10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Bart Moeyaert  [ Belgien ]

Biographie

Bart Moeyaert Portrait
© Andy Huysmann

Gast des ilb 2002.

Bibliographie

Lieselot, Leander und die Liebe
Hammer
Wuppertal, 1998

[Ü: Mirjam Pressler]

Afrika hinter dem Zaun
Ravensburger
Ravensburg, 1995
[Ü: Carola Henke]
[Ill: Susanne Mocka]
 
Bloße Hände
Carlsen
Hamburg, 1997
[Ü: Mirjam Pressler]

[Ill: Rotraut Susanne Berner]

Blosse Hände
Beltz & Gelberg
Weinheim, 1998
[Ü: Mirjam Pressler] 
 
Im Wespennest
Beltz & Gelberg
Weinheim, 2000
[Ü: Mirjam Pressler]

Alle Mädchen heißen Püppchen
Verlag der Autoren
Frankfurt/Main, 2001
[Ü: Barbara Buri]

Es ist die Liebe, die wir nicht begreifen
Beltz & Gelberg
Weinheim, 2001

[Ü: Mirjam Pressler]

Am Anfang
Hammer
Wuppertal, 2003
[Ü: Mirjam Pressler] 
[Ill: Wolf Erlbruch]

Küss mich
Beltz & Gelberg
Weinheim, 2003
[Ü: Mirjam Pressler]

Dani Bennoni
Querido
Amsterdam, 2004

Brüder
Carl Hanser Verlag
München, 2006
[Ü: Mirjam Pressler]

Olek schoss einen Bären
Peter Hammer Verlag
Wuppertal, 2006
[Ü: Mirjam Pressler]
[Ill: Wolf Erlbruch]

Mut für drei
Hanser
München, 2008
[Ü: Mirjam Pressler]
[Ill. Rotraut Susanne Berner]

Übersetzerinnen: Barbara Buri, Carola Henke, Mirjam Pressler

Bart Moeyaert wurde 1964 als jüngster von sieben Brüdern in Brugge geboren und ist einer der herausragenden flämischen Kinder- und Jugendbuchautoren. Bereits mit neunzehn Jahren debütierte er mit seinem Kinderbuch „Duet met valse noten“ (dt. „Liselot, Leander und die Liebe”, 1998), das sogleich zu einem internationalen Beststeller wurde. 1989 gelang ihm mit seinem Jugendroman „Suzanne Dantine“, den er 1997 unter dem Titel „Wasps‘ Nest“ (dt. „Im Wespennest”, 2000) neu veröffentlichte, der literarische Durchbruch. Darin erzählt Moeyaert die Geschichte einer aufkeimenden Liebe zwischen der jungen Suzanne und einem Marionettenspieler während eines grotesken Dorfstreits um einen lästigen Hundezwinger. An einem glutheißen Sommertag muss sich das Mädchen entscheiden, ob sie endlich jenen Konflikt austragen will, der schon so lange zwischen ihr und ihrer Mutter schwelt. Schon in diesem Roman finden sich all‘ jene Charakteristika, die Moeyaerts Werk auszeichnen: In knapper, glasklarer Sprache und mit großer Dichte behandelt er in seinen Büchern brisante, häufig traurig-melancholische Themen, die Jugendliche unmittelbar angehen. Mit nur wenigen Worten vermag der Autor die Gefühlswelt seiner jugendlichen Protagonisten präzise zu skizzieren - in einer Sprache, die stets nur die Spitze des Eisbergs freilegt.

1995 folgte Bart Moeyaerts Aufsehen erregende Tragödie „Blote Handen“ (dt. „Bloße Hände“, 1998), ein Lehrstück über die Entstehung vermeintlich sinnloser Gewalt und zugleich eine scharfsichtige Studie kindlich-jugendlicher Einsamkeit, die u.a. 1996 mit dem Bücherlöwen und dem Silbernen Griffel sowie dem Deutschen Jugendliteraturpreis 1998 ausgezeichnet wurde. Am Beginn dieser Geschichte steht nur ein dummer Streich der beiden Freunde Bernie und Ward, am Ende jedoch eine böse, unentschuldbare Tat. So wird der letzte Tag des Jahres, ein bitterkalter Tag, zu einem Alptraum.

An Moeyaerts Prosa lobt die Kritik vor allem „das rechtzeitige Setzen von Zäsuren und ein Vertrauen auf die Wirkung von Bildern und Pausen, von Andeutungen, Halbsätzen und Leerstellen“ (Die Zeit). Seine reduzierte Erzählweise schafft Freiräume zum Füllen mit eigenen Erfahrungen und Assoziationen. So auch in seinem jüngsten auf deutsch erschienenen Jugendbuch „Het is de liefde die we niet begrijpen“ (1999; dt. „Es ist die Liebe, die wir nicht begreifen“, 2001), Momentaufnahmen einer Familie, erzählt aus der Perspektive eines jungen Mädchens. In drei „Gleichnisse(n) von der ungeheuren Vielfalt dessen, was sich Liebe nennt“ (Süddeutsche Zeitung), spiegelt sich die Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit, aber auch das intensive Zusammengehörigkeitsgefühl unter Geschwistern.

Bart Moeyaert schreibt ebenso Fernsehdrehbücher und Theaterstücke. Er hat mehrere Theaterprojekte realisiert, u.a. „Luna van de boom“ (2000), basierend auf einer alten slovakischen Erzählung, für das er die „Goldene Eule“ 2001 gewann. Geschichten über seine sechs älteren Brüder und sich selbst, „Broere“ (2000; dt. „Brüder“ 2006) hat er für das Theater adaptiert und als Buch herausgegeben, wofür er 2001 den renommierten Woutertjie Pieterse Prijs verliehen bekam. In Form von Miniaturen, die oft nur wenige Seiten umfassen, fängt Moeyaert Magie und Abenteuer scheinbar unbedeutender Momente aus seiner und der Kindheit seiner sechs älteren Brüder poetisch ein.

Gemeinsam mit dem preisgekrönten Illustrator Wolf Erlbruch entstanden die Bilderbücher „De Schepping“ (2003; dt. „Am Anfang“ 2003) und „Olek schoot een beer“ (2006; dt. „Olek schoss einen Bären“ 2006). „Olek schoss einen Bären“ basiert auf Igor Stravinskys berühmter Ballettkomposition „Der Feuervogel“ und wurde mit den Preisen „Die besten 7“ (September 2006) und „Kröte des Monats“ (September 2006) prämiert. Das Buch „Am Anfang“ erzählt in einer „von verhaltener Ironie geprägten Sprache“ (Die Zeit) die Erschaffung der Welt, wobei sich dem Leser eine „Welt surrealer Fantasie“ (Süddeutsche Zeitung) eröffnet. Dabei sind Moeyaerts Sätze von „großer Schlichtheit und hoher visueller Anschaulichkeit“ (Die Zeit), die den Leser Schritt für Schritt durch die Schöpfungsgeschichte führen. Für dieses Kinderbuch erhielt Bart Moeyaert den Luchs des Jahres 2003 und wurde mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis (2004) ausgezeichnet.

Für seine bestechende Erzählkunst wurde der Autor, auch international gewürdigt. Er wurde mehrfach für den renommierten Hans Christian Andersen Award (1993, 1994, 1998, 2002, 2006) und den Astrid Lindgren Memorial Award (2004, 2005, 2006, 2007, 2008) nominiert.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.bartmoeyaert.com/]