Fund. Der Idee der südafrikanischen Wahrheitskommission steht Dangor indessen skeptisch gegenüber; er glaubt, daß die Strategie der Vergebung nur ein sentimentaler und letztlich untauglicher Versuch ist, die Nachwirkungen der begangenen Verbrechen in den Griff zu bekommen. Dem Zusammenprall von Geschichte und Gegenwart, von brutaler Rassentrennung und Post-Apartheid-Illusionen ist auch sein Roman, „Bitter Fruit“ gewidmet, in dem ein 19-Jähriger sich im heutigen Südafrika mit den Brutalitäten der Vergangenheit auseinander zu setzen hat und dem am Ende wieder nur Gewalt als Lösung zu Verfügung steht. 2003 wurde „Bitter Fruit“ für den Booker Prize und den International IMPAC Dublin Literary Award nominiert.
Dangor lebt heute teils in Johannesburg, teils in New York, wo seine Frau für die Vereinten Nationen arbeitet und er sich ganz dem Schreiben widmen kann.

Dirk Naguschewski

© internationales literaturfestival berlin