10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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† Raymond Federman  [ USA ]

Biographie

† Raymond Federman Portrait
© Doris Poklekowski, www.foto-poklekowski.de

Gast des ilb 2003.

Bibliographie

Samuel Beckett: His Works and his Critics
University of California Press
Berkeley, London, 1977

Double or Nothing
Swallow Press
Chicago, 1971

Amer eldorado
Stock
Paris, 1974

Me too
West Coast Poetry Review
Reno, 1975

Take it or Leave it
The Fiction Collective
New York, 1976

The Voice in the Closet
Coda Press
Madison, Wisconsin, 1979

The Twofold Vibration
Indiana University Press
Bloomington, 1982

The Rigmarole of Contrariety
The Bolt Court Press
New York, Buffalo, 1982

Smiles on Washington Sqare
Thunder´s Mouth Press
New York, 1985

Spieltexte
Literarisches Colloquium
Berlin, 1989
Übersetzung: Peter Torberg

To Whom it May Concern
The Fiction Collective
Boulder, Colorado, 1990

Now Then
Isele
Freiburg, 1992
Übersetzung: Karin Graf

Surfiction: Der Weg der Literatur
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1992
Übersetzung: Peter Torberg

Critifiction: Postmodern Essays
State University of New York Press
Albany, New York, 1993

The Supreme Indecision of the Writer
The Boltcourt Press
Buffalo, New York, 1995

Der Pelz meiner Tante Rachel
Faber & Faber
Leipzig, 1997
Übersetzung: Thomas Hartl

Penner-Rap
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1998
Übersetzung: Peter Torberg

Offene Schuhe: Eine Art Lebensgeschichte
Weidler
Berlin, 2001
Übersetzung: Martin Arndorfer

99 Hand Written Poems
Weidler
Berlin, 2001

Mon corps en neuf parties
Weidler
Berlin, 2002

Übersetzer: Martin Arndorfer, Gerhard Effertz, Karin Graf, Thomas Hartl, Peter Torberg

Raymond Federman zählte international zu den einflussreichsten Vertretern der literarischen Postmoderne. Der franko-amerikanische Schriftsteller und Literaturwissenschaftler jüdischer Abstammung wurde 1928 in Paris geboren. Seine „wirkliche“ Geburt datiert er jedoch auf den 16.7.1942, jenen Tag, an dem in Paris mehr als 12 000 Menschen verhaftet und in die Todeslager deportiert wurden. Federmans Eltern und beide Schwestern wurden in Auschwitz umgebracht, er selbst überlebte, weil seine Mutter ihn in einem Wandschrank verbarg. Federmann emigrierte 1947 in die USA, wo er sich als Gelegenheitsarbeiter und Jazz-Saxophonist durchschlug, bis er 1951 zur Armee eingezogen wurde und als Fallschirmspringer in Korea diente. 1953 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft. 1954 begann er das Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft an der Columbia University, das er 1963 an der UCLA mit einer Dissertation zu Samuel Beckett, mit dem er eng befreundet war, abschloss. Ab 1977 führten ihn zahlreiche Gastprofessuren nach Europa, Afrika und Asien.

Obwohl sein Werk Gedicht- und Essaybände, wissenschaftliche Arbeiten, Aufsätze und Übersetzungen umfasst, betrachtete er sich nach eigener Aussage in erster Linie als Romanschriftsteller. Sein 1971 erschienener experimenteller Debütroman „Double or Nothing“ (dt. „Alles oder Nichts“, 1971), der später mehrfach ausgezeichnet wurde und ihm sofort internationale Anerkennung brachte, verbindet die formalen Experimente der konkreten Poesie mit epischer Prosa und wird zu den wichtigsten avantgardistischen Werken des vorigen Jahrhunderts gerechnet. Sein umfangreiches, autobiographisch durchwirktes Werk kreist immer wieder um die Verlassenheit und das Schuldtrauma des zufällig Überlebenden, so auch in „Take It or Leave It“ (1976, dt. 1998), das er selbst als sein wichtigstes Buch bezeichnet hat. In seinen Hamburger Poetik-Lektionen (1990) prägte er in Anlehnung an den Surrealismus den Begriff „Surfiction“ für jene Art von Literatur, die die Fiktionalität der Wirklichkeit offenlegt und von Wiederholungen, Abschweifungen und Selbstreflexionen geprägt ist. 2001 erschien der Band „Loose Shoes“ (dt. „Offene Schuhe“, 2002), eine aus 365 experimentellen Fragmenten bestehende, tagebuchartige Aufzeichnung seiner geistigen Arbeit, dem der programmatische Leitspruch vorangestellt ist, vor dessen Hintergrund sein ganzes Werk begriffen werden muss: „Ein Roman ist nicht so sehr das Schreiben eines Abenteuers als das Abenteuer des Schreibens.“ Für sein Werk, das teils zweisprachig erschien und in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt worden ist, erhielt Federman zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den American Book Award (1986). Raymond Federman starb im Oktober 2009 in San Diego.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.federman.com/]