10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Christa Wolf  [ Deutschland ]

Biographie

Christa Wolf Portrait
© Doris Poklekowski, www.foto-poklekowski.de

Gast des ilb 2002.

Bibliographie

Der geteilte Himmel
Mitteldeutscher Verlag
Halle, 1963
 
Nachdenken über Christa T.
Luchterhand
Neuwied, 1968
 
Till Eulenspiegel
Luchterhand
Darmstadt, 1974
 
Unter den Linden
Luchterhand
Darmstadt, 1974
 
Kindheitsmuster
Aufbau-Verlag
Berlin, 1976
 
Fortgesetzter Versuch
Reclam
Leipzig, 1979
 
Kein Ort. Nirgends
Aufbau-Verlag
Berlin, 1979
 
Lesen und Schreiben
Luchterhand
Darmstadt, 1980
 
Kassandra
Luchterhand
Darmstadt, 1983
 
Ins Ungebundene gehet eine Sehnsucht
Aufbau-Verlag
Berlin, 1985
 
Die Dimension des Autors
Luchterhand
Darmstadt, 1986
 
Störfall
Luchterhand
Darmstadt, 1987
 
Ansprachen
Luchterhand
Darmstadt, 1988
 
Sommerstück
Luchterhand
Frankfurt/Main, 1989
 
Was bleibt
Aufbau-Verlag
Berlin, 1990
 
Reden im Herbst
Aufbau-Verlag
Berlin, 1990
 
Medea
Aufbau-Verlag
Berlin, 1996
 
Hierzulande Andernorts
Luchterhand
München, 2001
 
Leibhaftig
Luchterhand

München, 2002

Ein Tag im Jahr
Luchterhand
München, 2003

Ja, unsere Kreise berühren sich
Luchterhand
München, 2004

Mit anderem Blick

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2005

Der Worte Adernetz: Essays und Reden
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2006

Christa Wolf , 1929 in Landsberg an der Warthe geboren, floh 1945 mit ihrer Familie nach Mecklenburg. 1949, im Jahre ihres Abiturs, trat sie der SED bei. Bis 1953 studierte sie Germanistik in Jena und Leipzig. Danach arbeitete sie in Ostberlin beim Deutschen Schriftstellerverband als wissenschaftliche Mitarbeiterin, war Redakteurin der Zeitschrift „Neue deutsche Literatur“ und Lektorin, u.a. beim Aufbau-Verlag. Seit 1962 ist Christa Wolf freie Schriftstellerin.

Literatur und Politik sind im Leben der Christa Wolf untrennbar miteinander verbunden: Wusste sie sich bis Anfang der 50er Jahre mit dem sozialistischen System noch „völlig eins“, beschäftigt sich bereits ihre zweite Erzählung, die Liebesgeschichte „Der geteilte Himmel“ (1963), mit den Problemen der DDR am Vorabend des Mauerbaus. Das Buch erregte in Ost und West großes Aufsehen. Mit ihrer Schreibweise der „subjektiven Authentizität“, d.h. des Thematisierens eigener, persönlicher Erfahrungen, in denen sich gesellschaftliche Zusammenhänge widerspiegeln, brachte Wolf sich schnell in Gegensatz zur offiziell ausgegebenen Realismus-Doktrin. Dennoch blieb sie in all ihrer Kritik an den herrschenden Verhältnissen dem sozialistischen Staatsentwurf verbunden. Ihre Erzählung „Nachdenken über Christa T.“ (1968) stellt eine ungeschönte Bestandsaufnahme des Lebens in der DDR dar und problematisiert das Verhältnis von Individuum und Staat. Die Protagonistin Christa T. ist ein Gegenfigur zum angeordneten sozialistischen Helden. Ihre persönlichen Glücksvorstellungen und die Anforderungen, die die Gemeinschaft unter dem Zeichen des Aufbaus des Sozialismus an sie stellt, wollen nicht zusammengehen. 1976 erschien der Erinnerungsroman „Kindheitsmuster“, in dem die Autorin ihrer eigenen Geschichte nachspürt und versucht, den von ihrer Generation gegangenen Weg noch einmal nachzuvollziehen. Im gleichen Jahr war Christa Wolf eine derjenigen, die öffentlich ihren Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns zum Ausdruck brachten. „Kein Ort. Nirgends“ (1977) ist ein für sich selbst sprechender Ausdruck der Krise des Selbstverständnisses, in die die Autorin durch diese Geschehnisse geworfen wurde. Auch in der 1983 erschienenen Erzählung „Kassandra“ thematisiert Wolf die Ohnmacht des (matriarchalischen) Wissens gegenüber den Interessen der Macht. Ihrem Konzept eines Sozialismus mit menschlichem Antlitz blieb sie dennoch treu. Noch in den letzten Tagen der DDR, auf der Demonstration am Alexanderplatz am 4. November 1989, bekannte sie sich zur Reformierbarkeit dieses Staates. Die Veröffentlichung der Erzählung „Was bleibt“ (1990), die mit autobiographischen Zügen ihre Überwachung durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR schildert, führte Anfang der neunziger Jahre zu einer Diskussion über die Verantwortung und Mitschuld der Intellektuellen im Sozialismus. Ihre Antwort auf die Kritik an ihrer Rolle im SED-Staat war „Medea“ (1996), ein wiederum ins Mythologische verlagerter Roman über die gesellschaftliche Isolierung von Außenseiter-Figuren. 2002 erschien von der Büchner-Preisträgerin 1980 die viel gelobte Erzählung „Leibhaftig", es folgten das ungewöhnliche Tagebuch "Ein Tag im Jahr" (2003) und der Briefwechsel "Ja, unsere Kreise berühren sich" (2004). 2006 erschien die Sammlung „Der Worte Adernetz: Essays und Reden“.

Die vielfach ausgezeichnete Autorin lebt in Berlin und Woserin, in Mecklenburg-Vorpommern.

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