10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2002 / Gôzô Yoshimasu

Gôzô Yoshimasu  [ Japan ]

Biographie

Gôzô Yoshimasu Portrait
© privat

Gast des ilb 2002.

Bibliographie

Devil´s Wind: A Thousand Steps and More
Katydid Book
Rochester, 1980

Shinsen-Yoshimasu-Gōzō-shishū
Shichōsha
Tokyo, 1985

Osiris, God of Stone
Saint Andrews Press
Laurinburg, 1989

Yoshimasu-Gōzō-shishū
Shichōsha
Tokyo, 1990

The New Poetry of Japan: The 70s and 80s [Hg.]
Katydid Book
Santa Fe, 1993

Zoku-zoku-Yoshimasu-Gōzō-shishū
Shichōsha
Tokyo, 1994

Mukidashi-no-Nonohana
Iwanami Shoten, 2001

A Drop of Light
Fage
Lyon, 2005
Übersetzung: Jérôme Sans

Übersetzer: Ikita Chjaki, Günter Kunert

Gôzô Yoshimasu, geboren 1939 in Tokio, lebt und arbeitet auch heute noch als Dichter, Essayist, Fotograf und Performance-Künstler in Japans Hauptstadt. Seit seinem ersten 1964 publizierten Lyrikband „Shuppatsu“ hat Yoshimasu zahlreiche Lyrik-, Prosa- und Essaysammlungen vorgelegt, die vereinzelt u.a. ins Englische, Französische, Portugiesische und Arabische übersetzt wurden. Für sein dichterisches Werk erhielt er bedeutende Auszeichnungen im In- und Ausland, so 1971 den Takami Jun-Literaturpreis. Yoshimasu gehört zusammen mit Ryûichi Tamura, Makoto Ôoka und Mutsuo Takahashi zu jener Generation japanischer Dichter, die sich infolge der Rezeption europäischer und amerikanischer Literatur und der Wiederentdeckung der epischen Form der höfischen „chôka“ von den traditionellen silbenzählenden Kurzformen „haiku“ und „tanka“ lösten, um längere, stilistisch sowie inhaltlich freier gestaltete Texte zu entwerfen. Diese moderne japanische Dichtung („gendaishi“) wird oft als Fortsetzungsserie („renshi“) in Zeitschriften veröffentlicht, eine Publikationsart, die auch Yoshimasu üblicherweise wählt. Sein 1984 erschienener Band „Oshirisu, ishi no kama“ (Osiris, der Gott der Steine) ist z.B. solch ein „renshi“, das aus 21 Gedichten bzw. Teilen besteht. Die Teile bilden eine Art kontinuierlichen Bewusstseinsstrom eines „Sprecher-Ichs“, das sich auf einer Reise durch Japan befindet, wobei sich Reiseeindrücke mit Erinnerungen an die Kindheit, an vergangene Begegnungen oder andere Reisen verknüpfen. Gleichzeitig birgt der Text zahlreiche Bezüge zu literarischen und musikalischen Traditionen Japans. Die Reiseroute des lyrischen Ichs ist identisch mit der des berühmten „chôka“-Dichters Kakinomoto no Hitomaro aus dem siebten Jahrhundert. Charakteristisch für Yoshimasus dichterisches Schaffen ist spätestens seit der Sammlung „Ogon shihen“ von 1970, dass er dem öffentlichen Vortrag seiner Lyrik einen ebenso großen Stellenwert einräumt wie dem geschriebenen Wort. Seine Lesungen, die er vielfach in Zusammenarbeit mit Musikern gestaltet, wollen mehr sein als eine einfache mündliche Wiederholung vorab schriftlich fixierter Texte: Einzelne Passagen werden refrainartig wiederholt, Sinnabschnitte hinzugefügt, ausgelassen und umgestellt oder Teilabschnitte im improvisatorischen Wechselspiel mit einem Instrumentalisten und/oder Sänger musikalisch gestaltet. Am Ende solcher Klang-Performances stehen oftmals gänzlich neue, in dieser Form nicht wieder nachlesbare Gedichte. Für Yoshimasu wird Dichten so zu einem potentiell unendlichen Prozess, der in der immer wieder gesuchten Interaktion mit anderen Künstlern und einem Publikum beständig neue Sprach- und Klangunikate erzeugt. 2003 wurde Yoshimasu von der japanischen Regierung für seinen innovativen Beitrag zur japanischen Kultur geehrt. In den letzten Jahren unternahm er im Rahmen künstlerischer Projekte zahlreiche Reisen, darunter nach Irland, New York und Paris.

© internationales literaturfestival berlin