10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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† Walter Kempowski  [ Deutschland ]

Biographie

† Walter Kempowski Portrait
© Doris Poklekowski, www.foto-poklekowski.de

Gast des ilb 2003, 2002.

Bibliographie

Ein Kapitel für sich
Hanser
München, Wien, 1975

Uns geht’s ja noch gold
Hanser
München, 1977

Aus großer Zeit
Knaus
Hamburg, 1978

Schöne Aussicht
Knaus
Hamburg, 1981

Herzlich Willkommen
Knaus
München, Hamburg, 1984

Hundstage
Knaus
München, Hamburg, 1988

Sirius: Eine Art Tagebuch
Knaus
München, 1990

Das Echolot - Ein kollektives Tagebuch. Januar und Februar ´43
Knaus
München, 1993

Der arme König Opplawur
Knaus
München, 1994
Ill: Renate Kempowski

Bloomsday 1997
Knaus
München, 1997

Heile Welt
Knaus
München, 1998

Das Echolot - Fuga furiosa. Ein kollektives Tagebuch. Winter 1945
Knaus
München, 1999

Alkor
Knaus
München, 2001

Tadellöser & Wolff
Goldmann
München, 2001

Das Echolot – Barbarossa ´41: Ein kollektives Tagebuch
Knaus
München, 2002

Letzte Grüße
Knaus
München, 2003

Das 1. Album: 1981 bis 1986
Stroemfeld
Frankfurt/Main, 2004

Im Block: Ein Haftbericht
Knaus
München, 2004

Culpa
Knaus
München, 2005

Das Echolot - Abgesang ´45. Ein kollektives Tagebuch
Knaus
München, 2005

Hamit
Knaus
München, 2006

„Kaum beweisbare Ähnlichkeiten“
Briefwechsel mit Uwe Johnson
Transit
Berlin, 2006

Alles umsonst
Knaus
München, 2006

Walter Kempowski wurde 1929 in Rostock geboren. Nachdem er den Schulbesuch quittieren musste, als Flakhelfer bei der Hitlerjugend eingesetzt wurde und nach dem Krieg eine Lehre als Drucker angefangen hatte, kam er in eine Arbeitskompanie der U.S. Army in Wiesbaden. Bei einem Besuch in Rostock wurde er 1948 wegen Spionageverdachts verhaftet und zu 25 Jahren Haft in Bautzen verurteilt, jedoch nach acht Jahren amnestiert. In dieser Zeit begann Kempowski zu schreiben: eine tagebuchartige Prosa, in der er die Erfahrungen der Haft aufarbeitete. 1956 in den Westen entlassen, holte Kempowski sein Abitur nach, studierte im Anschluss Pädagogik und arbeitete als Lehrer in Norddeutschland. Sein literarisches Debüt „Im Block. Ein Haftbericht“ erschien 1969 und rekapituliert die Zeit von seiner Verhaftung bis zur Entlassung. In Einzelhaft, so Kempowski, könne man „schreien vor dem Nichtstun“. Dennoch ist seine Prosa bar jeder Anklage und aus kühler Distanz als Collage des Erinnerten verfasst. In einer Mischung aus Redensarten und Alltagssprache bilden kurze Erzählblöcke eine Perspektive, die ohne stringente Handlung den Blick vom Kleinen auf das Größere, von der subjektiven Privatzeit auf die objektive Geschichte eröffnet. War ihm das Erinnern in der Einzelhaft in Bautzen Überlebensstrategie, macht er es später, in der literarischen Verarbeitung, zum Prinzip und baut präzise, Stück um Stück, Schicht um Schicht, die verlorene Welt der Vergangenheit wieder auf: „Die einzige Zeit, die es wirklich gibt, ist die Vergangenheit.“ Schriftsteller zu sein heißt für Walter Kempowski, Chronist zu sein. Auf dieser Grundlage entstand ein umfangreiches literarisches Werk: Romane, Kurzgeschichten, Hörspiele und Sachbücher. „Tadellöser & Wolff“, die zweite Veröffentlichung des Autors, verhalf ihm 1971 mit dem „Förderpreis des Lessingspreises der Stadt Hamburg“ zum literarischen Durchbruch. Das Buch ist eine literarische Familienchronik, die die Konfrontation des privaten Erlebens in der Familie mit den politischen Ereignissen im „Dritten Reich“ zum Thema hat. Zwischen 1980 und 1991 war Kempowski Lehrbeauftragter für „Fragen der Literaturproduktion“ an der Universität Oldenburg. Dort gründete er das „Zeithistorische Archiv“, in dem er systematisch Dokumente aus unzähligen privaten und öffentlichen Quellen der jüngeren deutschen Vergangenheit sammelt, vor allem über die Zeit des Zweiten Weltkrieges. Das dabei entstehende kaleidoskopartige Bild jener Zeit verarbeitet Kempowski u.a. in seinem Monumentalwerk „Das Echolot. Ein kollektives Tagebuch“ (1993). Als literarische Collage zehntausender Dokumente führt „Das Echolot“ die Form der Erinnerungstagebücher konsequent fort. Nach der Beschäftigung mit den Jahren 1943 und 1945 wandte sich der Autor im dritten Teil „Das Echolot. Barbarossa 1941“, der 2002 erschien, auch dem Jahr des Angriffs auf die Sowjetunion zu. Mit dem 2005 erschienenen Band „Abgesang ´45“ setzte Kempowski den Schlussstein der gewaltigen Collage aus Briefen, Tagebüchern, Aufzeichnungen und Bildern, die eine minutiöse Rekonstruktion des Alltagsgeschehens und der historischen Ereignisse bilden. Neben zahlreichen anderen Preisen wurde ihm 1994 der „Konrad-Adenauer-Preis“ und 1995 der Uwe-Johnson-Preis verliehen. Im Jahr 2000 erhielt er den Heimito-von-Doderer–Literaturpreis und 2005 den Internationalen Buchpreis Corine. An der Universität Rostock, die ihm 2002 die Ehrendoktorwürde verlieh, war er seit 2003 Professor für Neuere Literatur- und Kulturgeschichte. Walter Kempowski starb 2007 in seinem Wohnort Nartum bei Bremen.

©internationales literaturfestival berlin

[http://www.kempowski.de]