10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2002 / Philip Gwynne

Philip Gwynne  [ Australien ]

Biographie

Philip Gwynne Portrait
© privat

Gast des ilb 2002.

Bibliographie

The Worst Team Ever
Penguin Books Australia
Ringwood, 1999

Wir Goonyas, ihr Nungas
Sauerländer
Aarau, 2001
[Ü: Cornelia Krutz-Arnold]

Blacky, Lovely und der ganze Bullshit
Sauerländer
Düsseldorf, 2003
[Ü: Cornelia Krutz-Arnold]

Born to bake
Puffin
Camberwell, 2005
[Ill. Gus Gordon]

Ein fetter Fang im langweiligsten Kaff der Welt
Sauerländer
Düsseldorf, 2006
[Ü: Ilse Rothfuss]

Crazy for cake
Running Press
Philadelphia, 2007
[Ill. Gus Gordon]

Übersetzerin: Cornelia Krutz-Arnold, Ilse Rothfuss

Philip Gwynne wurde 1958 in Melbourne geboren und wuchs mit sieben Geschwistern in South Australia auf, wo auch seine Geschichten von Blacky, Dumby Red und Clarence spielen. Philip Gwynnes berufliche Stationen sind vielfältig. Bevor er zu schreiben begann, war er professioneller „Australian Rules“ Football-Spieler. Als eine Verletzung seine Football-Karriere beendete, schloss er ein Studium der Meeresbiologie ab und ging auf ausgedehnte Reisen. Er arbeitete als Lehrer in Thailand und als Programmierer in Belgien und lebte einige Zeit in Brasilien, bevor er sich mit seinem Sohn in Sydney niederließ. Zu schreiben begann Philip Gwynne erst vor einigen Jahren. Inspiriert vom abendlichen Geschichtenerzählen für seinen Sohn, besuchte er ein Creative-Writing-Seminar bei der australischen Kinderbuchautorin Libby Gleeson. In dieser Zeit entwickelte er die Idee zu seinem ersten Jugendroman. „Deadly, Unna?“ (dt. „Wir Goonyas, ihr Nungas“, 2001), erschien 1998 und wurde zu einem überwältigenden Erfolg. Er wurde mit mehreren Preisen und Nominierungen ausgezeichnet, u.a. 1999 mit dem „Children’s Book Council of Australia Book of the Year Award for Older Readers“ und dem „Children's Peace Literature Award“. Auch international fand Gwynne’s Debütroman große Resonanz. 2002 war der Roman für den „Deutschen Jugendliteraturpreis“ nominiert. (Absatz)

Von der Kritik als „eines der lesenswertesten politischen Jugendbücher überhaupt“ (Die Welt) gelobt, erzählt „Wir Goonyas, ihr Nungas“ vom alltäglichen Rassismus zwischen den „Goonyas“, den weißen Australiern, und den „Nungas“, den Aborigines. Mit großer Wärme und Einfühlungsvermögen, entwaffnend ironisch und gespickt mit „Aussieismen“, typisch australischen Ausdrücken und Redewendungen, schildert Gwynne die Freundschaft zwischen dem vierzehnjährigen Gary, der Blacky genannt wird, und Dumby Red, einem Aborigine, die gemeinsam in einer kleinen Küstenstadt im Süden Australiens Football spielen, die einzige Aktivität, die die bunte Ansammlung von Städtern am Port und die Gemeinschaft der Aborigines am Point eint. Der Held erzählt vom großen Football-Endspiel und entwirft dabei ein intensives Bild der Dorfgemeinschaft und seiner eigenen Familie. Der Leser erfährt von den ungeschriebenen Gesetzen in der Mannschaft, der selbstverständlichen Erniedrigung der Aborigines durch die Weißen und den hartnäckigen Vorurteilen im täglichen Miteinander. Als Dumby Red bei einem Einbruch getötet wird, bricht die fragile Gemeinschaft auseinander, und Blacky erkämpft sich gegen die Denkweise seines gesamten Umfelds eine eigene Haltung. Seine stille Rebellion ist auch der Abschied von der eigenen Kindheit. Philip Gwynne hat 1999 für jüngere Leser „The Worst Team Ever“ in der berühmten „Aussie Bites Serie“ veröffentlicht. Auch in „Nukkin Ya“ (2000; dt. „Blacky, Lovely und der ganze Bullshit“, 2003), dem zweiten Band der Geschichte um Blacky, sind die unverändert fortbestehenden Konflikte zwischen Weißen und Aborigines zentrales Thema. Der inzwischen 15-jährige Blacky ist in Clarence, eine Nunga, verliebt. Diese Liebesbeziehung bringt ihm die Welt der Aborigines näher, und gleichzeitig erlebt er die Folgen, die aus dem auf beiden Seiten herrschenden Rassismus entstehen. Gwynnes Jugendroman „Jetty Rates“ (2004; dt. „Ein fetter Fang im langweiligsten Kaff der Welt“, 2006), der im Juli 2006 vom Institut für Jugendliteratur zum Buch des Monats gekürt wurde, handelt vom Erwachsenwerden und der schweren Aufgabe, den Verlust eines geliebten Menschen zu überwinden. Für den 13-jährigen Hunter ist das Leben nicht mehr dasselbe, seit sein Vater auf See verschollen ist. Erst als sich sein großer Traum erfüllt und es ihm – wie schon zuvor seinem Vater – gelingt, den seltenen Riesenfisch Mulloway zu fangen, wendet sich sein Leben zum Guten.

Gemeinsam mit dem Regisseur Paul Goldman schrieb Philip Gwynne auch das Drehbuch für den Kinofilm „Australian Rules“, basierend auf „Deadly, Unna?“ und „Nukkin Ya“. Der Film hatte 2001 Premiere auf dem Sundance Film Festival in Utah/USA und wurde im Frühjahr 2002 auf dem Adelaide Festival in Australien gezeigt und kontrovers diskutiert.

© internationales literaturfestival berlin