10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Richard Ford  [ USA ]

Biographie

Richard Ford Portrait
© Birgit Kleber / Berlin Verlag

Gast des ilb 2002.

Bibliographie

Der Sportreporter
Rowohlt
Reinbek, 1989
Übersetzung: Hans Hermann

Ein Stück meines Herzens
Fischer
Frankfurt/Main, 1989
Übersetzung: Martin Hielscher

Verdammtes Glück
Rowohlt
Reinbek, 1989
Übersetzung: Wolfgang Determann

Der Frauenheld
Fischer
Frankfurt/Main, 1994
Übersetzung: Martin Hielscher

Eifersüchtig
Berlin Verlag
Berlin, 1995
Übersetzung: Fredeke Arnim

Unabhängigkeitstag
Berlin Verlag
Berlin, 1995
Übersetzung: Fredeke Arnim

Abendländer
Berlin Verlag
Berlin, 1998
Übersetzung: Fredeke Arnim

Eine Vielzahl von Sünden
Berlin Verlag
Berlin, 2002
Übersetzung: Frank Heibert

The Lay of the Land
Knopf
New York, 2006

Übersetzer: Fredeke Arnim, Wolfgang Determann, Harold Goland, Frank Heibert, Hans Hermann, Martin Hielscher

Orte sind Richard Ford wichtig. Jede seiner Geschichten ist präzise situiert. Oft steht am Anfang ein Umzug als entscheidender Einschnitt in das Leben seiner Figuren. Ein Ort wie Great Falls, Montana, in dem man gerade angekommen ist, wie in dem Roman „Wildlife. Wild leben“ (1991), oder von dem man wegzieht, wie in der Novelle „Eifersüchtig“ (1995). Ford selbst lebt nicht nur an einem, sondern gemeinsam mit seiner Frau, einer promovierten Stadtplanerin, der alle seine Bücher gewidmet sind, an drei verschiedenen Orten. Abwechselnd wohnen sie in New Orleans, Chinook, einer Kleinstadt in Montana und einem kleinen Ort auf dem Land in der Nähe von Jackson, wohin Ford sich zum Schreiben zurückzieht. Vielleicht bewirkt der ständige Wechsel auch seine besondere Wahrnehmung der Orte und der Landschaften, die er beschreibt: „Der Leser soll sehen, was ich sehe.“ Ford stammt aus den Südstaaten, aus Jackson, Mississippi, wo er 1944 geboren wurde. Er studierte Literaturwissenschaft, arbeitete als Lehrer und gab Seminare über „Creative Writing“ an verschiedenen Universitäten. Zwischendurch verdiente er sein Geld auch als Sportreporter, was er wohl geblieben wäre, wenn nicht eine der beiden Zeitungen, für die er schrieb, pleite gegangen wäre, und die andere ihm eine dauerhafte Stelle gegeben hätte. Diese Erfahrungen inspirierten ihn zu dem gleichnamigen Roman „Der Sportreporter“ (1989), der ihm in Amerika zum Durchbruch verhalf. Bereits dieser Roman spielt in New Jersey. Um nicht als typischer Südstaatenautor zu gelten, entschloss sich Ford, seine Romane in literarisch weniger besetzten Gegenden wie im kargen Norden Montanas oder an der Ostküste in New Jersey spielen zu lassen. Oder in Paris, womit er das beliebte Genre des Amerikaners in der Stadt der Liebe erweitert, allerdings den Mythos nicht weiterschreibt. In der Novelle „Abendländer“ (1998) lässt er ein ungleiches Paar statt der erwarteten schönen Tage ein leeres, regnerisches Paris im Winter erleben. Am Ende steht ein nicht wirklich überraschender Selbstmord. Wie auch die anderen Romane und Short Stories zeichnet sich „Abendländer“ durch die Dichte der Atmosphäre aus, die knappen Dialoge, in denen meistens aneinander vorbeigeredet wird. Lakonisch erzählt, scheinen doch ohne viel Worte die Gefühle der einzelnen Figuren auf, ihre inneren Brüche und Sehnsüchte, die Ford mit viel Sympathie und einem Gespür für Psychologie entwickelt. Zu Recht gilt Ford, der für seinen Roman „Unabhängigkeitstag“ (1995) mit dem Pulitzer-Preis und dem PEN/ Faulkner Award ausgezeichnet wurde, daher als „The Great American Novelist“ in der Tradition eines Saul Bellow oder John Updike. Im Mittelpunkt seiner Prosa stehen immer Figuren aus der amerikanischen Mittelklasse, deren Leben an Wendepunkten schlaglichtartig beleuchtet wird. Wie in „Eifersüchtig“ wird die Geschichte oft aus der Perspektive von Halbwüchsigen erzählt, von Jungen, deren Kindheit mit einem Schlag vorbei ist. Die Unsicherheit und Verletzbarkeit, das Noch-Nicht-Wissen und dennoch Ahnen, wie so ein Leben eigentlich funktioniert, wird brillant in Sprache gefasst. Am Ende steht weniger ein Verständnis, als das Wissen, dass die Liebe im Leben das einzig Dauerhafte ist, auch wenn man nicht so recht versteht, weshalb. 2006 vollendete Richard Ford mit „The Lay of the Land“ die Trilogie um Frank Bascombe, dem Protagonisten aus "The Sportswriter" (dt. „Der Sportreporter“) und "Independence Day" (dt. „Unabhängigkeitstag“). Der Roman wurde für einen National Book Critics Circle Award nominiert.

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