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Marcos Giralt Torrente  [ Spanien ]

Biographie

Marcos Giralt Torrente Portrait
© Anagrama

Gast des ilb 2002.

Bibliographie

Entiéndame
Anagrama
Barcelona, 1995

Nada sucede solo
Del Bronce
Barcelona 2000

In deinen Augen
Luchterhand
München, 2001
Übersetzung: Matthias Strobel

Los seres felices
Editorial Anagrama
Barcelona, 2005

Übersetzer: Matthias Strobel

Marcos Giralt Torrente wurde 1968 in Madrid geboren. Er hat Philosophie studiert und arbeitet heute als Literaturkritiker für die renommierte Tageszeitung „El País“. Er begann sein Schreiben mit Erzählungen, die unter anderem in dem Band „Entiéndame“ (1995) versammelt sind. Im Jahr 1999 erschien sein erster Roman „París“ (dt. „In deinen Augen“, 2001), der mit dem „Premio Herralde“, einem der bekanntesten Literaturpreise Spaniens, ausgezeichnet wurde. „Ich habe damals viel lieber Erzählungen gelesen als Romane“, sagt Marcos Giralt Torrente über jene Zeit, als er an seinem ersten Buch „Entiéndame“ arbeitete, einem Fächer kleiner Geschichten, die auf irgendeine, meist seltsam verdrehte Weise alle mit der Liebe zu tun haben, mit Verführung, Eifersucht und nicht zuletzt mit der Gier des Schreibens. Da gibt es zum Beispiel die Geschichte von dem Playboy, der reiche Frauen verführt, um sich von ihnen aushalten zu lassen. Als der Erzähler der Geschichte in einer Szene zufällig auf diesen Lebemann trifft, verrät er ihn nicht etwa, sondern fragt ihn nach Strich und Faden aus – allein, um seine eigene Neugier zu befriedigen. Giralt Torrente stört sich daran, dass die Erzählung in Spanien weniger geschätzt wird als der Roman – und das, obgleich es gerade dort so viele begnadete Erfinder von Geschichten gebe. Gerade an diesem Genre könne man literarische Disziplin und die Kunst der Verkürzung lernen. Im glücklichsten Fall ermögliche es die Erzählung, die Vielschichtigkeit der Welt durch eine plötzliche Erleuchtung zu interpretieren, während der Roman diese Vielschichtigkeit widerspiegeln müsse. Vielleicht ist Giralt Torrente eine solche Abbildung der Welt in seinem ersten Roman „París“ gelungen. Auch dort gibt es einen Erzähler, der unaufhörlich Fragen stellt, allerdings richtet er sie weniger an seine Umgebung als an die eigene Person. In einem Geflecht aus Wiederholungen, Variationen und sprachlichen Grabungen versucht der Erzähler seiner Kindheit im Madrid der siebziger Jahre nachzugehen, dem Konflikt der Eltern, deren dauernde Streitereien dem Sohn das Leben zur Hölle machen. Der Vater, ein gescheiterter Akademiker, der zum Kleinkriminellen geworden ist, verlässt die Familie irgendwann; seiner Frau gelingt es erst nach vielen sinnlosen Versuchen, sich von ihm zu befreien. Mutter und Sohn wiederum leiden nicht nur an ihrem heillos zerrütteten Verhältnis, die beiden verbindet auch ein Geheimnis, das der Roman erst auf seinen letzten Seiten preisgibt. Vor allem aber erzählt dieses labyrinthische Erinnerungsbuch vom Wunsch nach absoluter Liebe – ein Wunsch, dessen Erfüllung eine Utopie sein mag, der aber gleichwohl die Triebfeder von Marcos Giralt Torrentes Schreiben ist: "Wenn das Leben und die Liebe unsere großen Träume sind, müssen wir den Mut haben, auch weiterhin zu träumen." 2002 lebte Giralt Torrente als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD in Berlin. 2005 erschien mit „Los seres felices“ (Ü: Die glücklichen Wesen) sein zweiter Roman.

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