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† Zhang Zao  [ China ]

Biographie

Zhang Zao Portrait
© privat

Gast des ilb 2002.

Bibliographie

Die Glasfabrik. Gedichte chinesisch-deutsch
Konkursbuchverlag Gehrke
Tübingen, 1993
Übersetzung: Susanne Göße, Peter Hoffmann

Briefe aus der Zeit
Heiderhoff
Eisingen, 1999
Übersetzung: Wolfgang Kubin

Auf die [der] Suche nach poetischer Modernität: die neue Lyrik Chinas nach 1919
Universitätsbibliothek Tübingen
Tübingen, 2004

Übersetzer: Roswitha Th. Heiderhoff, Bernhard W. Hippeli, Wolfgang Kubin

Zhang Zao wurde 1962 in Changsha, der Provinzhauptstadt von Hunan (China), geboren. Nach dem Ende seines Anglistikstudiums ging er in die Provinz Sichuan, in die dortige Hauptstadt Chengdu, und nahm an einem Postgraduierten-Programm am Institut für Fremdsprachen teil. 1979 erschienen erste Veröffentlichungen seiner Gedichte in Lyrikzeitschriften. Zhang Zao wurde bald der Gruppierung der „Fünf Edlen von Sichuan“ zugerechnet. Diese auch als „Posthermetische Schule“ bekannten Dichter öffnen sich einerseits innovativen Elementen der Weltliteratur, andererseits bewahren sie die klassischen Elemente der chinesischen Lyrik. Angestrebt wird eine dialogreiche, reine, elegante und gleichzeitig experimentelle Lyrik Zu diesen jüngeren chinesischen Dichtern, die seit Mitte der achtziger Jahre die chinesische Literaturszene prägen, gehören neben Zhang Zao u.a. Ouyang Jianghe und Wang Jiaxin. Ihnen gemeinsam ist die Betonung der Autonomie von Literatur und die Unabhängigkeit des Schriftstellers. Lyrik soll in der „Posthermetischen Schule“ als alleinige Sache der Sprache wahrgenommen werden, der Dichter als unverwechselbares Individuum erkennbar sein. Gleichzeitig suchen die Vertreter dieser Strömung jedoch einen erneuten Zugang zur vormodernen chinesischen Lyrik. Nach ihrer Ansicht fehlte es der hermetischen Schule, der zum Beispiel Bei Dao zugerechnet wird, an Offenheit gegenüber der eigenen Literaturgeschichte. Zhang Zao knüpft in seinen Gedichten an die Tradition des Dialoges in der chinesischen Poesie an und wählt Bilder, die eine lange Geschichte traditioneller Konnotation haben. Diese verbindet der Dichter mit formalen Strukturen westlicher Poesie. Zhang Zao selbst spricht zum Beispiel von der Aneignung fremder Formen, etwa der Metapoesie, der Ebene, von Dichter zu Dichter zu sprechen.
1986 zog Zhang Zao nach Tübingen, um in Komparatistik zu promovieren, 1994 bis 2004 arbeitete er dort als Lektor am Institut für Sinologie und als literarischer Übersetzer. Nach Fertigstellung seiner Dissertation „Auf die [der] Suche nach poetischer Modernität: die neue Lyrik Chinas nach 1919“ (2004) – kehrte er in sein Heimatland zurück und lehrt nun an der Universität Henan Moderne Literatur. Zaos Werk ist in viele westliche Sprachen übersetzt worden, auf deutsch erschien u.a.: Briefe aus der Zeit (1999), eine chronologisch angeordnete Sammlung seiner Gedichte. 1999 erhielt er den „Anne-Kao-Lyrikpreis“ in Berlin, im selben Jahr wurde er von der chinesischen Literaturzeitschrift „Der Autor“ für das beste chinesisch- sprachige Werk 1999 ausgezeichnet.

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