10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Idrissa Keita  [ Mali ]

Biographie

Idrissa Keita Portrait
©Danetzki, Deutsche Welthungerhilfe

Gast des ilb 2002.

Bibliographie

Aus Afrika
Horlemann
Unkehl, 1992

Wenn der Wind bläst
Horlemann
Unkehl, 1994

Pourquoi le monde s´est-il divisé?
Jamana
Bamako, 1998

Takana
Jamana
Bamako, 1999

Djemas Traum vom großen Auftritt. Eine Kindheit in Mali.
Pro juventute
Zürich, 2001
[Ü: Claudia Stein]

Übersetzerin: Claudia Stein

Idrissa Keïta wurde 1960 in Bamako/Mali geboren und hat acht Geschwister. Er ist Schriftsteller, Illustrator und Musiker und gehört zur jüngeren Generation westafrikanischer Schriftsteller, die sich für den lebendigen Austausch zwischen den Kulturen einsetzen. Nach dem Abitur erhielt er ein Stipendium für das Medizinstudium in der Sowjetunion. Aus politischen Gründen setzte er drei Jahre später, 1987, sein Studium in Frankfurt am Main fort. Seit 1991 arbeitet Keïta als freier Schriftsteller und pendelt seither “zwischen den Welten”. 1998 - nach längeren Aufenthalten in Deutschland und Frankreich – kehrte er in seine westafrikanische Heimat zurück. Idrissa Keïta hat zahlreiche Kinderbücher in französischer Sprache geschrieben. In Deutschland sind von ihm die beiden Gedichtbände für Erwachsene „Aus Afrika“ (1992) und „Wenn der Wind bläst“ (1994) erschienen. „Djemas Traum vom großen Auftritt“ (2001) ist sein erstes Jugendbuch in deutscher Sprache.

In diesem autobiographischen Roman schildert Keïta auf humorvolle und lebendige Weise die Erinnerung an seine Kindheit und Jugend in Westafrika. Der Alltag des heranwachsenden Djema, der mit seiner Familie von Bougouni in die große Stadt Bamako ziehen muß, weil der Vater seine Arbeitsstelle verloren hat, bietet viele Berührungspunkte zu Kindheiten in europäischen Breiten: Djema verbringt seine Freizeit auf Streifzügen mit Freunden, er hegt dieselben Träume von einer Zukunft als berühmter Musiker, Dichter, Fußballer oder Ringer. Dabei verliert Keïta nicht aus dem Auge, auch die vorhandenen Unterschiede darzustellen: Djema wächst in einer Welt voller Kontraste auf, zwischen Stadt und Land, Tradition und Moderne, Armut und Reichtum. Er teilt mit acht Geschwistern selbstgebasteltes Spielzeug und erfährt in Bamako zum ersten Mal, was Hunger ist. Mit diesem vielbeachteten Jugendroman wendet sich Keïta gegen das oft einseitige europäische Bild des afrikanischen Kontinents zwischen Hunger, Krankheit und Diktatur. Sein Plädoyer konzentriert sich auf die afrikanische Mittelschicht, die weder reich noch bitterarm ist, sowie die stets vernachlässigten Aspekte der afrikanischen Kultur: ihre Gelassenheit und Weisheit, ihr Glaube und die Bedeutung der Natur. Es ist der Dialog zwischen den Kontinenten Europa und Afrika, der Keïta zu seiner Literatur motiviert. Neben seiner schriftstellerischen Arbeit vermittelt Keïta als Kulturbotschafter der Deutschen Welthungerhilfe die Vielfalt der westafrikanischen Kultur. Das Motto der Aktion WeltGeschichten “Der Weltfrieden ruht in den Händen der Kinder” ist ihm stets besondere Verpflichtung. Jenseits von “Schwarzmalerei” und “Beschönigung” vermittelt er auf seinen Reisen ein realistisches Bild von Afrika und seiner Jugend, ein Bild, das dem großen Kontinent mit seinen vielen verschiedenen Völkern und Kulturen gerecht zu werden versucht. Literatur und Musik haben für Idrissa Keïta eine gleichermaßen bereichernde Bedeutung. Musik gehört zur Lyrik. “Man musiziert mit den Worten”, weiß Keita. Zusammen mit der internationalen Musikgruppe ”Afro Vibrations” entstand seine CD „Kounafoni“ mit Afro-Beat und Poesie.

Neben seinem Engagement bei der „Summer School of African Literature“ ist Idrissa Keïta im Sicherheitsko mit ee des 1852 gegründeten „Festival on the Niger“ für interdisziplinäre und interkulturelle Verständigung aktiv tätig. Außerdem setzt er sich im Rahmen seines Amtes als Minister für Energie und Hydraulik in Zusammenarbeit mit US-amerikanischen Forschungsinstituten für die sinnvolle Nutzung der Wasserressourcen des afrikanischen Kontinentes ein.

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