10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Peter Kurzeck  [ Deutschland ]

Biographie

Peter Kurzeck Portrait
CC Liberal Freemason/Wikipedia

Gast des ilb 2002.

Bibliographie

Kein Frühling
Stroemfeld
Frankfurt/Main, 1987

Kommt kein Zirkus ins Dorf
Focus
Gießen, 1987

Keiner stirbt
Stroemfeld
Frankfurt/Main, 1990

Mein Bahnhofsviertel
Stroemfeld
Basel, 1991

Vor den Abendnachrichten
Wunderhorn
Heidelberg, 1996

Übers Eis
Stroemfeld
Frankfurt/Main, 1997

Der Nussbaum gegenüber vom Laden, in dem du dein Brot kaufst
Stroemfeld
Frankfurt/Main, 1997

Das schwarze Buch
Stroemfeld
Frankfurt/Main, 2001

Als Gast
Stroemfeld
Frankfurt/Main, 2003

Ein Kirschkern im März
Stroemfeld
Frankfurt/Main, 2004

Oktober und wer wir selbst sind
Stoemfeld
Frankfurt/Main, 2007

Ein Sommer, der bleibt [CD]
supposé
Berlin, 2007

Peter Kurzeck wurde 1943 in Böhmen geboren und wuchs als Flüchtlingskind in einem Dorf bei Gießen auf. Schon früh begann er mit dem Schreiben, publizierte Texte in Lokalzeitungen und Zeitschriften. Seine Lehre in einem Krämerladen unterbrach er immer wieder für Reisen nach Wien, Paris oder Triest. Mit 28 Jahren wurde er Personalchef einer großen Behörde der US-Army. Um als freier Schriftsteller leben zu können, beendete er diese Tätigkeit und zog 1977 nach Frankfurt am Main. Für seine Romane und Erzählungen hat er zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen erhalten, u.a. den Alfred-Döblin-Preis, den Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, den Kranichsteiner Literaturpreis und die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt am Main. 2001 war Peter Kurzeck Stadtschreiber von Bergen-Enkheim. „Sehr früh erlag ich dem Zwang, dass ich nichts vergessen darf“, hat Peter Kurzeck seine Poetik einmal umschrieben, „weil alles, woran man sich nicht erinnert, verloren sein kann für immer. Wenn wir den gestrigen Tag nicht mehr wissen, ist der gestrige Tag nicht gewesen, Böhmen nicht und wir auch nicht.“ Dabei hält er sich von Buch zu Buch weniger an den unmittelbaren Augenblick, greift vielmehr auf jenen Erinnerungsstoff zurück, der schon einige Jahre, manchmal Jahrzehnte, alt ist: die Zeit auf dem Dorf, die vielen Reisen, die Wassertropfen des Mains oder „Frankfurt in meinen Büchern und Frankfurt in meinem Leben“. Das Momenthafte freilich blendet er nicht aus, sondern lässt es in die literarische Vorstellung eingehen. Peter Kurzecks erster Roman „Der Nußbaum gegenüber vom Laden, in dem du dein Brot kaufst“ (1979) ist von einem Gefühl der Heimatlosigkeit geprägt, von Ausbrüchen, Fluchten und Wiederholungen. In der „ewigen Zeit Gegenwart“ verschränken sich Geschichten aus zwanzig Jahren. In „Kein Frühling“ (1987) versucht der Autor, die Nachkriegszeit in dem Dorf Staufenberg in Oberhessen zu erzählen, wo Kurzeck aufgewachsen ist. Es ist ein Dialog mit dem fiktiven Schatten des Erzählers. Diesem werden Erinnerungen und Lebensumstände aus dem Dorf erzählt, die in ein trübes Licht getaucht sind. Es nieselt, und Dreckklumpen kleben an den Schuhen. Die Hoffnungen schmelzen wie Schnee im Regen, aber der Frühling, der neue Hoffnung spenden könnte, will nicht kommen. Auch hier heißt Erzählen Festhalten der Zeit, Einfrieren von alltäglichen Geschehnissen. Es gibt keine dramatischen Liebesbeziehungen oder spannenden Kriminalfälle in Kurzecks Universum, nur die ausgemessene Ewigkeit, oder das, was man dafür hält. Auch „Keiner stirbt“ (1990) spielt in den fünfziger Jahren. Erzählt wird die Geschichte von Crohn, einem gestrandeten Geschäftsmann und seinen vier Mitfahrern auf dem Weg von Gießen in die leuchtende Großstadt Frankfurt am Main und zurück. Am Ende ist auch hier klar: „Unsterblichkeit ist Leben in einem Gedächtnis, das selber stirbt - man lebt von einem Vergessenden zum andern.“ In  „Übers Eis“ (1997), dem ersten Teil einer Romantrilogie, wird erstmals die Textur von einem ‚Ich‘ zusammengehalten. In einer Art Selbstverhör, das mit knappen, manchmal angehakt wirkenden Sätzen arbeitet, beschreibt der Erzähler, wie er sich von seiner Familie trennt. "Als Gast" (2003) und "Ein Kirschkern im März" (2004) vervollständigen diese autobiographisch-poetische Chronik des Jahres 1984. In jüngerer Zeit hat sich Kurzeck mit mitreißenden Lesungen und Hörbuchproduktionen einen Namen gemacht – u.a. von den Romanen "Oktober und wer wir selbst sind“ (2007) und „Ein Sommer, der bleibt“ (2007). Der Autor lebt in Frankfurt am Main und im südfranzösischen Uzès.

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