10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Zoran Drvenkar  [ Deutschland, Kroatien ]

Biographie

Zoran Drvenkar Portrait
© privat

Gast des ilb 2002.

Bibliographie

Niemand so stark wie wir
Rowohlt Rotfuchs
Reinbek, 1998

Im Regen stehen
Rowohlt Rotfuchs
Reinbek, 2000

Die alte Stadt
Eichborn
Frankfurt/Main, 2000

Eddies erste Lügengeschichte
Oetinger
Hamburg, 2001
[Ill. Kerstin Meyer]

Der einzige Vogel, der die Kälte nicht fürchtet
Carlsen
Hamburg, 2001

Anfangs tut es noch weh
Ueberreuter
Wien, 2002

Cengiz & Locke
Carlsen
Hamburg, 2002

Eddies zweite Lügengeschichte
Oetinger
Hamburg, 2002

Sag mir, was du siehst
Carlsen
Hamburg, 2002

Du schon wieder
Carlsen
Hamburg, 2003

Du bist zu schnell
Klett-Cotta
Stuttgart, 2003

Der Winter der Kinder oder Alissas Traum
Rowohlt
Reinbek, 2003

Eddie im Finale
Oetinger
Hamburg, 2004

Die Kurzhosengang
[unter dem Pseudonym Victor Caspak & Yves Lanois]
Carlsen
Hamburg, 2005

Yugoslavian Gigolo
Klett-Cotta
Stuttgart, 2005

Was geht wenn du bleibst: Gedichte
Carlsen
Hamburg, 2005

Die Nacht, in der meine Schwester den Weihnachtsmann entführte
Carlsen
Hamburg, 2005

Touch the flame
Süddeutsche Zeitung (Junge Bibliothek)
München, 2006

Wenn die Kugel zur Sonne wird
Altberliner-Verlag
Berlin, 2006

Die Rückkehr der Kurzhosengang
[unter dem Pseudonym Victor Caspak & Yves Lanois]
Bloomsbury
Berlin, 2006

Paula und die Leichtigkeit des Seins
Bloomsbury
Berlin, 2007

Zarah - du hast doch keine Angst, oder?
Bloomsbury
Berlin, 2007
[Ill. Baltscheit, Martin]

Zoran Drvenkar gehört zu den profiliertesten deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuchautoren der Gegenwart. Er wurde 1967 in Krizevci/Kroatien geboren, zog 1970 mit seinen Eltern nach Berlin und lebt heute in einem kleinen Ort in Brandenburg. Seit 1989 arbeitet er als freier Schriftsteller und erhielt für die Arbeit an seinen Romanen, Gedichten, Theaterstücken und Kurzgeschichten zahlreiche Stipendien und Preise, u.a. 1999 den „Science-Fiction-Preis“ der Berliner Festspiele und der Literaturwerkstatt Berlin für seine Erzählung „Die alte Stadt“, 2000 den „Münchner-Jugend-Dramatikerpreis“ und 2001 den „Würth-Literaturpreis“. 1998 begeisterte Zoran Drvenkar mit seinem Debütroman „Niemand so stark wie wir“, der mit dem „Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis 1999“ prämiert wurde, und dem 2000 „Im Regen stehen“ folgte. In den Straßen Westberlins der siebziger Jahre entdecken Zoran und seine Freunde in ihrem kleinen Kiez das große Leben: die Leidenschaft für Fußball, das Fernsehen und die Kämpfe der Banden und Cliquen, die Zerwürfnisse zwischen Eltern und die erste heftige Liebe.

Auch in „Touch the flame“ (2001) präsentiert sich der Autor als genuiner Erzähler. Einem Roadmovie gleich handelt dieser Jugendroman von einer schwierigen Vater-Sohn-Beziehung. Drvenkar beschreibt die aufregenden Tage des fünfzehnjährigen Lukas zwischen Berlin und Hamburg; angefüllt mit Begegnungen, Sprüchen, Abenteuern, Enttäuschungen und Hoffnungen. In einer Tour de force begegnet der junge Protagonist seinem jahrelang verschollenen Vater Ritchie, seinem kriminellen Onkel, lernt seinen Halbbruder kennen und trifft seine faszinierende Cousine. In seinem Jugendroman „Cengiz & Locke“ (2002) erweist sich Drvenkar ein weiteres Mal als herausragender Vertreter der deutschsprachigen Jugendliteratur. Mit unbestechlicher Ehrlichkeit, großer sprachlicher Authentizität und rasantem Erzähltempo fängt der Autor das Lebensgefühl pubertierender Jugendlicher ein und ist seinen jungen Helden dabei so nah wie kaum ein Autor. Es geht um Großstadt, um rivalisierende Gangs und um Freundschaften unter Jungen, die zwischen kameradschaftlicher Treue, Angst vor zu viel Verletzbarkeit, gegenseitigem Verantwortungsgefühl und lässiger Fassade rangieren. Cengiz, der sechzehnjährige Türke, der aussieht wie ein Mongole, und Locke, ein vierzehnjähriger Deutscher, der eigentlich Matthias heißt, geraten an einem Wochenende in eine Spirale der Gewalt, aus der es kein Entrinnen zu geben scheint. „Cengiz & Locke“ wurde mit dem Luchs des Jahres 2000 ausgezeichnet. 2002 veröffentlichte Drvenkar sein Kinderbuch „Der einzige Vogel, der die Kälte nicht fürchtet“. In einer Geschichte, die „Bilderbogen, Märchenerzählung und Abenteuergeschichte mit Witz“ (FAZ) zugleich ist, erzählt der Autor hier trocken und pointiert vom klirrend kalten Winter: Nachdem seit einer halben Ewigkeit auf der Erde bitterste Kälte herrscht, macht sich der junge Ricki auf, ein ernstes Wörtchen mit dem Winter zu reden und trifft dabei auf einen skurril-verrückten Vogel, der verdächtig nach einem Pinguin aussieht und vorgibt, der einzige Vogel zu sein, der die Kälte nicht fürchtet. So entspinnt sich ein originelles, verschrobenes Märchen voller Hintersinn, mit dem Drvenkar seinen jungen Lesern mehr erzählt als nur eine poetische Geschichte. Sein vorlauter Pinguin ist eigentlich eine tragische Gestalt: Er kann nicht fliegen, wünscht sich aber nichts mehr, als ein richtiger Vogel zu sein. Drvenkars Erfolg als Jugendbuchautor setzt sich mit seinem Jugendroman "Sag mir, was du siehst" (2002) und dem Kinderbuch "Du schon wieder" (2003) fort. Mit „Die Kurzhosengang“ veröffentlichte Drvenkar 2004 einen originellen und humorvollen Kinderroman über eine Jugendbande. Im Fernsehen berichten Rudolph, Snickers, Island und Zement von ihren unglaublichen Abenteuern, die sie gemeinsam heldenhaft gemeistert haben und denen sie ihren Namen „Die Kurzhosengang“ verdanken. Der Roman, den Drvenkar unter dem Pseudonym Victor Caspak & Yves Lanois vorlegte, wurde 2005 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. In dem Fortsetzungsroman „Die Rückkehr der Kurzhosengang“, der 2006 unter Drvenkars Namen erschien, gehen die turbulenten Abenteuer der Jungenbande weiter. Seine Vielseitigkeit als Autor bewies Zoran Drvenkar erneut mit seinem Gedichtband „Was geht wenn du bleibst“ (2005). Gegenstand seiner Gedichte ist die Vielfalt menschlicher Gefühle auf dem Weg zum Erwachsenwerden. „Was geht wenn du bleibst“ wurde 2006 von der Jugendjury für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Für sein weibliches Publikum hat Drvenkar  das Buch „Paula und die Leichtigkeit des Seins“ (2007) geschrieben, das vom Leben einer 8-Jährigen erzählt, die darunter leidet, dick zu sein. Von den Abenteuern, die Zarah und vier Freundinnen im Wald auf der Suche nach dem Räuberhauptmann Raddek erleben, berichtet die zuletzt erschienene Geschichte „Zarah – du hast doch keine Angst, oder?“ (2007).

Drvenkar ist auch als Autor für Theater und Film erfolgreich. Mit dem Theaterstück „Traumpaar“ (Uraufführung 2006) wendet er sich auch in seinem dramaturgischen Schaffen den Themen Familie und Freundschaft zu. Ricki soll mit seiner Schwester nach der Trennung seiner Eltern zum Vater in eine neue Stadt ziehen und sich von seinen Freunden und seiner Freundin in Berlin trennen. Aus der Zusammenarbeit mit Gregor Tessnow entstand nach dessen gleichnamigem Roman das Drehbuch „Knallhart“, das 2006 unter der Regie von Detlev Buck verfilmt wurde und im gleichen Jahr den Deutschen Filmpreis in Silber als bester Spielfilm erhielt.

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