10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Norman Ohler  [ Deutschland ]

Biographie

Norman Ohler
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2002, 2015.

Bibliographie

Die Quotenmaschine 
Hoffmann & Campe 
Hamburg, 1996 
 
Mitte 
Rowohlt 
Berlin, 2001 
 
Die Stadt des Goldes 
Rowohlt 
Reinbek, 2002

Norman Ohler wurde 1970 im pfälzischen Zweibrücken geboren. Als Austauschschüler in den USA erlangte er den dortigen Highschool-Abschluss. 1990, nach dem Abitur in Deutschland, schrieb er seine erste Novelle: „Golf“. Mit 22 Jahren besuchte Ohler die renommierte Hamburger Journalistenschule, es folgten Arbeiten für „Spiegel“ und „Stern“. Für „Geo“ reiste er nach Südafrika, um ein Sonderheft über das sich gerade im Umbruch befindende Land zusammenzustellen. 1993 zog Ohler nach New York City und war dort 1994 Mitbegründer der „Tribes-Gallery“ in Manhattan. Die Kurzgeschichte „The Longer the Better“ (1994) erschien im dazugehörigen „Tribes Magazine New York“. In New York arbeitete Ohler an seinem ersten Roman: „Die Quotenmaschine“ – der Geschichte des stummen Detektivs Rutenberg, der überall und vor allem im Internet nach jemandem forscht, den er offenbar längst zu kennen scheint. Er recherchiert seinen eigenen Fall – den eines Menschen, der schon als Fötus bekannt wurde, weil er im toten Leib seiner Mutter als medizinische Sensation am Leben erhalten wurde. Schrittweise tritt seine persönliche Geschichte im Datengeflecht des Cyberspace zu Tage. Eben dort, im Internet, veröffentlichte Ohler 1995 seinen Roman – mediumgerecht mit Hyperlinks versehen. „Die Quotenmaschine“ gilt als weltweit erster Online-Roman. 1996 wurde „Die Quotenmaschine“ in Deutschland und Spanien als Hardcover veröffentlicht. Ohler, inzwischen 25 Jahre alt, wohnt bereits wieder in Deutschland, Berlin-Mitte, in einem kurz vor der Entkernung stehenden Altbau direkt am Hackeschen Markt. Die Wohnung wurde Ausgangspunkt für seinen, wie er sagt, „sehr autobiographischen“ zweiten Roman: „Mitte“ (2001). Sein Protagonist Klinger zieht auf der Suche nach Einsamkeit von London nach Berlin, in eine abgeschiedene Wohnung in Mitte. Doch wirklich allein ist er nicht. Denn während draußen schon die „Neue Mitte“ das alte Haus mit ihren Sanierungsträumen belagert, spukt in seiner Wohnung der Geist des Vormieters Igor, der hier im Drogenrausch verbrannt war. Igor überredet Klinger, sich die Droge „Ketamin“ zu spritzen. Langsam begreift Klinger, dass Igor ein „Überlebender“ der Wende ist, der nur ein Ziel kennt: den Kampf um Mitte für sich zu entscheiden. 1998 erhielt Ohler die „Fördergabe des Landes Rheinland-Pfalz“, 1999 den „Martha-Saalfeld-Preis“ des Kultusministeriums Rheinland-Pfalz, 2000 ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats. Während eines Stipendiatenaufenthaltes im schleswig-holsteinischen Kloster „Cismar“ begann er 1999 mit der Arbeit an seinem dritten Roman „Stadt des Goldes“ (2002), der den Abschluss seiner Metropolentrilogie bildet. Er erzählt von dem jungen deutschen Journalisten Kraner, der in Johannesburg die schwarze Südafrikanerin Lucy wiedertrifft, die gegen Ende der Apartheid als Drogenkurierin in den USA verhaftet worden war. Nach fünf Jahren Haft setzt Lucys Geschichte mit ihrer Abschiebung aus den USA und der Rückkehr nach Johannesburg ein, wo sie sich auf die Suche nach ihrem damaligen Auftraggeber macht. „Stadt des Goldes“ ist ein urbaner Abenteuerroman, zugleich das spannende Porträt einer Stadt am Rande des sozialen Abgrundes. Im Herbst 2004 war er Stadtschreiber in Ramallah, Palästina, und hatte dabei als einer der letzten europäischen Journalisten die Gelegenheit, ein Interview mit Jassir Arafat kurz vor dessen Tod zu führen. Im gleichen Jahr wurde er Stadtschreiber von Jerusalem. Seit Oktober 2002 arbeitet Ohler als Kolumnist für „Die Zeit“.

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